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Anwalt des Nebenklägers bittet um Nachsicht für Angeklagten

Anwalt des Nebenklägers bittet um Nachsicht für Angeklagten

Ein Faustschlag bei einer Schlägerei vor der Wittlicher Diskothek Musikpark hat weitreichende Folgen für den 28-jährigen Täter: sechs Monate Haft auf Bewährung, 2500 Euro Schmerzensgeld sowie Gerichts- und Arztkosten. Bis zu zehn Jahre Freiheitsstrafe wären rechtlich möglich gewesen für die gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen.

Wittlich. Der Angeklagte ist von athletischer Gestalt. Ein Schlag des großen, muskulösen Mannes traf einen 26-jährigen Wittlicher im vergangenen Juni so hart, dass er mit erheblichen Verletzungen zu Boden ging.
Aufgeplatzte Lippe, ein abgebrochener Zahn, Jochbeinbruch und Kieferbruch lautete die Diagnose. Sieben Wochen war der KFZ-Mechatroniker arbeitsunfähig, und er leidet heute noch an Kopfschmerzen.
Jetzt verhandelte das Amtsgericht Wittlich den Fall.
Die Tat ereignete sich am 5. Juni gegen vier Uhr morgens vor der Diskothek Musikpark, die unter ihrem früheren Namen Colosseum vor Gericht als Ort von Schlägereien hinlänglich bekannt sei, merkte der Vertreter der Staatsanwaltschaft an.
Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte an diesem Morgen den 26-jährigen Nebenkläger schwer verletzte und danach noch versuchte, seinen zur Hilfe eilenden Freund zu schlagen. Der Angeklagte, der seit zehn Jahren in Deutschland lebt, hatte an diesem Tag bereits seit Mittag mit Wodka seinen Geburtstag gefeiert. Vor Gericht erzählte er, wie ihn in der Disco ein Bekannter aufgefordert habe, mit nach draußen zu kommen, wo zwei Gruppen eine handfeste Auseinandersetzung austrugen. Der Angeklagte folgte ihm bereitwillig, um dabei mitzumischen. Draußen schlug er scheinbar grundlos auf den 26-jährigen Nebenkläger ein, der sich laut eigener Aussage und der eines Freundes nicht an der Schlägerei beteiligt hatte.
Danach ging er zurück in die Disco, um sich das Blut von den Händen zu waschen.
Im Gerichtssaal holte er nach, was sein Opfer ihm vorher nicht gewährt hatte und entschuldigte sich persönlich.
Außer dieser Geste wirkte sich strafmildernd aus, dass der 28-Jährige nicht vorbestraft war, seine Tat zugab und bereits aus eigenem Antrieb Arztkosten von 1220 Euro und 500 Euro Schmerzensgeld an das Opfer gezahlt hat. Opfer und Täter einigten sich auf weitere 2000 Euro Schmerzensgeld.
Vor der Urteilsverkündung setzte sich sogar der Anwalt des Nebenklägers für den Angeklagten ein: "Ich habe nicht den Eindruck, dass er ein Schläger ist. Ich gehe davon aus, dass es ein einmaliger Vorfall war." sys