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Auch das Klima profitiert vom Nahwärmenetz

Auch das Klima profitiert vom Nahwärmenetz

Die Wärme, die bei der Herstellung von Kondensmilch in Thalfang entsteht, wird im Thalfanger Milchwerk nicht komplett weiterverwendet. Das soll schon bald anders werden. Noch vor Ende der Heizperiode soll der Wasserdampf in das in Bau befindliche Nahwärmenetz eingespeist werden.

Thalfang. Das Konzept der künftigen Nahwärme-Versorgung in Thalfang ist ebenso schlicht wie überzeugend: Was derzeit noch als Wasserdampf die Kühltürme der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH verlässt, soll künftig in Rohre eingespeist werden. Anders als etwa in Morbach müssen keine Hackschnitzel oder anderes Heizmaterial zur Verfügung gestellt werden. Die Energie ist bereits vorhanden.

Kommunalen Einrichtungen und Privatkunden kommt bislang ungenutzte Prozesswärme der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH zugute. Beispielsweise werden die Dosen für die Kondensmilch auf 120 Celsius Grad erhitzt und dann auf 40 Grad heruntergekühlt. Diese Differenz kann künftig für die Nahwärme verwendet werden, sagt der Hochwald-Werkleiter Hermann Schares.

Zwei bis drei von insgesamt 19 Megawatt Heizleistung sollen nach der Nutzung im Werk für die Versorgung kommunaler und privater Gebäude zur Verfügung gestellt werden. Die Leitungen des ersten Bauabschnitts sollen auf rund einem Kilometer durch die Bahnhofstraße und die Charlottenhöhe verlaufen. Angeschlossen werden in einem ersten Schritt das Feuerwehrgerätehaus, das Erholungs- und Gesundheitszentrum, das Betriebsgebäude der Verbandsgemeinde-Werke und das Rathaus. Ein weiterer Ausbau ist geplant.

Auch rund zehn private Haushalte haben sich inzwischen bereiterklärt, den Nahwärmeanschluss zu nutzen. Doch derzeit liegt die Baustelle brach. "Die Rohre können bei Minusgraden nicht verlegt werden", erklärt Edwin Maßmann, Leiter der Thalfanger Verbandsgemeinde-Werke.

Von den geplanten 60 Arbeitstagen wurden bisher 15 genutzt. Dennoch hofft Maßmann, dass das Nahwärmenetz noch vor Ende der Heizperiode in Betrieb geht.

Der Wärmepreis beträgt 3,5 Cent pro Kilowattstunde - vorausgesetzt, der Verbandsgemeinderat Thalfang traf in der Haushaltssitzung am Montagabend keine andere Entscheidung (Das Ergebnis stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest.) Einmalige Anschlussgebühren erhebt die Gemeinde nicht. Allerdings muss der Kunde eventuelle Umbaukosten selbst tragen.

Verbandsgemeinde spart bis zu 30 000 Euro im Jahr



Der Preis sei für die Kommune derzeit nicht kostendeckend, erklärt Hans-Dieter Dellwo, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Thalfang. Investitionen der Kunden sollen sich innerhalb von rund drei Jahren amortisieren, erklärt Maßmann. Ihre bisherige Heizungsanlage können übrigens weder kommunale Einrichtungen noch Privatkunden stilllegen. Denn im Milchwerk wird nur sechs Tage in der Woche produziert. Nur während dieser Zeit kann überschüssige Wärme ins Netz gehen.

Die Vorteile sind dennoch zahlreich: Die Verbandsgemeinde spart 20 000 bis 30 000 Euro pro Jahr. Auch Privatkunden sparen Heizkosten. Die Molkerei kann ihre überschüssige Wärme verkaufen. Und: Allein durch den Anschluss der öffentlichen Gebäude werden 1000 Megawattstunden Primärenergie oder 250 Tonnen Kohledioxid jährlich eingespart. Zum Vergleich: Der Durchschnittsdeutsche produziert zehn Tonnen des Schadstoffs im Jahr.

Der Vertrag zwischen den Hochwald Nahrungsmittel-Werken und der Verbandsgemeinde läuft über zehn Jahre. Details geben die Vertragspartner nicht bekannt. "Die Zusammenarbeit mit der Verbandsgemeinde Thalfang am Erbeskopf ist langfristig ausgelegt", sagt Karl-Heinz Engel, Hauptgeschäftsführer der Hochwald Nahrungsmittel-Werke GmbH. Die zuverlässige Versorgung mit günstiger Energie sei durch die gute Auslastung am Standort gewährleistet. Dellwo rechnet mit Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von rund einer Million Euro. 467 000 Euro werden durch das Konjunkturpaket II beigesteuert.

Meinung

Späterer Anschluss möglich

Auf Neudeutsch nennt man die Folgen des Thalfanger Nahwärme-Netzes eine "Win-win-Situation", eine Situation also, von der alle Seiten profitieren. Die Thalfanger Molkerei kann Wärme verkaufen. Die Verbandsgemeinde Thalfang spart Geld, die privaten Nutzer ebenso. Und mit Blick auf Kopenhagen nicht unwichtig: Die Atmosphäre wird mit 250 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr weniger belastet. Zudem ist die langfristige Bindung der Hochwald Nahrungsmittel-Werke ein positives Signal: Man betreibt auch ein Stück Standort-Sicherung. Das sind positive Nachrichten für die rund 300 Mitarbeiter in Thalfang. Angesichts des günstigen Preises verwundert es lediglich, dass sich so wenig Privatleute für die Nahwärme entschieden haben. Doch was nicht ist, kann ja noch werden. Der spätere Anschluss ist nicht ausgeschlossen. i.rosenschild@volksfreund.de