Arme Stadt Traben-Trarbach hat viele Baustellen

Traben-Trarbach : Arme Stadt hat viele Baustellen

Finanzlage der Stadt Traben-Trarbach hat sich weiter verschlechtert. Grundsteuer B und Gewerbesteuer werden teurer. 

Die Stadt Traben-Trarbach ist finanziell nicht auf Rosen gebettet. Im Gegenteil: Der Sprecher der Freien Wählergruppe (FWG) im Stadtrat, Edgar Koch, sagt: „Die Finanzentwicklung des städtischen Haushalts wird immer katastrophaler.“ Ein Grund: Durch die Umlagen an den Kreis mit voraussichtlich 2,7 Millionen Euro und an die Verbandsgemeinde mit rund zwei Millionen Euro werde die Handlungsfähigkeit der Stadt stark eingeschränkt.

Koch steht mit seiner Meinung nicht allein. Stadtbürgermeister Patrice Langer kritisiert, dass die wirtschaftlichen Unterschiede zwischen starken und schwachen Kommunen immer größer werden. Langer: „Wittlich und Bernkastel-Kues boomen. Wir sind froh, dass wir froh sind. Mangel und Überfluss liegen dicht beieinander.“

Die Finanzlage zwingt die Stadt nun zu einer Erhöhung der Steuersätze. Die Grundsteuer B, die alle Haus- und Baulandbesitzer betrifft, steigt von 400 v. H. auf 450 v. H. und der Gewerbesteuersatz von 390 v. H. auf 400 v. H.

Dennoch: Als am Dienstagabend der Stadtrat über den Haushalt 2020 beriet und ohne kontroverse Debatte schließlich einstimmig beschloss, überwog doch leichte Zuversicht – und das bei allen Fraktioen. Man ist froh über das Erreichte.

Unisono war man sich einig, dass im zu Ende gehenden Jahr 2019 vieles geschaffen wurde. Langer zählte unter anderem auf: Die Bauarbeiten in der Bergstraße in Traben sind abgeschlossen, im Neubaugebiet Köngisberg kann gebaut werden, das Gros der Kanalsanierungen ist erledigt, der Kirchplatz wurde neu gestaltet, die Hangsicherung an der Grevenburg ist abgeschlossen, die Jugend hat im ehemaligen „Stierstall“ einen Treff, der Ruhewald Hödeshof wurde seiner Bestimmung übergeben, die Burg hat wieder einen Pächter, die Brückenschenke konnte aus ihrem Dornröschenschlaf geweckt werden.

Und auch im konmenden Jahr hat die Stadt einiges vor. Langer nennt die Sanierung der Kindertagesstätte Rappelkiste, die so der Stadtchef  „1,2 Millionen Euro + x“ kosten werde. Ferner werde man sich im kommenden Jahr intensiv um Fördermittel für die umfangreiche Sanierung des Mittelmoselmuseums bemühen. Nach der jüngsten Kostenschätzung sei mit einem Volumen von 3,3 Millionen Euro zu rechnen. Ferner steht  die weitere Sanierung  der Grevenburg an, die Gestaltung der

Moselpromenade in Traben und der Ausbau des Wolfer Weges.

Ein Thema hat die Traben-Trarbach in diesem Jahr besonders  beschäftigt:  die kriminellen Machenschaften im Bunker des ehemaligen  Bundeswehramtes auf dem Mont Royal. Sie brachten die Stadt bundesweit in die Schlagzeilen.  Die Immobilie ist derzeit beschlagnahmt. Langer blickt aber optimistisch  in die Zukunft. „Vielleicht eröffnet sich jetzt die Chance, dass sich etwas etabliert, was unserer Stadt finanziell und arbeitsmarkttechnisch guttut.“

Die Fraktionsprecher – Erwin Haussmann für die CDU/FDP-Fraktion, Gerd Huesgen für die SPD, Edgar Koch für die FWG und Gerhard Lettl für die Grünen – verwiesen auf die fertigestellten und begonnenen  Projekte und lobten die vertrauensvolle  und gute Zusammenarbeit im Stadtrat.

Allein Jürgen Waxweiler, der in der Schottstraße eine Bildhauer-Werkstatt betreibt, brachte kurzzeitig Konfliktstoff in die Debatte. Bei der Einwohnerfragestunde kritisierte er scharf den schleppenden Ausbau der Schottstraße. Die Arbeiten am ersten Bauabschnitt hätten statt der geplanten 13 Wochen tatsächlich 38 Wochen gedauert. Wenn sich das Tempo  so fortsetze wäre die Schottstraße sechs Jahre lang voll gesperrt. Waxweiler: „Das städtische Leben, der Einzelhandel und die wirtschaftlichen Aktivitäten werden durch die Verzögerungen nicht nur eingeschränkt, sie werden geschädigt und in den Ruin getrieben.“ An Stadtbürgermeister  Langer gerichtet,  sagte Waxweiler: „Ich erwarte und fordere von Ihnen, dass Sie  tätig werden und handeln.“ Waxweiler  hielt Langer  vor, dieser sei mehr der Pressesprecher  der bauausführenden Firma Schnorpfeil als Interessenvertreter  der Bürger der Stadt.

Kita Rappelkiste in Traben-Trarbach. Foto: TV/Winfried Simon

Diese  Kritik wies Langer deutlich zurück. Langer: „Wir als Stadt haben wenig Einfluss auf die Bauarbeiten. Auftrageber  sind der Landesbetrieb Mobilität (LBM) und die VG-Werke. Wir sind nicht Herr des Handelns.“