Arbeitsurlaub im Bistum Trier

Sommerzeit ist Ferienzeit. Das gilt auch für die Pfarrer in den katholischen Gemeinden. Damit es in dieser Zeit trotzdem Gottesdienste gibt, sind in manchen Orten Ferienvertretungen aus dem Ausland im Einsatz. Einer von ihnen ist Dr. Dariusz Kucharski, der aus Polen nach Heidenburg gekommen ist.

Heidenburg. Arbeiten in den Ferien? Für Pfarrer Dr. Dariusz Kucharski ist das kein Problem. Schon seit 15 Jahren verbringt er einen Großteil seines Urlaubs in der Hunsrückgemeinde Heidenburg, erzählt der 45-Jährige gut gelaunt. Er spricht sehr gut Deutsch, allerdings mit deutlichem polnischen Akzent. "Ich habe von Anfang an gute Erfahrungen gemacht", sagt Kucharski, der mit seinem dunkelgrauen Stehkragenhemd gleich als Geistlicher zu erkennen ist. Vor 15 Jahren, noch während seines Studiums, habe er fünf Bewerbungen nach Deutschland geschickt, um das Land besser kennenzulernen. Vom Bistum Trier habe er damals eine Antwort bekommen, und er sei so das erste Mal in den Hunsrück gekommen.
Papierkram bleibt ihm erspart


Zu seinen Aufgaben bei der Ferienvertretung gehören neben den Gottesdiensten, Trauungen, Beerdigungen auch Besuche zu Geburtstag oder bei Paaren, die goldene oder diamantene Hochzeit feiern. Verwaltungstätigkeiten und Papierkram muss Kucharski nicht übernehmen. "So lässt es sich leben", begründet er, warum eine solche Arbeit für ihn auch Erholung ist. Neben diesen Aufgaben bleibt ihm noch Zeit zum Lesen oder auch zu Ausflügen in die Umgebung.
Kucharski arbeitet in Polen als stellvertretender Leiter des Priesterseminars in seiner Heimatstadt Lodz. Außerdem lehrt er Philosophie an der Universität in Warschau. Gottesdienst und seelsorgerische Tätigkeiten gehören dort nicht zu seinen Aufgaben. Insofern ist die Tätigkeit in Heidenburg auch eine willkommene Abwechslung, die er umso lieber macht, als er in den Jahren viele Freunde gefunden hat.
Interessant ist für den polnischen Priester auch der Unterschied, den er bei der Seelsorge zwischen Deutschland und Polen erkennt. "Bei uns gibt es noch keinen Priestermangel", sagt er. In Polen sei es nicht üblich, dass ein Priester mehrere Pfarreien betreut. In Heidenburg gehören zum Gebiet des Pfarrers auch noch die Gemeinden Horath, Büdlich und Berglicht dazu. In Deutschland liegt nach Kucharskis Einschätzung deutlich mehr Verantwortung auf den Schultern der Laien. Die Gottesdienste sind nach Kucharskis Wahrnehmung im Durchschnitt in Polen deutlich besser besucht als in Deutschland.
Kucharski ist im Bistum Trier nicht der einzige Pfarrer, der eine Ferienvertretung übernommen hat. Insgesamt acht Geistliche, aus Indien, Kongo, Rumänien, Kroatien und Niger machen Ferienvertretungen. Im Kreis Bernkastel-Wittlich arbeitet mit Dr. Jozef Warzeszak ein weiterer Pole als Gastpriester. Er betreut die Pfarreien in Großlittgen und Eisenschmitt.
Hinzuverdienst für Priester


Wie Ernst Mettlach, Sprecher des Bistums Trier, sagt, haben diese Vertretungen aus anderen Ländern Tradition. "Sinn dieser Regelung ist, dass die seelsorgerische Betreuung der Pfarreien im Bistum Trier auch dann gewährleistet bleibt, wenn unsere Pfarrer Urlaub machen." Mettlach sieht zudem Vorteile für beide Seiten. So könnten sich Priester aus ärmeren Ländern oft etwas dazuverdienen. Ein sehr wichtiger Aspekt sei aber auch, dass Kontakte der Pfarreien in die Weltkirche gestärkt werden und Seelsorger aus anderen Ländern Einblick in den Alltag hierzulande erhalten. "Es ist also auch immer ein kultureller Austausch, vom dem alle profitieren können", sagt Mettlach. Die Organisation dieser Vertretungen läuft über die Stabsstelle Priester. Oft bestehen, wie bei Dariusz Kucharski, die Kontakte der Pfarrer zu den Urlaubsvertretungen aber schon seit Jahren oder Jahrzehnten.