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Jubiläum: Arbeiterwohlfahrt feiert ihre Geschichte

Jubiläum : Arbeiterwohlfahrt feiert ihre Geschichte

Der Awo-Kreisverband Bernkastel-Wittlich kommt zum 100. Geburtstag des bundesweiten Wohlfahrtverbands zusammen und ehrt langjährige und engagierte ehrenamtliche Mitglieder.

Hilfe zur Selbsthilfe: So lautet das Motto der Arbeiterwohlfahrt (Awo). Der bundesweite Wohlfahrtsverband hat im Landkreis Bernkastel-Wittlich 400 Mitglieder, die in sechs Ortsvereinen organisiert sind. 2019 ist für die Awo ein besonderes Jahr, in dem die 1919 gegründete Organisation ihren 100. Geburtstag feiert. Wie alt die Awo im Landkreis Bernkastel-Wittlich tatsächlich ist, das sei ein Rätsel, sagt die Kreisvorsitzende Maria Bölinger auf dem Neujahrsempfang des Kreisverbands, an dem zugleich der 100. Geburtstag der Arbeiterwohlfahrt gefeiert wird.

Die Geschichte des Kreisverbands habe sich leider nicht genau erforschen lassen, sagt Bölinger. Das Gründungsdatum und das Alter der Awo im Kreis sei unbekannt, reiche jedoch in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurück, sagt Bölinger. „Traben-Trarbach ist der älteste Ortsverein, da er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg gegründet wurde“, sagt sie.  Die Arbeiterwohlfahrt als SPD naher Verband sei jedoch von den Nationalsozialisten 1933 verboten worden,  da die Verantwortlichen eine Gleichschaltung mit NS-Organisationen abgelehnt hätten. Nach dem Krieg sei die Awo in der BRD wieder gegründet worden.

„In der ehemaligen DDR blieb die Awo verboten. Demokratie und Arbeiterwohlfahrt sind untrennbar“, sagt Rudi Frick, Vorsitzender des Awo-Bezirkverbands Rheinland, in seiner Rede. „Durch die Awo gelangten die Ideen über Selbsthilfe und Solidarität erstmals in die deutsche Wohlfahrtspflege.  Die damals übliche Armenpflege hatte Unterdrückungscharakter. Die Awo befreite. Sie machte den einzelnen unabhängig von staatlicher Bevormundung.“ Der soziale Rechtsstaat, wie ihn die Awo seit 1919 angestrebt habe, sei in der Bundesrepublik Wirklichkeit geworden, sagt Frick. Der Wohlfahrtsverband habe vielen Parlamenten und Regierungen Wünsche, Anregungen und Forderungen vorgetragen, die später zu Gesetzen wurden. „Jedoch, die Awo weiß aus Erfahrung, wie gefährdet die soziale Rechtsstaatlichkeit immer wieder ist.“ Auch das bislang erarbeitete müsse immer wieder neu erarbeitet werden. „Gute Sozialpolitik fällt nicht vom Himmel.“ Als Gast und gleichzeitig Hausherr der Veranstaltung im Kreishaus sagt Landrat Gregor Eibes: „Auch wenn die Massenverelendung zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Deutschland mittlerweile der Vergangenheit angehöre, habe die Aufgabenstellung der Awo bis heute nichts an Aktualität eingebüßt. Eibes lobt das Engagement der ehrenamtlichen Mitglieder: „Wir brauchen solche Menschen wie Sie, damit unsere Gesellschaft weiter existieren kann.“ Das Feedback der Menschen mit denen sie ehrenamtlich arbeite, mache sie glücklich, sagt die Kreisvorsitzende Bölinger. „Wir haben viel Spaß miteinander. Wenn man keine Freude daran hat, würde man es nicht machen.“ Die sechs Ortsvereine der Awo im Landkreis suchen, wie Bölinger sagt, noch Mitglieder und Helfer, die den Verband bei seinen Aktivitäten stundenweise unterstützen möchten.