Archäologe wittert Sensation in Wittlich

Kostenpflichtiger Inhalt: Archiv September 2019 : Archäologe wittert Sensation in Wittlich

Haben Wissenschaftler in der Nähe der Autobahn A 1 ein Fürstengrab entdeckt? Der Fund gibt Forschern einige Rätsel auf.

Wo manch ein Betrachter bloß eine grüne Wiese wahrnimmt, auf der einem das Unkraut bis zur Hüfte wächst, erkennt der Archäologe Dr. Lars Blöck wahre archäologische Schätze. Wenn sich die Vermutungen und Hoffnungen, die Blöck bezüglich seiner Entdeckungen hegt, bewahrheiten, dann steht der Stadt Wittlich womöglich in Kürze eine weitere archäologische Sensation bevor. Erst im vergangenen Jahr entdeckten Archäologen des Rheinischen Landesmuseums Trier in der Kirchstraße nahe St. Markus im Herzen von Wittlich römische Siedlungsreste.

Nun deute alles, wie Blöck sagt, zu „95 Prozent“ auf Relikte aus der Keltenzeit hin. Seine Entdeckung machte der promovierte Archäologe auf Luftbildern, welche landwirtschaftliche Flächen nahe der A 1 und des Aldi-Zentrallagers zeigen. Genau genommen entdeckte er einen Kreis auf der Wiese, „auf dem das Gras saftiger und dunkler aussieht“. Dieser Kreis mit einem Durchmesser von etwa 25 Metern, der sich auf der Wiese abzeichne, sei charakteristisch für ein Hügelgrab, erklärt Blöck. Bei seiner Entdeckung handele es sich um einen ehemaligen Grabhügel, der einmal acht bis zehn Meter in die Höhe geragt sei, „mit einem Graben rundherum zur Festigung des Hügels“.

Wer wurde in diesem gewaltigen Hügelgrab beigesetzt? Vielleicht ein ehemaliger Bürgermeister der Stadt Wittlich? „Es war jedenfalls der Angehörige einer Elite“, sagt Blöck, „vielleicht aus der Eisenzeit im 5. bis 4. Jahrhundert vor Christus.“ Damit wäre man in der Keltenzeit, sagt Blöck.  Man könne aktuell jedoch auch noch nicht ausschließen, dass es sich um ein römisches Hügelgrab handele. Hat dort möglicherweise der Besitzer der römischen Villa seine letzte Ruhe gefunden? Aber sogar ein bronzezeitliches Grab zwischen 2200 und 800 vor Christus sei möglich, erklärt der Archäologe. Blöck: „Das wäre allerdings wirklich sensationell.“ Bislang gebe es keine Hinweise auf die Datierung. Fest stehe hingegen, dass es sich bei einem Hügelgrab solchen Ausmaßes um ein Elite-Grab handele. Die Archäologen des Landesmuseums versprechen sich durch ihre Forschung „Einblicke in die Hochkultur einer Epoche“. In der Stadt Wittlich, sagt Blöck, sei noch nie nach Relikten der Kelten, die er dort am ehesten vermute, gegraben worden. „Und so ein großes Hügelgrab haben wir in der Region Trier seit 20 oder 30 Jahren nicht mehr entdeckt und ausgegraben.“ Der Fund in der Säubrennerstadt klingt also aus archäologischer Sicht äußerst vielversprechend.

Da es aus der Zeit des Grabes, gesetzt es wäre keltisch, keine Schriftquellen gebe, sagt Blöck, seien im Boden lagernde Relikte der einzige Weg, etwas über die politischen Verhältnisse sowie die Sozialgeschichte dieser Zeit zu erfahren.

Der Laie hingegen erkennt an Ort und Stelle weder ein Grab, noch kann er erkennen, aus welchem Jahrhundert es stammen könnte. Wo ist der acht bis zehn Meter hohe Grabhügel, der über der Grabkammer des Verstorbenen aufgehäuft wurde, geblieben? Er sei durch die landwirtschaftliche Bodenbearbeitung im Laufe der Jahrhunderte abgetragen worden, vermutet Blöck.

Bleibt die Frage, ob und was von diesem Bodendenkmal, dessen Standort aus der Luft sehr wohl noch zu erkennen ist, im Erdreich noch zu entdecken ist. „Solche Hügelgräber wurden ja bereits schon in ihrer Entstehungszeit geplündert“, erklärt Blöck. Deshalb stelle sich die Frage, was von möglichen Grabbeigaben wie Geschirr, Keramiken, Schmuck oder Waffen nun im Boden sei.

Die archäologischen Grabungen werden es zeigen. Zunächst rücke ein Bagger an, erklärt Blöck. dieser werde die oberen 30 Zentimeter der Erdschicht abtragen. Je nachdem, welcher Anblick sich den Archäologen dann biete, werde die wohl etwa zwei mal zwei Meter große Grabkammer, wenn sich eine solche finden lasse, im Block geborgen. „Wenn die gut erhalten wäre, dann wäre ich geneigt, das so zu machen. Man könnte sie so unter Laborbedingungen viel genauer untersuchen.“ Im Gegensatz zu gewöhnlichen archäologischen Grabungen, meint Blöck, wäre die Bergung im Block allerdings eine teure Geschichte. Da die Entdeckung auf der Gemarkung und dem Land der Stadt Wittlich gemacht wurde, beteiligt sich auch die Stadt an den Kosten für die archäologischen Untersuchungen.

Auf der Grundlage des Denkmalschutzgesetzes, erklärt Pressesprecher Rainer Stöckicht, habe die Stadt Wittlich mit der Landesarchäologie Trier eine vertragliche Vereinbarung geschlossen. Die Landesarchäologie Trier verpflichte sich innerhalb eines Zeitraums von zwei Monaten, archäologische Untersuchungen im Plangebiet durchzuführen. Die Stadt Wittlich werde sich an den Kosten der denkmalpflegerischen Grabungsarbeiten gemäß einer Kalkulation mit 28 000 Euro beteiligen. Darüber hinaus stelle die Stadt als Bauherr einen Bagger samt Fahrer, Bürocontainer, Zäune und weitere Sachdienstleistungen zur Verfügung. Stöckicht: „Für den Fall, dass sich die Befundsituation über die der Kostenschätzung zugrundeliegenden Prognose erheblich erhöhen sollte, wurde eine entsprechende Vertragsanpassung vereinbart.“

Wie Hügelgräber aussehen können, die nicht dem Erdboden gleich gemacht wurden, zeigt das Foto  nahe des Archäologieparks Belginum im Hunsrück. Foto: TV/Ilse Rosenschild

Die Bergung einer Grabkammer im Block würde das bislang gesteckte finanzielle Budget mit Sicherheit sprengen. Es bleibt also abzuwarten, was die Archäologen bei ihren Grabungen im Wittlicher Stadtgebiet erwartet: Sensationelle Relikte vorchristlicher Datierung oder bloß nasse kalte Erde? Die Archäologen des Landesmuseums werden es in Erfahrung bringen.