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Auf Patrouille war er stets Zielscheibe

Auf Patrouille war er stets Zielscheibe

Seit November 2004 dient Sven Kossligk unter fremder Flagge: Der aus Birkenfeld stammende Familienvater wurde Soldat bei der US-Army, bei der er sich für fünf Jahre verpflichtet hat.

Birkenfeld. In Bagdad und Umgebung kämpfte elf Monate lang der in Birkenfeld aufgewachsene Sven Kossligk. Seine Erfahrungen im Irak schilderte er seinem Schulfreund Stephan Seiler, der ihn in seiner neuen Heimat besuchte. Mit Frau und Kind lebt Kossligk in Killeen, einer Stadt in Texas mit 100 000 Einwohnern. In Fort Hood, der vier Kilometer entfernten weltweit größten US-Militärbasis, verwaltet er die Waffenkammer.Vom Rebellen aus Schulzeiten ist nichts übrig. Er spricht soldatisch: "Wenn jemand einen Befehl gibt, steht es mir nicht an, ihn zu hinterfragen." So kommentiert er, dass er im Irak einen Mann tötete, nüchtern: "Ich habe getan, was ich tun musste. Das Auto war ein Hinterhalt."Der Liebe wegen in die USA

Nach dem Gymnasium stolperte er gewissermaßen durchs Leben. Schon beim Wehrdienst wollten ihn seine Vorgesetzten von einer Offizierslaufbahn überzeugen, aber er lehnte ab. Weil die Suche nach einem Ausbildungsplatz zu anstrengend schien, jobbte er als Wachmann in der US-Garnison Baumholder.Dort lernte er ein Mädchen kennen, Alex, eine Amerikanerin, die auf dem Stützpunkt arbeitete. Die beiden wurden ein Paar. Nach zwei Monaten war Alex schwanger. "An einer Tankstelle machte sie mir einen Heiratsantrag", erinnert sich Kossligk. "Ich habe einfach Ja gesagt, ohne nachzudenken." Eine Nacht lang diskutierten sie, wo und wie sie leben wollten: "Alex konnte kein Deutsch, ich aber fließend Englisch, da war klar, dass wir nach Amerika gehen würden." Es folgten die Hochzeit in Kalifornien bei ihren Eltern und die Geburt von Elizabeth, nicht aber ein guter Job.Einer von 129 Deutschen in der US-Armee

Am liebsten hätte der Hunsrücker Psychologie studiert, hatte jedoch kein Geld für die Studiengebühren: "Ich wollte meine Familie nicht mit Schulden belasten." Da erinnerte er sich, dass ein Freund bei der Army studierte - kostenlos. Der Rekrutierungsoffizier konnte ihn schnell überzeugen. Nach seiner Grundausbildung zog Sven Kossligk mit seiner Familie nach Killeen. Der Legionärsstatus ist in den USA nichts Besonderes: 21 000 Nichtamerikaner dienen nach Auskunft des Verteidigungsministeriums in Washington in der US-Armee, darunter 129 Deutsche. "Ich kämpfe nicht für eine Fahne - ich kämpfe, weil ich meine Familie ernähren will", sagt der 27-Jährige. Als Söldner fühlt er sich jedoch nicht: "Ich bin mit meiner Familie in der USA zu Hause."Elf Monate lang blieb er im Irak. Anfangs sicherte er das Haupttor seines Camps in Taji nördlich von Bagdad, später fuhr er Patrouille. Mit einem Kameraden teilte er sich einen mit Sandsäcken gesicherten, klimatisierten Container in einem Camp, dessen Betonmauern von Palmenwäldern und Dörfern umsäumt wurden. Er erzählt von bis zu zwölf Stunden langen Missionen, danach habe er Billard gespielt, Filme geschaut, im Fitnessraum trainiert. Die "Tagesschau" verfolgte er via Internet, die Fußball-Weltmeisterschaft sah er übers Satellitenfernsehen. "Ich habe nur ein Deutschlandspiel verpasst", berichtet er stolz. Vermisst hat er das deutsche Essen, vor allem Kartoffelwurst oder Schwenkbraten, und das schlechte Wetter.Im Dezember wieder in den Irak

Wenn er mit seiner 25 Mann starken Einheit, die aus irakischen und alliierten Soldaten bestand, auf Patrouille fuhr, wurde er zur Zielscheibe. So war er nur drei Blocks entfernt, als auf dem Markt in Sadr-City eine Bombe 60 Menschen zerfetzte. Nach Hause durfte Specialist Kossligk am 30. November 2006 um 2.30 Uhr. "Als ich dem Waffenmeister meine Munitionsmagazine und die Handgranaten gab, war ich erleichtert." Vier Mann aus seinem Bataillon waren gefallen.Im Dezember muss Sven Kossligk wieder in den Irak - für 15 Monate. Im Dezember erwarten er und seine Frau auch ihr zweites Kind, einen Sohn. Falls er im Irak fallen würde, so verfügte er in seinem Testament, wolle er in seiner Heimatstadt Birkenfeld beerdigt werden.