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Auf dem Weg in die Unabhängigkeit

Auf dem Weg in die Unabhängigkeit

In 2008 hat der Morbacher Gemeinderat beschlossen, dass in der Einheitsgemeinde bis 2020 soviel Energie erzeugt werden soll, wie dort verbraucht wird. Derzeit produzieren die vorhandenen Anlagen etwa ein Drittel der benötigten Menge.

Morbach. Wer die Internetseite der Einheitsgemeinde Morbach aufruft, findet in der rechten Spalte der Startseite eine Vielzahl von Auszeichnungen für das energetische Engagement der Gemeinde. Die Ehrungen Klimaschutzkommune 2006, Klimaschutzprojekt 2009, deutscher Solarpreis 2007 und europäischer Solarpreis 2009 sind die Attribute, mit denen sich die Einheitsgemeinde schmückt. Doch wie weit sind die Morbacher mit ihrem 2008 beschlossenen Ziel, bis 2020 energieautark zu werden? Energieautarkie bedeutet, dass mindestens so viel Energie erzeugt wie verbraucht wird.Gemeinde wartet auf Gutachten


"Wir sind auf einem guten Weg", sagt Bürgermeister Andreas Hackethal. Eine gute Voraussetzung seien die Anlagen in der Energielandschaft Morbach mit ihren 14 Windrädern, den Photovoltaikfeldern und der Biogasanlage. Insgesamt werden dort 45 Millionen Kilowattstunden Strom erzeugt. Der Bärenanteil von 35 bis 40 Millionen Kilowattstunden wird von der Windkraft produziert. Biogas trägt vier, die Photovoltaikfelder tragen zwei Millionen Kilowattstunden bei. Hinzu kommen zahlreiche Solaranlagen auf Privathäusern und öffentlichen Gebäuden.
Dadurch werde bereits dreimal so viel Energie produziert wie die privaten Haushalte verbrauchen. Doch zur Versorgung der industriellen Betriebe in der Einheitsgemeinde reicht diese Menge nicht aus. Dafür sind noch mal 100 Millionen Kilowattstunden notwendig. Es sei eine große Aufgabe, die Produktion dieser notwendigen Energiemenge zu ermöglichen, sagt der Bürgermeister. Beitragen können dazu neue Windkraftanlagen, die wie in der Energielandschaft konzentriert errichtet werden sollen. Diese sind mit einer Leistung zwischen 3 und 7,5 Megawatt (MW) deutlich leistungsstärker als die Anlagen in der Energielandschaft Morbach mit 2 MW.
Infrage kommen die windhöfigsten und damit wirtschaftlichsten Standorte. Dazu gehören der Ranzenkopf im Bereich Merscheid-Haag sowie der Höhenzug in Richtung Rhaunen und Herrstein. Wie viele Anlagen dort errichtet werden können, hängt von den Rahmenbedingungen ab. Derzeit wartet die Gemeinde auf Gutachten, die die Auswirkungen der Anlagen auf den Naturschutz und die Wasserschutzgebiete untersuchen. "Realistisch können die Windräder nicht vor 2015 errichtet werden", sagt der Bürgermeister. Ob damit die benötigten Energiemengen erzeugt werden können, damit Morbach auch mit dem Einbeziehen der Industrie- und Gewerbebetriebe energieautark wird, hängt von den Standorten ab, sagt Hackethal.
Weiterhin prüft die Gemeinde, wo es Sinn macht, weitere Photovoltaikanlagen aufzustellen.
Zudem setzt sich die Gemeinde dafür ein, dass eine Methanisierungsanlage als Forschungsprojekt in der Morbacher Energielandschaft entsteht. Diese soll in Zusammenarbeit mit dem Energieunternehmen Juwi und dem Ifas-Institut in Birkenfeld errichtet werden. Mit einer solchen Anlage kann Energie gespeichert werden. Mit überschüssiger Energie wird Methan erzeugt und gespeichert, das bei Bedarf wieder abgerufen werden kann.