Auf der Jagd nach dem Mondgestein

Exakt 42 Jahre nach der ersten Mondlandung öffnet eine Ausstellung in Idar-Oberstein, bei der ein echtes Mondgestein zu sehen sein soll. Außerdem wird ein Ehrengast erwartet: der deutsche Astronaut Gerhard Thiele.

Idar-Oberstein. "Houston, wir haben ein Problem!" So oder so ähnlich wie der weltbekannte Ausspruch von Tom Hanks in dem Film "Apollo 13" mag es geklungen haben, als sich die Heimatfreunde Oberstein mit ihrer doch sehr ungewöhnlichen Bitte an die amerikanische Raumfahrtbehörde Nasa wendeten.
Wertvolle Fracht aus Texas


Was kaum einer für möglich gehalten hat: Wolfgang Kley, Klaus Serafiniak, Hans-Peter Stähler, Inge Becher, Andreas Werner und ihre Mitstreiter haben einen Coup gelandet. Sie präsentieren ab Mittwoch, 20. Juli, im Museum Idar-Oberstein eine Ausstellung der besonderen Art. Glanzstück ist ein Exemplar echten Mondgesteins.
Die umfangreichen Vorbereitungen laufen bereits seit zwei Jahren. Vorläufiger Höhepunkt: Ende nächster Woche fliegen Serafiniak und ein weiteres Vorstandsmitglied nach Houston/Texas, um die wertvolle Fracht in Empfang zu nehmen. Begonnen hat das Abenteuer - Serafiniak spricht von einer "Herausforderung" - mit dem Besuch einer Messe für Mineralien und Edelsteine. Aus Spaß sagte einer der Heimatfreunde zu einem Aussteller: "Wir zeigen demnächst Mondgestein." "Das schafft Ihr doch nie", lautete die prompte Antwort. Ein Wort gab das andere, die Idee war geboren.
Zunächst wird die amerikanische Botschaft angeschrieben, auch die Auslandsvertretung der USA in Frankfurt erhält einen Brief. Doch zunächst rührt sich nichts. Die Heimatfreunde, euphorisiert von ihren Plänen, geben nicht auf. Sie wenden sich ans Weiße Haus in Washington. Und siehe da: Sie erhalten eine Antwort, werden an die Nasa verwiesen. Die Gespräche gestalten sich vielversprechend, "alles läuft zunächst reibungslos", erzählen Vorsitzender Kley und Serafiniak. Doch als die Aktion konkret wird, tauchen die Probleme auf - in Form von Auflagen der Nasa, die einzuhalten sind. Unter anderem wird gefordert, dass das Mondgestein von zwei Kurieren in Houston/Texas abgeholt und ebenfalls von zwei Personen wieder in die Vereinigten Staaten zurückgebracht wird. Weil aber der Transportbehälter die Ausmaße von normalem Handgepäck übertrifft, andererseits aber nicht im Gepäckraum eines Flugzeugs deponiert werden darf, muss für das Material ein Sitzplatz gebucht werden. Damit nicht genug. Dieser dritte Platz muss beim Hinflug des Vorstandsduos reserviert werden - ebenso beim Rückflug nach der Rückgabe, auch wenn dieser Platz dann ebenfalls leer bleiben wird. 6000 Euro kostet allein dieser Spaß. Sponsoren haben dies übernommen. Die nächste Hürde ist der Zoll. "In Deutschland gibt es nichts Wertvolles, das ohne Zollgebühr ins Land eingeführt werden darf", sagt Serafiniak. In der Regel werden 19 Prozent des Werts erhoben. Und den Wert legt der Zollbeamte fest. Welchen Wert aber hat Mondgestein. Nicht wenige taxieren das seltene Gut auf 1 Million Euro. Das wären dann 190 000 Euro Zollgebühr - utopisch. Aber auch diese Klippe wird genommen. Bundestagsabgeordneter Fritz Rudolf Körper hat sich eingeschaltet.
Auch eine alarmgesicherte Vitrine wird verlangt. Ein Schreiner stellt derzeit eine Sonderanfertigung her - in Form der Apollo-11-Kapsel, die 1969 auf dem Mond landete.
Nun wird auch klar, warum die Ausstellung am Mittwoch, 20. Juli, eröffnet wird. Das ist exakt 42 Jahre nach der ersten Mondlandung, auch wenn Neil Armstrong erst einen Tag später als erster Mensch den Mond betrat. Bei der Ausstellung gibt es aber nicht nur Mondgestein und weitere Mineralien aus dem Weltall zu bestaunen. Ein Modell des Space-Shuttle, bereitgestellt von der Europäischen Raumfahrtbehörde Esa, wird außerdem gezeigt - wie auch Bilder vom Mondlandeprogramm, das mit kurzen Videos erläutert wird.
Ehrengast wird der deutsche Astronaut Gerhard Thiele sein, der 2000 zum Team des Space-Shuttle-Flugs STS-99 gehörte. Er berichtet von seinem Flug durch den Weltraum. Solche Probleme, wie sie die Apollo-13-Mannschaft einst nach Houston übermittelte, hatte er nicht.