Arien und Amüsantes

BERNKASTEL-KUES. Volles Haus in der Mosellandhalle - nahezu 1200 Musikfreunde ließen sich von den Mitwirkenden der beiden Gala-Neujahrskonzerte mit beschwingter Musik ins Neue Jahr begleiten.

Seit 1984 begeistern die Neujahrskonzerte mit ihrem Programm. "Mehr als 22 000 Besucher haben die 40 Konzerte hier erlebt", hieß Hermann Lewen das Publikum zur "Kultveranstaltung" willkommen. "In den vergangenen 20 Jahren haben zahlreiche Orchester hier gastiert, wobei es gerade die regionalen Orchester sind, die diese Veranstaltung geprägt haben", erzählte Lewen. Dazu gehört auch das Staatsorchester Rheinische Philharmonie Koblenz, das schon mehrmals auf dem Plateau auftrat und auch zum Jubiläum das Neue Jahr unter der Leitung von Stefan Klieme musikalisch begrüßte.Die Moderation hatte einer übernommen, der ebenfalls in Bernkastel-Kues kein Unbekannter ist: SWR4-Moderator Baldur Seifert. Er hatte die ersten zehn Neujahrskonzerte auf dem Plateau moderiert.Die Konzertfreunde genossen das anspruchsvolle, heitere, beschwingte Programm, das in gelungener Weise Melodien aus Oper und Operette, Walzer- und Marschmusik mit passender Lyrik und Prosa verband. Worte und Musik gingen eine wunderbare Verbindung ein und machten den besonderen Reiz der Jubiläumsveranstaltungen aus. Musiker und Moderator brannten ein wahres Feuerwerk der guten Laune ab - und hatten selbst sichtlich Spaß daran. "Und wir feiern hier ein deutsches Neues Jahr", bemerkte Seifert mit kritisch-augenzwinkernden Blick auf den Wandspruch in der Mosellandhalle, der lautete "Happy New Year".Mit der "deutschesten aller Opern", Carl Maria von Webers "Der Freischütz", eröffnete das Orchester den dreistündigen Konzertabend.Erfrischende Spielfreude

Bekannte Opern-, Operetten- und Walzermelodien standen auf dem weiteren Programm - Kompositionen von Tschaikowsky, Puccini, Verdi, Suppé, Burkhard, Leoncavallo und Lehár bis hin zu Strauß. Die Gesangspartien gestalteten die Sopranistin Lisa Griffith und der Tenor Wolfram Wittekind. Die beiden Solisten demonstrierten großes Stimmvolumen in den Arien des "Max" aus Webers Freischütz, Puccinis Arie der "Lauretta", dem Duett Gilda und Duca aus Verdis "Rigoletto", dem bekannten "Oh mein Papa" oder dem innigen Duett "Niemand liebt dich so wie ich" von Lehár.Das Orchester präsentierte sich als exzellenter Klangkörper, der mit erfrischender Spielfreude und - trotz aller Walzerseligkeit - mit höchster Präzision beeindruckte. Mit seinem Loblied an das Leben vollbrachte Seifert auf charmante und galante Art den Spagat zwischen amüsanter Unterhaltung und nachdenklicher Lebensbetrachtung mit seinen besinnlichen, kritischen als auch heiteren, oftmals durch herzhaftes Lachen begleiteten Texten, Versen und Geschichten."Wir wollen das weitergeben, was die Menschen zu Menschen macht - die Kultur, denn wir leben nicht von Internet und Telefon allein", bemerkte Seifert, der vielen aus der Sonntags-Sendung "Von zehn bis zwölf" bekannt ist.Den Zuhörern gab er drei Dinge mit auf den Weg ins Neue Jahr: "Blicken Sie dankbar rückwärts, gläubig aufwärts und mutig vorwärts." Mit John Souzas Marsch "Stars and Stripes Forever" bewiesen die Orchestermusiker dann noch einmal lautstark, dass sie zu den Besten des Landes gehören.Doch damit war noch nicht ganz Schluss: Am Ende eines großen Neujahrskonzertes steht traditionell der Radetzkymarsch. Und zu dem klatschten die Besucher ebenso traditionell.