Au Revoir "Blaue Jäger"

Wo einst die Panzer rollten sind es nun vor allem Einkaufswagen an der Römerstraße des Vitelliusparks. Bis 1999 waren die "Blauen Jäger" des 8. Jägerbataillons "Sidi Brahim" in der Säubrennerstadt ebenso zuhause wie das französische Artilleriebataillon 51. Langsam verblassen die Spuren ihrer Anwesenheit. Das "Forum für Fotografie Mosel-Eifel" hat mit seinem Bildband "Das 8. Jägerbataillon in Wittlich" unwiderbringliche Erinnerungen geschaffen.

Foto: (m_wil )
Morgens nach dem Frühstück machen die französischen Soldaten erstmal eine Stunde Sport, wie auf dem linken Bild von 1997. Gute Physis war Grundvoraussetzung für die Infanterie. An der Kasernenstraße Ecke Klausener Weg liegt hinter der ehemaligen Kaserne nun kein Sportgelände mehr, sondern dort steht jetzt dieser Bauwagen (rechtes Bild). Das Unteroffizierscasino war für die Soldaten übrigens Kantine, Ballsaal, Bar und mehr. Fotoreportage online unter: volksfreund.de/vitelliuspark. Foto: (m_wil )
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Links sieht man das letzte öffentliche Gelöbnis französischer Rekruten auf dem Wittlicher Marktplatz im November 1998. Die 50 Musiker der Bataillonskapelle „Fanfare“ konnten sowohl im Stand wie auch im Marsch spielen. „Die Franzosen haben die Stadt auch belebt", erinnert sich Helma Thelen-Oberbillig als sie auf das mittige Bild schaut. Es gab französische Geschäfte, Kindergärten, Grundschulen und auch die Familien waren Teil des Stadtbilds. „Die oft leere Wittlicher Innenstadt hätte es so damals nicht gegeben“, sagt Thelen-Oberbillig. Rechts: Anstatt eines Schlittens transportiert der Soldaten-Nikolaus die Geschenke mit dem Schützenpanzer AMX-30. „Viele Soldaten konnten über Weihnachten nicht nach Hause, als kleine Aufmunterung organisierte das Militär immer etwas. Es gab etwa besonders gutes Essen und feine Getränke“, erklärt die ehemalige Pressesprecherin und gute Seele des französischen Regiments. Foto: (m_wil )
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Die Panzerausfahrt und die Mauern zeigen, wie abgeschlossen das Militärgelände war: ein optischer Schnitt zur Stadt. Dennoch hatten die Mitglieder des Foto Forums Wittlich meist freien Zugang zum Gelände. In den letzten fünf Jahren, 1994 bis 1999, habe auch das Foto Forum dazu beigetragen, dass sich das Militär mehr für die Öffentlichkeit geöffnet habe, erklärt Thelen-Oberbillig. Nun ist alles offen, die Mauern abgerissen und die Konversion des Militärgeländes weit voran geschritten. Die Grünfläche vor Aldi, Expert und Edeka ist beinah die letzte unbebaute Fläche im Vitelliuspark. Früher stand hier die Krankenstation – bei tausenden jungen Männern hat sich schließlich immer mal jemand verletzt. Foto: (m_wil )

Wittlich. 1951 wurde Wittlich französische Garnisonsstadt. 1999 endete diese Ära und rund 2200 Soldaten verließen die Stadt wieder, zwischenzeitlich hatten laut Historiker Dr. Klaus Petry über die Jahre insgesamt rund 90 000 Franzosen ihre Heimat in Wittlich gefunden.
Als Freundschaft wurde die Stationierung der Blauen Jäger in Wittlich zunächst wohl weder von Deutschen noch von Franzosen bewertet. Für die einen wurden sie eine Parallelgesellschaft, die sie etwa beim Martinszug durch die Militärkapelle der Blauen Jäger kennen lernten. Für die anderen wurden die Franzosen zu Ehemännern oder Spielkameraden, die spielend miteinander die gegenseitige Sprache lernten.
Das "FotoForum Wittlich" hat die französischen Soldaten im Alltag bis hin zu Einsätzen in Frankreich begleitet. Ihm verdankt die Stadt Wittlich einige Erinnerungen an die Zeit vor der Konversion zum Vitelliuspark. Auch mit großer Unterstützung des damaligen Wittlicher Bürgermeisters Helmut Hagedorn, wie Paul Valerius vom "Forum für Fotofrafie Mosel-Eifel" sagt - so heißt die Gruppe um 15 Fotokünstler mittlerweile. Konversion, das war zu Anfang des 20. Jahrhunderts meist die Umwandlung ziviler in militärische Flächen, heute ist es andersherum. Das Gesicht des südlichen Stadtrands in Wittlich erinnert kaum mehr an die militärische Vergangenheit. Acht Hektar umfasste der Kasernenbereich, wie eine Stadt in der Stadt, umgeben von Mauern und Zäunen, eineinhalb Mal so groß wie die Kernstadt. Der Vitelliuspark ist nun geprägt von großen Marken wie Edeka oder Globus. Ketten wie Burger King und Dunkin' Donuts folgten kürzlich. Einen Zeitreise vom Damals ins Jetzt bietet die heutige TV-Ausgabe mit Unterstützung vom "Forum für Fotografie Mosel-Eifel". Helma Thelen-Oberbillig, ehemalige Pressesprecherin der Blauen Jäger, erinnert mit Anekdoten an die Zeit vor der Konversion. Einen Einblick in die fotografische Tätigkeit des Forums gibt die Homepage:
www.forum-fü ;r-fotografie.de