Auf Spurensuche

Eine Initiative zur Dokumentation der Geschichte der Synagogengemeinde Neumagen/Niederemmel hat sich gebildet. Das Zusammenleben von jüdischen und christlichen Einwohnern vornehmlich seit der Zeit um 1900 ist eines der Themen, das erforscht und dokumentiert werden soll.

Neumagen-Dhron/Piesport. "Es ist allerhöchste Zeit zur Erforschung der jüdischen Geschichte in der ehemaligen Synagogengemeinde Neumagen/Niederemmel." Da waren sich die 13 Interessierten beim ersten Treffen des Arbeitskreises zur jüdischen Geschichte einig. Sie waren sich ebenso einig, dass die bisher stiefmütterlich behandelte Erforschung der jüdischen Geschichte nicht eingeschränkt sein soll auf die schlimmen Jahre der Nazizeit von 1933 bis 1945. Initiator Günter Leitzgen betonte: "Wenn wir den Juden Gerechtigkeit widerfahren lassen wollen, so sollen sie nicht nur als Opfer, sondern ebenso als Akteure der Geschichte in den Jahren vorher gezeigt werden. Ich glaube, wir müssen beide Dinge gegenüberstellen, damit der Schnitt gezeigt wird." Es sei wichtig, nicht nur den nationalsozialistischen Aspekt zu betrachten, sondern zu sehen, das vorher die Christen und die Juden friedlich in den Orten miteinander gewohnt, gelebt, gefeiert und gearbeitet haben. Leitzgen bezeichnete die Jahre seit Ende des 19. Jahrhunderts als die Zeit, mit denen sich der Arbeitskreis beschäftigen will. Die Jahrhunderte vorher seit der Ersterwähnung von Juden in Neumagen im Jahre 1474 seien intensiv in der Neumagen-Dhroner Ortschronik beschrieben. Die Teilnehmer einigten sich auf ein behutsames Vorgehen zwecks Abbau von Hemmschwellen in der Bevölkerung, die mitunter noch vorhanden sind, wenn das Thema Juden angesprochen wird. In einem ersten Schritt ist beabsichtigt, die um 1930 und früher geborenen Einwohner nach ihren Erfahrungen im Zusammenleben mit jüdischen Mitbürgern zu befragen. Dazu werden Einzelgespräche favorisiert, um Hemmschwellen zu überwinden. Außerdem sollen die ehemals jüdischen Häuser aufgelistet werden. Für Niederemmel ist dies bereits durch Josef Schemer erfolgt. Der Arbeitskreis setzt sich keine zeitlichen Vorgaben. Inhaltlich sind zwei Ziele hervorgehoben worden. Es soll eine kleine Schrift zur jüdischen Geschichte der Synagogengemeinde entstehen. Zudem will sich die Realschule Neumagen-Dhron mit dem Thema beschäftigen und die Ergebnisse der Bevölkerung präsentieren.

Die Initiatoren stehen als Ansprechpartner zur Verfügung, nehmen Fotografien entgegen, ebenso Hinweise und kommen gerne zu den Bürgern, die ihre Erfahrungen mit Juden im Gespräch mitteilen wollen: Günter Leitzgen (Erlangen, gebürtig aus Neumagen, Telefon 09131-207112), Achim Durwen (06507/802888), Hermann Erschens (06507/3166), Gerd Schmidt (06504/1623), Josef Schemer (06507/5527) oder Willi Herres (06507/5227 oder 2135). Extra Zur Geschichte der jüdischen Synagogengemeinde Neumagen/Niederemmel: Bereits im Spätmittelalter wohnten Juden in Neumagen, erwähnt 1474 und 1553. In Müstert und Niederemmel bestanden kleine jüdische Gemeinden, deren Entstehung in das 17./18. Jahrhundert zurückgeht. Vom jüdischen Friedhof in Neumagen wird bereits 1578 gesprochen, auf dem auch Verstorbene aus den Nachbarorten beigesetzt wurden. Die Zahl der Juden in Neumagen stieg von 44 im Jahre 1808 auf 109 im Jahre 1857, ging dann zurück. Daraufhin schlossen sich 1890 Neumagen und Niederemmel zu einer gemeinsamen Synagogengemeinde zusammen. In beiden Orten waren Synagogen vorhanden, von 1855 bis 1930 eine in Müstert, von 1930 bis 1938 ein Betsaal/Synagoge in Niederemmel, die nach 1945 zum Wohnhaus umgebaut wurde. Die Neumagener Synagoge wurde 1938 zerstört und 1959 abgebrochen. Durch die Repressalien der Nazis wanderten viele Leute nach 1933 aus oder wurden deportiert. Auf dem jüdischen Friedhof (letzte Beisetzung 1940) zwischen Neumagen und Dhron sind 126 Grabsteine erhalten. (ger)