Film Ein ganz besonderer Dreh

Gladbeck/Piesport · Sommer 1988, in Gladbeck ist ein Gangsterduo nach einem Banküberfall auf spektakulärer Flucht durch Deutschland. Jetzt ist das Geiseldrama von Gladbeck verfilmt worden. Kameramann war der gebürtige Piesporter Armin Franzen.

 Eine Szene aus dem Fernsehfilm „Gladbeck“: Rösner (Sascha Alexander Geršak) hat nichts zu verlieren: Der Geiselnehmer inszeniert sich vor den Medienvertretern als knallharter Verbrecher. 

Eine Szene aus dem Fernsehfilm „Gladbeck“: Rösner (Sascha Alexander Geršak) hat nichts zu verlieren: Der Geiselnehmer inszeniert sich vor den Medienvertretern als knallharter Verbrecher. 

Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin V/ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Valentin Menke

Es war einer der spektakulärsten und Aufsehen erregendsten Kriminalfälle der Nachkriegszeit: Zwei maskierte Männer überfallen am 16. August 1988 eine Bankfiliale im nordrhein-westfälischen Gladbeck und nehmen zwei Bankangestellte als Geiseln. Die beiden Gangster Hans-Jürgen Rösner und Dieter Degowski flüchten mit den Geiseln quer durch Deutschland und die Niederlande, nehmen weitere Gefangene und geben Interviews vor der versammelten Medienlandschaft mitten in der Kölner Innenstadt.

Bis das Geiseldrama von Gladbeck ein blutiges Ende nimmt: Ein Sonderkommando der Polizei stoppt das Fluchtauto auf der A 3 nach einem Schusswechsel. Die 18-jährige Silke Bischoff, eine der Geiseln, wurde während der Polizeiaktion erschossen. Laut Behördenangaben wurde der tödliche Schuss auf sie aus der Waffe Rösners abgegeben.

Schon während der Flucht hatte  Degowski den 15-jährigen Italiener Emanuele De Giorgi in einem entführten Linienbus getötet, bei der Verfolgung in die Niederlande kam bei einem Zusammenstoß mit einem LKW ein Polizist ums Leben. Immer mit dabei die Presse – die Geiselnahme wurde zum medialen Ereignis. Ereignisse, die noch knapp 30 Jahre später nachwirken.

Jetzt kommt der Zweiteiler „Gladbeck“ ins Fernsehen: Am Mittwoch und Donnerstag, 7. und 8. März, läuft er zu besten Sendezeit im Ersten. Am Dreh beteiligt war als Kameramann Armin Franzen, der aus Piesport stammt. Für ihn war es ein „äußerst intensiver Dreh, weil man sich einer realen Straftat mit realen Hauptfiguren genähert hat“, sagt Franzen, der in Berlin lebt. „Das ist anders, als eine rein fiktive Geschichte zu verfilmen. Es war etwas ganz Besonderes, wir wollten den Schicksalen der Überlebenden und den Hinterbliebenen gerecht werden. Wir wollten die Ereignisse so real und detailgetreu wie möglich nachstellen und den Figuren nahe kommen. Gleichzeitig war es uns ein Anliegen, eine zweite filmische Ebene einzubauen, um die realen Geschehnisse gewissermaßen mit der Kamera zu interpretieren – indem wir, anders als die Berichterstattung damals, eine gewisse Distanz zum Geschehen herstellen.“

Armin Franzen selbst hatte viel Recherchematerial zur Vorbereitung studiert. Der Dreh selbst sei sehr anspruchsvoll gewesen – auch, weil viel in historischen Fahrzeugen aus den 1980er-Jahren gedreht worden sei, die meisten Szenen teilweise extrem klaustrophobisch waren und es darum ging, eine emotionale Extremsituation spürbar zu machen. Man war während des Drehs immer in engen Räumen, oder Fahrzeugen, umgeben von vielen Komparsen,  die zudem voll besetzt gewesen seien. „Da fragt man sich oft: Wohin eigentlich mit der Kamera? Viele Möglichkeiten hat man nicht, zumal wir eine banale Abbildung vermeiden wollten.“

Zudem habe das Team mehrfach eine Autobahn für den Dreh, der auch an Originalschauplätzen stattfand, komplett sperren müssen und die Umgebung zurück ins Jahr 1988 transferieren müssen, zum Beispiel durch eine Vielzahl an alten Fahrzeugen, die während der Flucht zu sehen sind. Franzen: „Allein vom den Fahrzeugmodellen der Täter hatten wir mehrere verschieden präparierte Versionen.“

 Armin Franzen (links) hat als Kameramann beim Zweiteiler „Gladbeck“ mitgewirkt. Das Foto zeigt ihm zum Drehstart mit (von links) Matthias Adler (Producer), Regina Ziegler (Produzentin), Kilian Riedhof (Regisseur) und Carolin Haasis (Redakteurin, ARD Degeto).

Armin Franzen (links) hat als Kameramann beim Zweiteiler „Gladbeck“ mitgewirkt. Das Foto zeigt ihm zum Drehstart mit (von links) Matthias Adler (Producer), Regina Ziegler (Produzentin), Kilian Riedhof (Regisseur) und Carolin Haasis (Redakteurin, ARD Degeto).

Foto: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin M/Bild: ARD Degeto/Ziegler Film/Martin Menke

Insgesamt hat das Team von Mitte Juli bis Mitte Oktober 2016 60 Drehtage benötigt, um den Zweiteiler abzudrehen. „Das ist für einen Fernsehfilm schon sehr lang“, sagt der 41-Jährige zum Film über die Geiselnahme, die nicht nur vor 30 Jahren, sondern auch vor drei Wochen noch einmal in den Medien war: Am 15. Februar kam der Geiselnehmer Dieter Degowski nach fast 30 Jahren in Haft auf freien Fuß. Er lebt nun unter einer anderen Identität.

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