"Arbeitssprache" ist deutsch

WITTLICH-BOMBOGEN. Seit einem halben Jahr treffen sich Kinder und Jugendliche im ehemaligen Tabaksschuppen. Gut für den Gemeinschaftssinn, gut für die Kommunikation und vor allem: gut für die Integration von Spätaussiedlern.

In offiziellen Zählungen tauchen sie nicht als Ausländer auf und sind trotzdem alles andere als integriert: Die Aussiedlerfamilien aus der ehemaligen Sowjetunion. Bombogen hatte in den vergangenen 16 Jahren besonders viele Zuwanderer von dort zu verkraften. Dies war der Hauptgrund für die Einrichtung des Jugendraums, der seit einem halben Jahr zum Zentrum pädagogischer Arbeit geworden ist. Diplom-Pädagogin Palina Fantes, selbst erst 23-jährig mit mangelhaften Sprachkenntnissen nach Deutschland gekommen, leitet das Projekt. Sie berichtet über erste Erfahrungen."Manche erwarten, dass Bombogen durch mich noch bombogener wird", hatte sie zu Beginn ihrer Amtszeit die oft diffusen Erwartungen mancher Mitbürger auf einen Nenner gebracht. Es klingt merkwürdig, doch dieser Prozess scheint gerade zu laufen: Man wächst zusammen. Über 100 junge Menschen, schwerpunktmäßig zwischen zwölf und 16, 80 Prozent männlichen Geschlechts, verkehren hier regelmäßig, spielen Billard, Dart, Gesellschaftsspiele, chatten im Internet, lesen oder machen einfach Blödsinn miteinander. Ihre Eltern waren oder sind Deutsche, Russen, Polen, Türken, Jugoslawen. "Integration beginnt genau dort, wo sie alle an einen Tisch kommen", sagt Fantes, wo sie spaßig oder ernsthaft über all die Dinge sprechen, die sie etwas angehen. Die "Arbeitssprache" sollte dabei deutsch sein, erstens weil das alle zumindest ein wenig verstehen, zweitens aus Gründen der Höflichkeit, drittens um selbst sprachlich weiterzukommen.

Mit zahlreichen Kooperationspartnern (unter anderem Duale Oberschule, Berufsbildende Schule, Arbeitsamt, Aidshilfe, Sport- und Kulturverein der Russischsprechenden) bietet die Diplom-Pädagogin für Jugendliche und Erwachsene Workshops, Deutsch- und andere Kurse unter dem Dach des Jugendraums an, oft mit Steuergeldern gefördert. Die deutsche Sprache zu beherrschen, sei Grundvor-aussetzung für eine gelungene Integration, sagt sie. Auch ältere Familienangehörige sind neugierig geworden, bitten die junge Frau aus Weißrussland immer wieder um Sekretärinnen- und Steuerberaterdienste.

"Da muss ich mich abgrenzen", bedauert sie, "das kann ich nicht machen." Gerne hingegen führt sie jene Bombogener im Haus herum, die einfach mal schauen wollen, was aus ihrem alten Schuppen geworden ist. Sie bringen oft sogar Geschenke mit: Topfpflanzen, Bücher, Zeitschriften, sogar Gartenmöbel haben sie schon gespendet. Glück haben die Jugendlichen mit Ortsvorsteher Hermann Josef Krämer, dem Beirat und dem Runden Tisch in Bombogen. Wenn sie etwas brauchen, gibt es einen Aufruf im Infoblatt, und rasch ist ein Spender gefunden.

Im Augenblick träumen die jungen Besucher von ein paar Pfannen und Töpfen, um sich zwischendurch eine Kleinigkeit warm machen zu können, auf einer mobilen Kochplatte oder einer alten Mikrowelle, die auch noch nicht vorhanden sind. "Noch besser wäre eine Tischtennisplatte", feixen die Stammgäste Konstantin und David, die gerade anfragen, wie sie sich für das Fest am 17. September einbringen können: Dann wird nämlich offiziell Einweihung gefeiert. Und wer weiß, vielleicht erinnert sich ja einer der Honoratioren an eine Tischtennisplatte im eigenen Keller....?