Auf den Spuren der Räuberbraut

Wieso hat die Gefährtin des Schinderhannes, Juliane Blasius, ein Leben an der Seite eines Räubers gewählt? Wovon haben die Menschen in dieser Zeit gelebt und wie hat das die Landschaft verändert? Bei einer Erlebniswanderung am Samstag beantworten die Gästeführerinnen Dorothee Anton und Kerstin Lauerburg diese Fragen.

Hundheim. Niemand weiß, ob Juliane Blasius, die Gefährtin des Schinderhannes, je auf dem Gebiet der Gemeinde Morbach unterwegs war. Dennoch widmen Dorothee Anton und Kerstin Lauerburg - die eine ist Gästeführerin für Frauengeschichte, die andere Natur- und Landschaftsführerin - dieser Frau eine eigene Wanderung.
Warum? Die Antwort ist einfach. Anton sagt: "Ich habe nach einer historischen Frauengestalt aus dem Hunsrück um Morbach gesucht, die etwas bekannter war. Aber ich habe keine gefunden." Sie glaubt, dass solche Frauen dennoch existiert haben und dass sie in der Geschichtsschreibung schlicht untergegangen sind.
Falsches Bild in den Köpfen


Juliane Blasius, auch Julchen genannt, fiel den beiden für ein gemeinsames Projekt ein. Immerhin war ihr Partner Schinderhannes sicher in der Region unterwegs. Zudem sind die beiden Frauen der Meinung, dass über Julchen ein teilweise falsches Bild in den Köpfen der Hunsrücker herumgeistert, das sie zurechtrücken wollen.
"Sie war kein beseeltes und harmloses Wesen, wie Maria Schell sie im Schinderhannes-Film mit Curd Jürgens dargestellt hat", sagt Kerstin Lauerburg. "Sie war abenteuerlustig und forsch und hat sich auch an Raubüberfällen beteiligt", ergänzt Dorothee Anton. Die beiden Frauen beziehen sich auf die Biografie des Wissenschaftsjournalisten Ernst Probst. Der Titel: "Juliane Blasius - Die Räuberbraut des Schinderhannes".
Julchen wurde 1781 in Weiersbach bei Idar-Oberstein in eine Musikantenfamilie geboren. Zu dieser Zeit war von Gleichberechtigung nichts zu spüren. Dennoch war Julchen zusammen mit ihrem Vater und ihrer Schwester Margarete als Bänkelsängerin unterwegs. Ein unruhiges, abenteuerliches Leben am unteren Rand der Gesellschaft. Dorothee Anton beleuchtet bei der Wanderung das Leben der Hunsrückerin.
Kerstin Lauerburg erklärt die wirtschaftlichen Verhältnisse zu dieser Zeit und ihre Auswirkungen. Die meisten Menschen damals waren Bauern und versuchten dem kargen Hunsrücker Boden etwas abzugewinnen. Ein Großteil des Waldes war gerodet, Schiffelwirtschaft wurde betrieben. Das heißt, das Gras wurde abgebrannt, die Asche diente als Dünger.
Viele Schafweiden


Drei Jahre lang konnte so Getreide angebaut werden. Dann war der Boden derart ausgelaugt, dass 20 Jahre lang nur noch Schafe darauf weiden konnten. Arnikawiesen wie bei der Burg Baldenau, bei der die Wanderung beginnt, sind damals entstanden.
Juliane Blasius war also in einer Landschaft unterwegs, die anders aussah als die heutige. Mit 18 Jahren lernte sie den 22 Jahre alten Schinderhannes bei einem Fest kennen, bei dem sie mit ihrem Vater und ihrer Schwester zum Tanz aufspielte. Der Räuber, der mit echtem Namen Johannes Bückler hieß, war laut Überlieferung gut aussehend, charmant und redegewandt. Er hatte wohl eine gewisse Wirkung auf Frauen.
Schon einige Jahre war er damals auf der Flucht und weil er sich für Juliane und seine Schwester interessierte, hat er beide zu sich in den Wald eingeladen. Nachdem er Margarete überdrüssig wurde, fiel die Wahl auf Juliane. Mit ihr hat er ein opulentes Leben geführt, heißt es. Die beiden haben unter anderem auf der Schmidtburg im Hahnenbachtal residiert und zweitweise drei Schneider beschäftigt. Doch immer wieder mussten sie flüchten.
Drei Jahre ging das so. Diese Zeit bezeichnete Juliane später als die schönste ihres Lebens.
Dann wurden ihr und ihrem windigen Gefährten der Prozess gemacht. Schinderhannes wurde unter anderem vorgeworfen, an einem Mord auf dem Hof Baldenau bei der gleichnamigen Burg beteiligt gewesen zu sein. Er wurde mit 26 Jahren hingerichtet. Sie musste ins Arbeitshaus, heiratete danach zwei Mal, gebar sieben Kinder und starb mit 69 Jahren eines natürlichen Todes. Ein spannendes Leben im Hunsrück.
Die Wanderung "Juliane Blasius - die Räuberbraut des Schinderhannes: Eine kleine Zeitreise auf den Spuren einer Hunsrückerin" am Samstag, beginnt um 15 Uhr an der Burg Baldenau. Gewandert wird etwa zwei Stunden. Kosten inklusive Umtrunk zum Abschluss: zehn Euro. Anmeldung ist erforderlich bei Kerstin Lauerburg, Telefon 06533/941190, E-Mail: kerstin.lauerburg@gmx.de oder bei Dorothee Anton, Telefon 06533/9590360, E-Mail: dorothee.anton@gmx.de