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Auch Musiker und Künstler aus der Region trifft die Coronakrise

Keine Auftritte, keine Dreharbeiten : Solidarität und neue Formate – Das machen Künstler aus der Region während der Coronakrise

Auch die Musiker und Künstler aus der Region treffen die Folgen der Corona-Krise. Konzerte und Veranstaltungen sind abgesagt, der Unterricht, den sie geben, fällt aus. Einige nutzen die Zeit, um neue Ideen zu entwickeln.

Normalerweise würde sich Barbara Philipp, aus Wittlich stammende und aus dem Hessen-Tatort bekannte Schauspielerin sowie Sängerin im Ensemble Schall und Rauch, auf ihre nächsten Auftritte vorbereiten. Bis vor kurzem drehte sie noch in Bayern und Baden-Württemberg, war bei der Berlinale,  und jetzt sollten Konzerte und Lesungen in Wittlich, Boppard und Detmold auf dem Plan stehen. Anschließend sollten Dreharbeiten folgen. Aber aktuell ist der Plan  leer, als Folge der Coronakrise sind fast alle Veranstaltungen abgesagt, drei Dreharbeiten verschoben. Sie sagt: „Das trifft einen natürlich sofort. Bis vergangene Woche haben wir noch gedreht und auf heißen Kohlen gesessen, ob das Projekt fertig wird. Das hat geklappt.“ Weiter sagt sie: „Zum Glück habe ich in diesem Jahr schon gedreht und einige Hörspiele eingesprochen. Als freiberuflicher Künstler versucht man immer, ein finanzielles Polster aufzubauen und ist geübt darin, Durststrecken durchzustehen, aber die Situation ist schon chaotisch.“

Viele ihrer Projekte für dieses Jahr liegen derzeit auf Eis, es gibt mündliche Absprachen, aber ob sie eingehalten werden, steht in den Sternen. Auch sorgt sie sich um die Langzeitfolgen der Coronakrise in ihrer Branche, die momentan zusammenklappe, wie sie sie berichtet. Aufgrund ihrer vielen beruflichen Sozialkontakte in den vergangenen Wochen bleibt sie erst einmal in einer selbstauferlegten Quarantäne in ihrer Berliner Wohnung und arbeitet Liegengebliebenes auf.

Ähnlich geht es Christoph Adams, der ebenfalls aus Wittlich stammt und Vorsitzender des Jazzclubs ist. Als Jazzpianist gibt er Konzerte in der ganzen Welt, bis vor kurzem war er mit der Fred-Kellner-Band, unter anderem in Trier, unterwegs und unterrichtet an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Er erzählt: „Die Live-Auftritte, da ist null. Die fallen alle weg. Bei den Einkünften für den Unterricht, den ich gebe, ist noch nicht klar, wie und was bezahlt wird.“ Momentan arbeitet er verschiedene Dinge auf, erledigt Organisatorisches und will Musik schreiben. Zum Thema Onlineunterricht und Konzerte meint er: „Man kann schon vieles alleine üben und einige, die jetzt online vorpreschen, wollen gerne bei den ersten sein und sich selbst darstellen. Da halte ich mich jetzt erstmal zurück.“

Das sieht Thomas Bracht, Pianist aus Traben-Trarbach, anders. Er unterrichtet seine Privatschüler über Skype und produziert gerade ein Video mit Kollegen. „Der Bassist ist dabei in Stuttgart, der Schlagzeuger in Piesport, die Sängerin in Luxemburg und der Trompeter in Trier. Momentan ist unsere Bühne einfach das Internet. Das bringt zwar keine Einnahmen, aber man bleibt im Gespräch.“ Seine Auftritte für April sind alle abgesagt, für Mai muss er abwarten. „Längerfristig sehe ich keine gute Perspektive, weil viele Veranstalter bankrottgehen werden.“

Daniel Conrad alias Gerd Blume von der Gerd-Blume-Show und seine Bandkollegen haben momentan ebenfalls keine Auftritte. Einige sollen verlegt werden. Da er und seine Mitmusiker hauptberuflich in anderen Berufen tätig sind, trifft sie die Krise nicht so hart. Schade ist für die Band, dass sie sich nicht treffen können, um an neuen Formaten wie Kino- oder Mitsingkonzerten zu arbeiten.

Gerda Koppelkamm-Martini, Flötistin aus Zeltingen-Rachtig, ist beruflich von der Coronakrise betroffen. Bis zum Sommer sind alle Auftritte abgesagt, wobei sie sich besonders auf das Jubiläum des Mandolinenclubs ihres Heimatortes gefreut hat, weil sie selbst dort einige Jahre mitgespielt hat. Zu ihren Schülern hält sie weiterhin Kontakt per Whatsapp und mit Audiodateien. „Wobei das bei der Flöte auch schwierig ist, über diese Wege.“ Bedrückend findet sie die Datenschutzsituation, die momentan kaum eine Rolle spielt. Auf Auftritte für die zweite Jahreshälfte bereitet sie sich schon einmal vor und macht sich Gedanken, wie es nach Lockerungen der momentanen Einschränkungen weitergehen könnte. „Ensemblespielen mit mehreren Flöten wird nicht gehen, denn nur ein Teil des Atems geht in das Instrument, ein Teil darüber hinweg. Auch der Einzelunterricht wird nur mit großem persönlichem Abstand möglich sein“, sagt sie voraus.

Thomas Hammes Foto: TV/Thomas Hammes

Thomas Hammes, Solo-Trompeter des SWR-Symphonieorchesters, ist von etlichen Konzertabsagen betroffen. Allein zwei Abokonzerte und ein Gastkonzert pro Woche spiele er.  Zudem war das Orchester gerade auf Europatournee. In Italien, der Schweiz und Frankreich konnten Konzerte nicht mehr stattfinden. Proben sind in „normaler Orchesterbesetzung“ ebenfalls nicht möglich, aber Thomas Hammes übt, um auf dem Instrument fit zu bleiben, beschäftigt sich mit den Konzertprogrammen und nutzt die Zeit, um Sinfonien für die neue Spielzeit zu erarbeiten. Ansonsten verbringt er viel Zeit mit seiner Familie, „was durch meine ständige Abwesenheit auch ein Novum ist“, wie er sagt. Zu seinen Einbußen berichtet er: „Die Einzige ist, dass man alleine für sich im Probezimmer steht, sich fit halten soll, aber dafür keinen Applaus ernten wird. Dadurch, dass ich das große Geschenk bekommen habe, als festangestellter Musiker zu leben, sind zumindest zum jetzigen Zeitpunkt keine pekuniären Einbußen zu verzeichnen.“ Sorgen macht er sich aber um seinen Berufsstand und die freie Musikszene. Deshalb ist er froh, dass es eine Solidaritätsaktion gibt. Das SWR-Symphonieorchester hat 20 000 Euro aus den Reihen des Orchesters an den von der Orchestervereinigung eingerichteten Hilfsfonds für freiberufliche Kollegen gezahlt. „Es sind schon sehr viele andere deutsche Orchester diesem Beispiel gefolgt, und das erfreut mich als Teil des Ganzen sehr. Wir müssen in diesen Zeiten zusammenstehen und die Kultur in all ihren Facetten am Leben halten“, schließt er.