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Auf der Suche nach Spuren und Geschichten

Auf der Suche nach Spuren und Geschichten

Vor drei Jahren haben sie für die St.-Cuno-Ausstellung gesammelt, jetzt geht das Sammeln weiter: In Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg geht die Suche nach Spuren aus der Geschichte des Hunsrück-Balkan weiter. Grund des Sammelns ist eine Ausstellung zu Ehren von Schwester Blandine Merten.

Morscheid-Riedenburg. Seit mehr als einem Jahr sind sie wieder am Sichten und Sammeln — von Bildern, Geschichten oder Geschehnissen in der Vergangenheit. Dieses Mal begibt sich allerdings nicht — wie vor drei Jahren anlässlich der St.-Cuno-Ausstellung — die "Interessengemeinschaft St. Cuno" in den Dörfern Hoxel, Morscheid-Riedenburg und Wolzburg auf Spurensuche, sondern der "Verein zur Förderung des traditionellen Brauchtums Balkan".Anlass der Sammlung ist eine Ausstellung zu Ehren von Schwester Blandine Merten, Namensgeberin der Grundschule im Ort. Vor 100 Jahren verließ die Dorfschullehrerin Maria Magdalena Merten den Ort, um im saarländischen Großrosseln zu unterrichten. Später trat sie dem Orden der Ursulinen bei und wurde 1987 selig gesprochen.

Neben der Biografie der Schwester interessiert auch die Geschichte der Schule und ihrer Schüler. Um die 100 Schulklassenfotos — das älteste von 1898 — hat Helmut Zimmer für die Ausstellung vergrößert und laminiert. "Da bin ich seit fünf Jahren dran", sagt der in Morbach lebende, gebürtige Morscheider. Zigmal sei er hergekommen, um möglichst komplette Namenslisten der Abgebildeten erstellen zu können. Die Fotos selbst habe ihm Ortsvorsteherin Petra Arend zur Verfügung gestellt. Wertvolle Hinweise finden sich laut Richard Ehlen in der Schulchronik, mit der die Recherchen begonnen haben. Bereits 1830 habe Morscheid zwei Schulklassen gehabt, erzählt Josef Bauer. Als die Schule 1857 abbrannte, wurde 1866 am gleichen Standort neben der Kirche eine neue gebaut. Das heutige Wohnhaus ist immer noch die "Alte Schule". Die Recherchen bringen aber auch Schauergeschichten an den Tag — zum Beispiel die der vier italienischen Gleisarbeiter, die in Streit gerieten, was drei von ihnen nicht überlebt haben. Dass mit der Schule auch die Bahn ins Blickfeld rückt und mit ihr das Viadukt — die "Enisch Breck", wie es auf Platt heißt —, hängt ebenfalls mit Schwester Blandine zusammen. "Sie kam 1903, als die Hunsrückbahn eröffnet wurde", erklärt Frank Arend. Ihnen gehe es darum zu zeigen, "dass die Bahn damals einen höheren Stellenwert hatte als der Flughafen Hahn heute für uns".

Anders als das heutige Pendeln sei die Schiene nicht als Belastung gesehen worden, sondern sie habe "eine Erweiterung des Horizonts und mehr Arbeitsplätze" mit sich gebracht.

Mit Markus Göttert aus Unzenberg hat der Verein fachkundige Unterstützung gewinnen können. Im Rahmen der Cuno-Ausstellung sei es leider nicht möglich gewesen, das alles zu würdigen: "Aber ein großer Teil der damals Beteiligten hat Blut geleckt, die Heimatgeschichte weiter zu erforschen", sagt Göttert. Als Fernziel schwebe ihnen vor, 2015, wenn Morscheid sein 800-jähriges Bestehen feiert, eine "Balkan-Chronik" präsentieren zu können.

Die Ausstellung, an der auch Anette Ehlen, Marion Schmitt, Armin Späder und der frühere Morscheider Rektor Peter Brucker arbeiten, öffnet vom 26. Oktober bis 4. November. Neben Bild- und Text-Dokumenten wird es Vorträge geben, wie den des Heimat- und Kulturvereins Düppenweiler. In dem saarländischen Ort nahe Saarlouis wurde Schwester Blandine geboren.