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Auch nach 60 Jahren noch gerne Friseur

Auch nach 60 Jahren noch gerne Friseur

MANDERSCHEID. Gleich doppelt kann Erich Hohns im Dezember Jubiläum feiern: Seit einem halben Jahrhundert frisiert und kämmt er die Kunden in seinem Laden, seit 60 Jahren ist er Friseur.

"Wie lange willst du das noch machen?" Amüsiert berichtet Erich Hohns von der Frage seiner Tochter nach seiner Berufstätigkeit. Seit 60 Jahren arbeitet der 75-Jährige als Friseur, seit 50 Jahren bedient er die Kunden in seinem Laden in Manderscheid. Nicht wenige von ihnen halten ihm bereits von Anfang an die Treue. Und dies können sie auch weiterhin tun, denn für Hohns ist klar: "So lange ich noch fit bin und Freude daran habe, mache ich weiter." Verschmitzt fügt er hinzu: "Das muss aber einer zulassen, da oben", und streckt den Zeigefinger in die Höh'.Ein echtes Familienunternehmen

Die 75 Jahre sieht man Hohns nicht an. Aber der Friseur tut auch einiges dafür. Er wandert viel, fährt Rad, joggt und macht jeden Tag Gymnastik. Zudem raucht er nicht und ernährt sich fettarm. An dieser Stelle kann sich Hohns Frau Gertrud nicht zurückhalten. "Ein bisschen übertrieben", meint sie. "Er will kein Gramm zunehmen." Erich Hohns stammt aus einer Familie mit fünf Kindern. Sein Vater war bei der Straßenmeisterei angestellt, seine Muter kümmerte sich um die Familie. Hohns erinnert sich: "Jeder sollte was lernen und da hieß es: Erich soll Friseur werden." Für den Beruf habe er sich interessiert, er sei immer schon ein bisschen eitel gewesen, gibt der Mann zu, der sich ansonsten nicht gerne in den Mittelpunkt stellt. Während des Krieges absolvierte Hohns seine Ausbildung im heute nicht mehr existierenden Salon Klein in Wittlich. Keine einfache Zeit. Fünfeinhalb Jahre arbeitete der ausgebildete Friseur anschließend in Salons in Manderscheid sowie Daun und legte zwischendrin seine Meisterprüfung ab. Am 1. Dezember 1953 eröffnete er seinen Laden in der Manderscheider Kurfürstenstraße, ein echtes Familienunternehmen. Von Anfang an half Hohns Frau mit, zunächst eher hinter den Kulissen, später auch im Salon. 1973 wurde das Geschäft, in dem zu Spitzenzeiten vier Angestellte arbeiteten und insgesamt 20 Lehrlinge ausgebildet wurden, vergrößert. Vor 15 Jahren übernahm es dann Birgit Hohns-Zimmer, eine der beiden Töchter der Familie. Der Vater arbeitet mittlerweile nur noch an drei Tagen in der Woche mit. Mancherorts gilt der Friseursalon als Nachrichtenbörse. Wie sieht es bei der Manderscheider Friseur-Familie aus, bei der sich mittlerweile drei Kunden-Generationen die Klinke in die Hand geben? Gertrud Hohns: "Man wird immer nach Neuigkeiten gefragt, aber mein Mann erzählt nichts. Gerüchte sollte man vorsichtig behandeln, sonst heißt es nachher, da wird getratscht." Der verschwiegene Friseur sagt zur kommunikativen Seite seines Berufs lediglich: "Der ein oder andere schüttet mir schon mal sein Herz aus, oft geht es dann um Krankheiten."Frisuren-Mode wechselt heute ständig

Im vergangenen halben Jahrhundert hat sich vieles verändert, auch das Friseurgeschäft. Vor 50 Jahren habe es lediglich in den Städten Friseure gegeben, heute gebe es in jedem Ort mindestens einen, so Hohns. Auch die abnehmende Zahl der Kurgäste habe sich im Haarschneidegeschäft - und nicht nur dort - bemerkbar gemacht. Und wie sieht es mit dem Handwerk selbst aus? Hohns: "Im Gegensatz zu früher wird heute auch bei Männern viel mit Farbe und Strähnchen gearbeitet." Generell stellt er fest: "Die Mode wechselt heute ständig." Privat sieht es da bei Erich Hohns ganz anders aus. Seit 48 Jahren ist er mit seiner Frau Gertrud, die als Kind gerade mal zwei Häuser weiter wohnte, verheiratet. "Wir sind noch von der alten Garde, wir halten zusammen", sagt Hohns. Seine Frau versichert: "Einen richtigen Ehekrach hatten wir noch nie." Das hört sich nach einem weiteren Jubiläum an. In zwei Jahren können die Hohns Goldene Hochzeit feiern.