Arbeit in einem bunten Meer aus Farben

Arbeit in einem bunten Meer aus Farben

Gloria Döres geht einem seltenen Beruf nach: Sie arbeitet als freiberufliche Weberin. In ihrem Haus in Wallscheid stehen drei Webstühle und lagern hunderte Sorten von Wolle und Garnen in allen Farben. Bei ihren Materialien hat sie ihre Prinzipien.

Wallscheid Farben leuchtend und vielfältig wie die eines Regenbogens, dicke und dünne Garne, Wolle so weich, dass man sich am liebsten reinlegen würde, und so in einander geflochten, dass schon vor dem Weben spannende Muster entstehen. Betritt man das Webzimmer von Gloria Döres, kann man sich erst einmal gar nicht satt sehen an dem bunten Farbenmeer.
Anfang der 1970er Jahre hat Gloria Döres in Finnland ihre ersten Weberfahrungen auf einem handgefertigten Webstuhl gemacht. "Einen Flickenteppich habe ich damals als erstes gefertigt", erinnert sie sich. Die heute 62-Jährige, die aus Wittlich stammt, hat Modedesign studiert, Schwerpunkt Kostümbild. In Schönecken in der Eifel begann sie dann eine Lehre als Weberin. An ihrem Beruf, den sie seit 1980 freiberuflich ausübt, gefällt ihr vor allem die Vielseitigkeit. Sie sagt: "Durch das Weben komme ich viel mit Menschen zusammen. Ich habe Kurse in der Volkshochschule gegeben, Webepochen in der Waldorfschule gestaltet und Kindern mit besonderen Bedürfnissen, egal ob körperlicher oder geistiger Art, das Weben nähergebracht." Anfangs hat sie Kleidung und Raumtextilien hergestellt. Dabei gehören historische Gewänder zu den schwierigsten Sachen, die sie gefertigt hat. Auch Schals, Ponchos, sonstige Kleidung und Wandbehänge sind in ihrem Webrepertoire. Zu ihren Kunden gehören auch Kirchengemeinden, denn sie webt Altardecken. Durch Mundpropaganda, Messen und Märkte komme sie zu ihren Aufträgen.
Für Gloria Döres hat das Weben etwas Gesundendes, wie sie sagt. "Man verkreuzt die Fäden, es gibt Bindungspunkte. Zudem ergreift es die Sinne und gibt Ruhe", berichtet sie von den Erfahrungen, die sie bei ihrer Arbeit gemacht hat. Das Material, dass sie verarbeitet, spiele dabei für sie eine wichtige Rolle. In der Anfangszeit ihrer Webertätigkeit waren synthetische Garne im Aufwind. Das habe ihr nicht zugesagt. "Ich wollte individuell arbeiten und mit natürlichen Fasern. Das ist gar nicht so einfach." Sie verwendet für ihre Produkte unter anderem Wollgarne, Alpaka, Ramie (eine Naturfaser), Leinen, Baumwolle und Goldfäden. Dabei achtet sie darauf, dass die Garne zertifiziert sind, damit weder Menschen noch Tiere noch Pflanzen leiden mussten. Immer wieder findet sie neues Material, das sie fasziniert. Aktuell arbeitet sie gerne mit Torffasern, das ist Wollgras, das vertorft ist und die besondere Funktion hat, dass es die Eigenwärme anregt.
Spannend, aber unbezahlbar ist der Faden der Golden Spider Silk, der gewonnen wird, indem handtellergroße Madagaskar-Spinnen gemolken werden. "Für ein Priestergewand braucht es fünf Jahre, eine Million Spinnen und 80 Mitarbeiter, die die Spinnen regelmäßig melken", weiß die Weberin.
In ihren eigenen Stücken stecken viele Stimmungen, allerdings keine negativen. "Wenn man in keiner guten Verfassung ist, wird es auch nichts mit dem Weben. Vielmehr fließen die Farben, die ich bei meinen Spaziergängen sehe, mit ein. Da gibt es das dunkle leuchtende Rot der Brombeerblätter, das Gelb der Sonne oder das Grün, über dem der Raureif liegt." Wenn sie auf Bestellung für Personen webt, nehme sie sich zurück, und arbeite individuell für den Menschen. Lebendigkeit erreicht sie durch Farbe, das Material, das Verschieben der Bindungen und kleine Einlagen. Für einen Schal braucht sie ein bis zwei Tage, für eine Tagesdecke, die rund 1,50 mal zwei Meter groß ist, etwa 25 bis 35 Stunden. In dieser Zeit zieht sie sich dann zurück in ihr Webzimmer, bei dem man den Eindruck hat, inmitten eines Regenbogens zu sein.
Wer wie Gloria Döres das Handwerk von der Pike auf lernen will, muss sich auf die Suche machen. "Im Kammerbezirk Trier kann man momentan keine Ausbildung zum Weber mehr machen", erklärt Constanze Knaack-Schweigstill, Pressereferentin der Handwerkskammer Trier, auf TV-Nachfrage.Extra: HEIMWEBERMUSEUM SCHALKENMEHREN


In der Eifel hat vor allem Schalkenmehren eine Webertradition. Dort gab es von 1926 bis in die 80er Jahre eine Webereigenossenschaft, an die heute noch das Heimwebermuseum erinnert. Gloria Döres ist die Leiterin. Die Webereigenossenschaft kam in den 20er Jahren, weil im Ort Not herrschte und einige Menschen für den Eigengebrauch webten. Eine engagierte Lehrerin überzeugte die Menschen, das Handwerk auszubauen und für den Verkauf zu weben. Besonders die handwerkliche und künstlerische Qualität sorgten dafür, dass die in Schalkenmehren hergestellten Maartücher einen guten Ruf hatten. Das Herzstück des Museums ist ein Webstuhl, der zwei Meter hoch, lang und breit ist und auf den rund 2000 Fäden gespannt sind. Bei Vorführungen kommt er zum Einsatz.

Mehr von Volksfreund