Armutszeugnis

Vertagen kann der Kreistag wohl besser als sinnvolle Entscheidungen zu treffen. Der Antrag auf Überweisung an den Sozialausschuss wurde doch nur gestellt, um die Sache schnell vom Tisch zu haben. Das ist ja auch einfacher, als sich über die Organisation und Kompetenz eines Behindertenbeirates Gedanken zu machen.

Zumal ja nicht mal erwartet wird, das Gremium neu zu erfinden. Wie im Artikel bereits erwähnt, gibt es andernorts bereits Behindertenbeiräte und eine Mustersatzung. Der Kreis Wittlich will in diesem Bereich offensichtlich weiterhin rückständig bleiben. Die behinderten Menschen werden nach wie vor zu wenig einbezogen in Entscheidungen, die sie betreffen. Es werden nach wie vor Umbauten von öffentlichen Gebäuden genehmigt, die dann trotzdem nicht barrierefrei sind. Es werden behindertengerechte Toiletten gebaut, die nicht mal über Haltegriffe verfügen. Behindertenparkplätze werden einfach vergessen oder sind zu schmal. Wie sollen sich denn behinderte Menschen wehren, wenn sie in keinem Gremium vertreten sind? Niemand sollte vergessen, wie schnell er selbst zum "Behinderten" werden kann. Wenn sich der Kreistag weiterhin gegen den Beirat wehrt, stellt er sich selbst ein Armutszeugnis aus. Markus Stolz, Bundesverband Selbsthilfe Körperbehinderter (BSK), Sektion Mittelmosel

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