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Gesundheit
Apotheke in Ürzig schließt

 Schließt Ende des Monats: Die St. Maternus-Apotheke in Ürzig.
Schließt Ende des Monats: Die St. Maternus-Apotheke in Ürzig. FOTO: TV / Winfried Simon
Ürzig. Der Inhaber hat keinen Nachfolger gefunden. Was mit dem Haus passiert, ist noch offen. Von Winfried Simon
Winfried Simon

„Die wird uns sehr fehlen.“ Bis zuletzt hatte Arno Simon, Ortsbürgermeister von Ürzig, gehofft, dass die St. Maternus-Apotheke bestehen bleibt. Doch jetzt ist sicher: Nur noch bis Ende März können Bürger dort ihre Rezepte abgeben und sich mit Medikamenten versorgen.

Apotheker Martin Schulz-Finke (62) ist seit längerem erkrankt und kann daher den Betrieb nicht mehr weiterführen. Seine Ehefrau  Heike Schulz-Finke betreibt weiterhin die Adler-Apotheke in Alf.  Sie bedauert den Schritt und sagt: „Wir bleiben natürlich in Alf, müssen aber in Ürzig schließen.“ Zwei Mitarbeiterinnen  kann sie in der Alfer Apotheke weiterbeschäftigen, drei Mitabeiterinnen musste sie kündigen.

Heike Schulz-Finke: „Wir haben versucht, für Ürzig einen Interessenten zu finden, der die Apotheke pachtet oder kauft. Das Problem  ist aber, dass kaum jemand aufs Land will. In der Stadt oder in Stadtnähe  wäre es sicherlich einfach gewesen,  einen Nachfolger zu finden.

Dabei sei die St. Maternus-Apotheke ein guter Betrieb, der sich rechne. In Ürzig gibt es eine Doppelarztpraxis mit den Hausärzten Dr. Joachim Heim und Dr. Elena Möller.

Was mit dem Haus am Rathausplatz mitten im historischen Ortskern geschehen soll — ob verkaufen oder vermieten —  weiß Heike Schulz-Finke noch nicht. „Darüber haben wir uns noch keine konkreten Gedanken gemacht.“

Die nächsten Apotheken von Ürzig aus sind in Kröv, Zeltingen-Rachtig, Wittlich und Traben-Trarbach.

Wie  die Zeitschrift „Apotheken-Umschau“ berichtet, müssen vor allem in den ländlichen Gebieten immer mehr Apotheken schließen. Jedes Jahr gibt es deutschlandweit rund 200 bis 300 Apotheken weniger. Betroffen waren zuletzt auch die Apotheken in Bad Bertrich und Enkirch.

Ein Problem: Die Apotheker finden  weder Nachfolger noch Fachkräfte, wie pharmazeutisch-technische Assistenten oder pharmazeutisch-kaufmännische Angestellte. Ferner wird die Entwicklung durch den  Ärzteschwund auf dem Land noch verschärft. Ein weiterer Grund ist die Konkurrenz  des Internet-Versandhandels.

Das Apothekensterben hänge auch mit politischen Entscheidungen zusammen, kommentiert die Apotheken-Umschau. In Deutschland gelte für Medikamente eine Preisbindung. Sie soll sicherstellen, dass mit wichtigen Arzneimitteln kein Preiskampf entsteht und sichert auch, dass die Apotheken bei diesem Preiskampf nicht mitmachen müssen, beziehungsweise dürfen. Der Europäische Gerichtshof hat jedoch geurteilt: Für ausländische Anbieter, die Medikamente zum Beispiel im Internet anbieten, gilt diese Preisbindung nicht.

Die Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände fordert daher ein generelles Versandhandelsverbot für verschreibungspflichtige Arzneimittel.