Auf der Suche nach Netz am Erbeskopf

Auf der Suche nach Netz am Erbeskopf

In der Nationalparkversammlung berichtet der Leiter des Nationalparks über die Fortschritte der Arbeit. Vertreter der Kommunen bemängeln schlechte Handyverbindung und Infrastruktur.

Es ist ruhig am Erbeskopf. Am Abend verlassen die letzten Besucher das Umweltzentrum Hunsrückhaus. Aber dann fahren mehrere Autos vor. Rund 20 Vertreter der Kommunen, der Bürgerschaft und weiterer Institutionen treffen sich hier zur Nationalparkversammlung. Sie kommen aus den umliegenden Orten wie etwa Hermeskeil, Birkenfeld oder Thalfang. Ihre Handys müssen sie vor der Sitzung nicht auf lautlos schalten, denn am zukünfigten Tor des ersten Nationalparks in Rheinland-Pfalz ist der Handyempfang nicht sonderlich gut.

Nach der Eröffnung des ersten Nationalparks in Rheinland-Pfalz vor zwei Jahren wurde dieses Gremium gegründet, das die Interessen der umliegenden Gemeinden vertreten soll.

Harald Egidi, Leiter des Nationalparkamtes, berichtet über den Fortschritt seiner Arbeit. Man habe den Rangerstützpunkt an einem ehemaligen Nato-Bunker in Börfink bereits in Betrieb genommen. Dort soll ein Bauhof eingerichtet werden, um zum Beispiel Hinweisschilder zu reparieren. Am Umweltcampus in Birkenfeld soll ein neues Verwaltungsgebäude für seine Behörde gebaut werden, in umweltfreundlicher, moderner Holzbauweise. Der Nationalparkplan sei ebenfalls in Arbeit, dazu soll auch eine Arbeitsgruppe "Leitbild des Nationalparks" gegründet werden. Egidi betont die Bedeutung: "Wir haben eine europäische, eine weltweite Ausrichtung. Uns ist wichtig, dass wir eine weltoffene Mission haben."

Das Nationalparktor am Hunsrückhaus soll im Herbst 2018 offiziell eröffnet werden. Dort sind noch umfangreiche Renovierungs- und Sanierungsarbeiten erforderlich. Die Nachfrage von Schulen und Kitas nach Schulklassen- und Ferienangeboten sei ungebrochen, bekräftigt Egidi. Im November soll zudem noch eine größere Umwelt-Fortbildung für Lehrer und Erzieher stattfinden. Als erste Erfolge nennt er das Projekt "Kirche im Nationalpark" und den Ausbau der barrierefreien Angebote. Inzwischen gibt es einen rollstuhltauglichen Steg in Thranenweiher, mit dem Gehbehinderte den Park erleben können. Auch die Homepage des Nationalparks soll 2018 erneuert werden.
Die wissenschaftliche Untersuchung des Revierverhaltens der Wildkatze schreitet unterdessen voran. "Wir haben über 600 Haarproben gesammelt," sagt Egidi. Außerdem untersuche man das Verhalten des Rotwilds und beachte das Wildtiermanagement. Im Bereich um Thranenweiher soll eine Ruhezone eingerichtet werden. Auch die Moore würden schrittweise wieder renaturiert, also in ihren Ursprungszustand versetzt. Um die Besucher zu lenken sei eine Bestandsaufnahme der Parkplätze und Wanderwege inzwischen auch abgeschlossen worden. "2018 wollen wir einen Wegeplan vorstellen," sagt Egidi.

Bernhard Alscher, Vorsitzender der Versammlung und Bürgermeister der Verbandsgemeinde Birkenfeld, macht auf das schwache Mobilfunknetz aufmerksam: "Wir brauchen auch den LTE-Standard im Nationalpark. Wir hatten einen Fall, dass sich jemand im Nationalpark verletzt hat und er mit dem Handy keine Hilfe holen konnte. Auch fehlt mir eine Corporate Identity bei den Parkplätzen."

Michael Hülpes, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Hermeskeil übt ebenso Kritik: "Wir brauchen eine Infrastruktur für den Nationalpark. Außerdem benötigt man Ladestellen für E-Mobilität auf den Besucherparkplätzen." Egidi entgegnet, dass es schwierig sei, eine einheitliche Gestaltung der Parkplätze zu machen, da diese unterschiedlichen Kommunen gehören.

Währenddessen sei die Zertifizierung des Schutzgebietes durch Europarc in vollem Gange. Europarc ist ein Dachverband der Nationalen Naturlandschaften. Wie Sören Sturm vom Nationalparkamt erläutert, gibt es auch schon mehrere Merchandising-Aktionen. So wird ein Nationalpark-Kaffee ebenso angeboten wie ein eigenes Nationalpark-Bier.

Meinung: Der Schwung lässt nach
Als an Pfingsten 2015 der erste Nationalpark in Rheinland-Pfalz eröffnet wurde, war das Thema durch die starke Berichterstattung in der Öffentlichkeit präsent. Aber der Schwung lässt nach. Das wurde in der Nationalparkversammlung deutlich. Es ist klar, dass so ein Projekt langfristig reifen muss. Aber für die Menschen, die in der Region leben und auch für die Touristen hätte es zu Beginn klare Signale geben müssen. Dazu hätte es gehört, das Hunsrückhaus als Aushängeschild des Nationalparks schon viel früher zu sanieren und auch den Handy- und W-Lan-Empfang auf den Stand der Zeit zu bringen. Das wäre damals eine Punktlandung gewesen. Nun aber kostete es viele Mühen, jenen Schwung wieder aufzubauen. hp.linz@volksfreund.deExtra: DAS SCHUTZGEBIET

Der Nationalpark Hunsrück-Hochwald ist ein 10 000 Hektar großes Gebiet, das sich über zwei Bundesländer, das Saarland und Rheinland-Pfalz, erstreckt. Der Nationalpark soll dazu beitragen, dass sich aussterbende Arten wieder ansiedeln. Dazu gehören Wildkatzen, von denen noch etwa 1000 Exemplare im Hunsrück leben, sowie Schwarzspechte und Schwarzstörche. Seltene Tierarten sollen im Park mit seinen einmaligen Felsen- und Moorlandschaften sowie großen Beständen über 100 Jahre alter Buchen Rückzugsräume haben. Das Hunsrückhaus am Erbeskopf ist eines von drei Nationalparktoren. Weitere sind in Wildenburg und in Otzenhausen. Laut einer Studie sollen in den nächsten 20 Jahren zusätzliche 100 000 Besucher wegen des Nationalparks in die Region kommen. Die Kosten für den Unterhalt werden auf fünf Millionen Euro jährlich geschätzt. (red)

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