Asbest im Wald: Trierer unter Verdacht

Asbest im Wald: Trierer unter Verdacht

Einem mehrfach vorbestraften Schrotthändler droht im Falle seiner Verurteilung Gefängnis, weil er Asbestschrott, alte Fahrzeuge, Motoren, Altöl und Autobatterien in Heidweiler illegal gelagert haben soll. Außerdem wirft ihm die Staatsanwaltschaft vor, Asbest an einem Feldweg und einer Bahntrasse entsorgt zu haben.

Wittlich. Ein starker Geruch von Aftershave breitet sich im Sitzungssaal 1 des Wittlicher Amtsgerichts aus. Der Angeklagte - braungebrannt, Poloshirt, Tattoos auf den Unterarmen - blättert gedankenverloren durch den Aktenordner. Die Unterlagen sollen seine Unschuld beweisen. Es sind Belege darüber, wann und wo er im Jahr 2008 vorschriftsmäßig asbesthaltigen Abfall und anderen Bauschutt entsorgt hat. Tonnenweise.
Mehrfach vorbestraft


Doch nicht immer soll der krebserregende Müll bei den offiziellen Annahmestellen gelandet sein. So wirft es die Staatsanwaltschaft dem 38-jährigen Schrotthändler vor, der bereits mehrfach vorbestraft ist - unter anderem wegen Diebstahls. In der Anklage heißt es, er habe im Juli 2008 an einem Feldweg bei Salmtal 30 Eternitplatten entsorgt. Sie kommen vor allem als Fassadenverkleidung und Dachbedeckung zum Einsatz und enthielten früher Asbestfasern. Fünf Big Bags, also Kunststoffsäcke, in denen Asbest transportiert wird, soll sich der Trierer an der Eisenbahnlinie bei Hetzerath entledigt und damit in Kauf genommen haben, dass krebserregende Asbest fasern die Luft verunreinigen. Vorwürfe, die der Angeklagte allesamt von sich weist.
Auslaufende Säuren


In erster Linie dreht sich die Verhandlung aber um ein Grundstück in Heidweiler, auf dem 2007 eine Halle abgebrannt war. Alte Motoren, Motorenteile, Autobatterien, Altöl und Fahrzeuge wurden daraufhin draußen gelagert, auf die Gefahr hin, dass Säuren und Öle in die Erde einsickern und im Grundwasser landen konnten. Auch Bruchstücke asbesthaltiger Platten, mit denen Dächer eingedeckt werden, fanden Polizisten dort im September 2008 vor. Ein Polizist, der als Zeuge aufgerufen wird, berichtet zudem von Big Bags, die er gesehen hat.
Die Frage ist nun: Wer hat den Schrott dort gelagert? Der Beschuldigte sagt zunächst, er sei auf dem Gelände nur Gast gewesen, das sein Vater gemietet habe. Doch in dem Protokoll zum Ortsbesuch wird der Angeklagte mit dem Wortlaut zitiert, er habe die Gegenstände draußen lagern müssen, damit die Halle renoviert werden kann. Außerdem wurde in einem von ihm unterschriebenen Formular angegeben, er, der Sohn, sei der Mieter. "Das hat meine Schwester ausgefüllt, ich bin Legastheniker und kann weder lesen noch schreiben", entgegnet der Mann, der mittlerweile mit Alteisen handelt.
Wer den Müll auf dem Gelände gelagert hat, kann bei diesem ersten Sitzungstermin ebenso wenig geklärt werden wie die Frage, ob die Belege über die rechtmäßige Entsorgung von asbesthaltigen Stoffen, Gewerbeabfall und Misch-Schrott - in erster Linie im Auftrag einer luxemburgischen Firma - als Beweis genügen, um ihn zu entlasten. Denn ein Dachdecker aus dem Kreis Bernkastel-Wittlich sagt aus, nicht immer einen Nachweis eingefordert zu haben, wenn er den Schrotthändler mit der Entsorgung kleinerer Mengen Asbest müll beauftragt habe. Der Beschuldigte aber betont, sein Verdienst habe lediglich aus den 50 bis 70 Euro bestanden, die er für den Transport des Abfalls zur Deponie erhalten habe.
Prozess geht weiter


In einem zweiten Gerichtstermin im September sollen weitere Zeugen gehört werden, darunter die Vermieterin und der Polizeikommissar, der die Ortsbesichtigung geleitet und die Ermittlungen geführt hatte. Doch er ist zwischenzeitlich nach Kanada ausgewandert. Neue Adresse unbekannt.
Immerhin sind zwischen den Taten und der Verhandlung drei Jahre ins Land gegangen. Eine Freiheitsstrafe von bis zu fünf Jahren oder eine Geldstrafe droht für die illegale Behandlung, Lagerung oder Entsorgung von Abfällen, die beispielsweise Gifte oder Erreger von Krankheiten enthalten, explodieren können, selbstentzündlich sind oder die Umwelt nachhaltig verschmutzen. Dazu zählen auch die als Asbest bezeichneten faserförmigen Minerale, die vor allem häufig als Baustoff und Isoliermaterial dienten, bis sie 1993 in Deutschland und 2005 EU-weit verboten wurden, da sie Lungenkrebs, Rippen- und Bauchfelltumore verursachen können. Asbesthaltige Materialien zählen zu den gefährlichen Abfällen. Die Lagerung und Entsorgung muss genehmigt werden. Privatleute können asbesthaltige Stoffe in verschließbaren Big Bags zur Deponie in Sehlem bringen, wo sie gegen eine Gebühr von 75 Euro pro Tonne entsorgt werden. uq

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