Anwohner drohen mit Sitzblockade

Die Teilsperrung der Kurfürstenstraße vor der Schlossgalerie wirbelt mächtig Staub auf. Der macht den Bewohnern des Fürstenhofs zu schaffen. Die Umleitungsstrecke überfordert offensichtlich zudem einige Autofahrer.

Wittlich. Eine Staubwolke liegt über dem Platz zwischen der Schlossgalerie und dem Fürstenhof in Wittlich. Die Gesichter der Menschen auf dem Gelände - egal ob in einem Auto oder zu Fuß unterwegs - spiegeln eine Mischung zwischen Ratlosigkeit und Unverständnis wider: Das soll also der Verkehrsversuch sein, mit dem die Stadt Wittlich testen will, die Kurfürstenstraße in der Oberstadt von einem Teil des Verkehrs zu befreien? Ja, das ist der viel- diskutierte und ebenso kritisierte wie verteidigte Versuch: Noch bis in den November hinein müssen Verkehrsteilnehmer über eine provisorisch auf dem Schotterparkplatz eingezeichnete Fahrbahn kurven, anstatt auf der geraden Strecke zwischen Burgtürmchen und der Kreuzung am Caritasgebäude zu fahren.
Ob der Verkehrsversuch ein Erfolg ist, wollen die Stadtwerke im Auftrag der Stadt im November herausfinden. Für einen Großteil der Bewohner im Wohnkomplex Fürstenhof steht jetzt schon als Ergebnis fest: "Das ist eine Katastrophe", sagt Bewohner Heinrich Janssen. "Seit Samstag können wir wegen der Staubentwicklung nicht mehr unsere Fenster öffnen", sagt er. "Und trotzdem kommt der Staub in die Wohnung. Mir reicht es", sagt Janssen.
So wie ihm geht es offensichtlich weiteren Hausbewohnern. Mehrere haben sich inzwischen bei der Stadtverwaltung oder den Stadtwerken beschwert. Dieses Vorgehen hat nach Ansicht der Bewohner ein wenig geholfen. "Inzwischen wird die geschotterte Fahrbahn mehr als einmal täglich befeuchtet, damit es nicht so viel staubt."
Trotzdem: "Wenn das so weiter geht, machen wir eine Sitzblockade, damit kein Auto mehr durchkommt." Der Verkehrsversuch sei dilettantisch vorbereitet worden. "Man hätte wenigstens eine dünne Deckschicht auf den Schotter auftragen können", sagt Anwohner Janssen.
Bisher keine Unfälle


Deckschicht hin, Tragschicht her. Bis November läuft der Verkehr über den Parkplatz. Nach Ende des Versuchs werden erneut Autos gezählt. An mehreren Punkten im Stadtgebiet war bereits vor Monaten gemessen worden, wie viele Fahrzeuge täglich beispielsweise im Talweg, der Beethovenstraße oder in der Kurfürstenstraße unterwegs sind. Allen Beteiligten ist klar, dass die Fahrzeuge irgendwohin müssen. Nur wohin, weiß keiner.
Im Wohngebiet Sehlemet unweit der Schotterpiste am Fürstenhof glauben die Anwohner zu wissen, wohin die Reise geht: durch ihre Wohnstraße. Albrecht Gebauer von der Interessengemeinschaft gegen den Verkehrsversuch sagt, dass gefühlt mehr Fahrzeuge in den Wohnstraßen unterwegs sind als zuvor. Ein Indiz für seine These: Gebauer hat bei auswärtigen Kollegen nachgefragt, wie sie zu ihrem Arbeitsplatz im Krankenhaus gekommen sind. "Eine Kollegin hat spontan gesagt, dass sie durch den Talweg gefahren ist, anstatt durch die Kurfürstenstraße am Fürstenhof."
Noch kein erstes Resümee will die Stadtverwaltung ziehen. Deren Sprecher Ulrich Jacoby sagt: "Der Versuch läuft erst seit zwei Tagen. Da ist es noch zu früh für eine Bilanz." Hans-Jürgen Riemann von der Polizei Wittlich sagt, dass bisher noch keine Unfälle gemeldet worden seien.
Angesichts der Konfusion auf dem Schotterparkplatz muss eine ganze Armada von Schutzengeln auf dem Gelände unterwegs sein. Auf dem Fußweg durch den Parkplatz abgestellte Fahrzeuge gehören am Montag ebenso zum Bild wie Fahrzeuge, die von ihren Wagenlenkern verbotswidrig um Absperrungen herummanövriert wurden. Zudem kommt es immer wieder zu Beinahe-Kollisionen, da die Fahrbahn vom Burgtürmchen Richtung Caritas zwischen all den abgestellten Fahrzeugen nur schwer auszumachen ist.

"Ich finde das nicht schlimm. Die Umleitung ist sicherer für die Besucher der Galerie und die Kinder, die vorher im Verkehr den Zebrastreifen benutzen mussten." "Es ist nicht einzusehen, warum die Durchgangsstraße gesperrt ist. Es ist doch bisher auch gelaufen. Der Verkehr geht zulasten der Wohngebiete und der Beethovenstraße." "Es staut sich überall. Alles dauert viel länger und hält sehr auf. Das ist keine gute Lösung." "Ich finde das unmöglich; das ist keine Lösung. Die Umleitung ist für den Fürstenhof eine Wertminderung, und der Staub ist der Wahnsinn." TV-Fotos (4): Nicholas Vogt