Arbeitsamt im Jugendknast

WITTLICH. Das Arbeitsamt kümmert sich auch um junge Inhaftierte: Bereits zum zehnten Mal nutzte das Berufsinformationszentrum BIZ die Ferien, um seine Dienste in der Jugendstrafanstalt anzubieten.

Gar nicht so einfach, auf der einen Seite den Inhaftierten eine sinnvolle Information zum Thema Berufswahl für die Zeit nach dem Gefängnis zu gewährleisten und auf der anderen Seite sämtliche Sicherheitsvorschriften zu beachten. Denn zur Außenwelt darf keinerlei direkter Kontakt aufgenommen werden; die Nutzung des Internets ist für die Gefangenen eine Einbahnstraße. Doch schon damit ist ihnen in vieler Hinsicht geholfen. Die Resozialisierung steht bei den Insassen jedes "Jugendknasts" im Vordergrund, und dazu gehört an vorderster Stelle, so rasch wie möglich finanziell auf eigenen Füßen stehen zu können. "Wir stellen ihnen hiermit das komplette Angebot der Arbeitsagenturen draußen zur Verfügung einschließlich individueller Gespräche mit dem Berufsberater", sagt Franz-Josef Schäfer, seines Zeichens Bildungsbeauftragter, Oberlehrer und Betreuer der Biz-Aktion. So sitzen sie also gruppenweise in der Aula der Anstalt, jeder an einem eigenen Bildschirm, die Kopfhörer über den Ohren, und bewacht von aufmerksamen Mitarbeitern, damit das Gebot der informellen Einbahnstraße eingehalten wird. Schäfer: "Von den insgesamt 183 Gefangenen in der JSA sind in den vergangenen sechs Tagen über die Hälfte ans Netz gegangen." Neugierig, konzentriert und freiwillig. Wer es Ernst meint, nutzt den Hafturlaub am Wochenende, um den, von hier aus verbotenen, Kontakt zu einem potentiellen Arbeitgeber herzustellen. Wie zum Beispiel Louis (Namen geändert), der in fünf Monaten entlassen wird. Draußen hat er Schlosser gelernt und würde gerne ins Ausland gehen. "Auf den Bau", sagt er, wegen des guten Verdienstes. Seine konkreten Vorstellungen konnte er mit ebenso konkreten Recherchen bedienen. Ja, es ist einiges frei in der Branche, hat Louis festgestellt. So kurz vor der Entlassung sei der Wohngruppenleiter ohnehin das Thema Beruf mit ihm angegangen, ergänzt Psychologe Robert Haase. Schließlich sind positive Perspektiven wichtig, wenn einer zurückfinden will ins eigenverantwortliche Leben, das mancher noch gar nicht kennen gelernt hat.Viele Häftlinge haben keine Berufsausbildung

Wer nach Jugendstrafrecht verurteilt wurde, hat oft noch keine abgeschlossene Berufsausbildung. Max hat zumindest den Hauptschulabschluss in der JSA nachgeholt. Die zehnte Klasse würde er auch gerne machen, doch dazu sind Schäfer und Kollegen nicht befugt. Immerhin arbeitet Max - "das ist mir sehr wichtig" - und strebt für später eine Ausbildung zum Restaurantfachmann an. Wem es an Ideen für den eigenen Beruf mangelte, wie Thomas, der von einer Karriere als Rapper träumt und zu seinem Bedauern keinen diesbezüglichen Ausbildungsgang im Verzeichnis anerkannter Berufe fand, der erstellte an einem der Biz-Computer schon einmal ein Neigungsprofil: Das kann beim Entdecken eigener Fähigkeiten entscheidende Impulse geben. So dürfte sich jeder der 100 Teilnehmer Denkanstöße mitgenommen haben - immerhin herrschte in diesen Tagen eine angenehme Arbeitsatmosphäre im Jugendknast, und das lässt hoffen.