"Arbeit hat noch nie geschadet"

Eigentlich ist er schon in Rente - aber als der Bau des Eventums in seiner Nachbarschaft begann, hatte er keine Lust nur zuzuschauen. Walter Feuster, 68 Jahre und in Rente, hat sich auf 400-Euro-Basis anstellen lassen, um mitzuhelfen.

Wittlich. "Im Fernsehen war ja mal wieder nix gestern Abend. Bei den ganzen schmierigen Moderatoren, die man da sieht, da lauf ich davon!" Walter Feuster hat mit seichter Unterhaltung nichts im Sinn. Er ist ein Praktiker, kann auf ein langes Berufsleben als Bauarbeiter zurückblicken. Beim Treffen am Morgen im Eventum macht sich der 68-Jährige erst einmal Luft: "In Deutschland wird zu viel gejammert ", sagt er in Hinblick auf die allgemeine Lage.
Mit Jammern hat Feuster wenig im Sinn. Im Gegenteil. Der rüstige Rentner kann auf ein abwechslungsreiches Leben zurückblicken, bei dem für ihn die Arbeit immer im Vordergrund stand. Und das tut sie heute noch. "Statt daheim zu faulenzen, helfe ich beim Eventum mit," sagt Feuster, der dort auf 400-Euro-Basis mitarbeitet. Auch beim Bau der Veranstaltungshalle war er dabei. "Das war für mich der Höhepunkt meines Berufslebens, als der Bau fertig wurde," erinnert sich Feuster. Vom ersten Spatenstich bis zur Montage der Fenster war Feuster dabei, schloss den Firmen den Bauzaun auf, sorgte dafür, dass die Baustelle abends wieder abgeschlossen war und ist - weil er in Gehweite wohnt - ein wichtiger Kontaktmann für die dort arbeitenden Firmen.
1945 wurde Feuster in Daun geboren, seit 29 Jahren lebt er in Wittlich und hat schon einige Baustellen erlebt. "Ich habe damals Schreiner gelernt und bin über meinen Vater zum Bau gekommen. Der war Zimmermann." Feuster hielt es nicht lange an einem Ort. Er ging zu einer Baufirma nach Köln und wollte die Welt kennenlernen. "Ich bin viel in Deutschland und Europa herumgekommen, manchmal war ich ein Jahr auf einer Baustelle und bin nur alle drei bis vier Wochen nach Hause gefahren," erzählt Feuster. Schließlich hat er auch geheiratet, ein Mädchen, zwei Söhne, vier Enkel.
Zwei Herzinfarkte hat er hinter sich, aber er denkt nicht daran aufzuhören. "Arbeit hat noch nie geschadet. Wenn man sich bewegt, bleibt man gesund," erzählt er gelassen und zieht an seiner Zigarette. Was war der größte Unterschied im Vergleich zur Vergangenheit? "Damals mussten wir viel mehr mit der Hand schaffen, es gab noch nicht so viele Maschinen. Das ist heute einfacher," sagt Feuster. Und außerdem. "Wenn wir damals gesagt haben, wir gehen ein Bier trinken, dann haben wir das auch direkt gemacht." Heute sei es schwieriger, einen gemeinsamen Termin zu finden. Eine seiner großen Baustellen war 1994/95 das Stadthaus in Wittlich: "Das war eine tolle Baustelle. Das Klima unter den Arbeitern war immer gut." Ob Feuster ein Hobby hat? "Der Beruf hat mir so viel gegeben, da hatte ich gar keine Zeit für ein Hobby." Feuster macht es Freude, zu sehen, wenn ein Bauwerk fertig ist: "Mein Highlight war das Eventum, eine tolle Baustelle und ein tolles Bauwerk!". Feuster ist zufrieden mit seinem Leben. "Solange ich gesund bin, mache ich weiter. Wenn man ständig zu Hause bleibt, dann spürt man jedes Wehwehchen und rennt zum Doktor." Einen kleinen Wunsch hat er noch, er hätte gerne einen Hund. Aber den kann er sich nicht erfüllen, da er zur Miete wohnt. hpl
Es gab bereits ein paar öffentliche Termine im Eventum. Was gefällt Ihnen daran besonders oder haben Sie auch kritische Anmerkungen? Mailen Sie uns an mosel-echo@volksfreund.de