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Auf einer Anhöhe im Kautenbachtal, den man unter anderem über den Elfenpfad, einen Seitensprung des Moselsteigs erreicht,>" src="/js/tiny_mce/plugins/irnotes/img/note.png"> steht der Wildstein

Heimat : Wo Ameisen den Elfenpfad zum Wildstein freilegen

Auf einer Anhöhe im Kautenbachtal steht der Wildstein. Die Entstehung dieser Formation aus gestapelten Steinblöcken, die etwa acht Meter hoch sind, bleibt ein Rätsel.

  Wie ist diese imposante Ansammlung an mächtigen Steinplatten, die im Kautenbachtal aufeinanderliegen, entstanden? Darüber rätseln seit über 300 Jahren Menschen. Vermutungen gehen von einem bedeutungslosen Steinhaufen, einer heidnischen Opferstätte, einer Ehrensäule oder einem vorzeitlichen Fürstengrab aus.

Nachgewiesen ist aber eine keltische Ringwallanlage in der Nähe des Wildsteins. Hubertus Schulze-Neuhoff, Botschafter der Trabacher Schweiz, meint: „Das Geheimnis um den Wildstein wird man so schnell nicht lösen können. Aber es ist ein Gebilde, das die Fantasie anregt und immer wieder Gesprächsthema bei Wanderern ist, die hier eine Rast einlegen.“

In den nächsten Wochen soll eine neue Tafel aufgestellt werden, die über die verschiedenen Theorien, die es über die Steinanhäufung gibt, informiert. 1669 berichtete Magister Johann Hofmann vom Wildstein, der damals aber noch eine „Dreifuß-Form“ hatte. Auf dem Dreifuß seien vier weitere Steine wie eine Säule aufgeschichtet gewesen und auf deren Spitze ein weiterer Stein. 1730 soll ein Schüler den oberen Stein umgeworfen haben, so dass er zu seiner heutigen Form kam.

Es ist aber nicht nur der Wildstein, der die Fantasie der Menschen anregt, sondern auch der Weg dorthin. Von der Moseltherme aus, kann man über den Elfenpfad zu ihm gelangen. Moosbewachsene Steine und Holzstämme, Wurzeln, ineinander verschlungene Bäume, kleine Schieferhöhlen und eine Natur, die zum großen Teil sich selbst überlassen ist, weil sie zum Bewirtschaften einfach zu steil ist, haben hier Gebilde entstehen lassen, die an Elfen, Tiere oder Waldgeister erinnern.

Damit die Besucher auf sie aufmerksam werden, haben die Waldameisen, eine Gruppe Trarbacher Bürger um Gerhard Bretz, 30 verschiedenen Naturgebilden einen Namen gegeben. Sie heißen beispielsweise: Krokodil; Schlangenmaul; die Neugierige; Waldgeist; Vater, Mutter, Kind; Umarmende oder Hauptwohnung der Elfen mit Oberon und Eule.

Und wer mit offenen Augen den etwa drei Kilometer langen Weg entlang geht, kann weitere entdecken, die vielleicht noch keinen Namen haben. Die Ameisen kümmern sich darum, dass die Wanderwege frei sind, stellen Bänke auf und bauen Geländer an unwegsamen Stellen. Tobias Wilkse, vom Hotel Jungenwald, sagt: „Viele Besucher kommen hierher, um die Natur zu genießen, zu entspannen und wandern, da ist es sehr wichtig, die Wege gut zu beschildern und freizuhalten.“

Neben dem Elfenpfad, von dem es heißt, dass einem hier früher Elfen und Naturgeister begegnen konnten, hat auch der Wildstein eine besondere Sage. Der Wind, der durch den Dreifuß wehte, soll einen besonderen Pfeifton erzeugt haben, den man besonders nachts bis Trar­bach hörte. Dann begann der gewaltige Querstein zu wippen und zu klappern und die Menschen bekamen Angst. In der Geisterstunde drehte sich der Wildstein schließlich um seine eigene Achse und führte rhythmische Bewegungen aus. Weil diese Ereignisse nur nachts und bei schlechter Witterung stattfanden, gingen die Menschen von einer zornigen Gottheit aus, die dort am Werk wäre.

Ob die Steine nun von der Natur oder von Menschenhand so arrangiert wurden, ist vielen Wanderern heute gar nicht so wichtig. Für sie ist etwas anderes bedeutender: „Man fühlt sich einfach wohl hier, beim Wandern zum Wildstein“, fasst Rita Albright, Ehefrau von Hubertus Schulze-Neuhoff, zusammen.