Auferstanden aus Ruinen...

TRABEN-TRARBACH. Patrice Graziano hat ein Software-Unternehmen in Stuttgart, ist künstlerisch tätig und in Traben-Trarbach ist er zurzeit Bauherr. Unter seiner Regie verwandeln sich zwei marode Anwesen an der Rißbacher Straße 14, die einst zum gegenüberliegenden Weingut Oscar Haussmann gehörten, wieder in stattliche und stolze Prachtbauten.

"Wir waren drauf und dran, uns ein Haus in der Bretagne zu kaufen", erzählt Graziano, der für schöne Häuser schwärmt. Doch dann entdeckten er und Ehefrau Elvira die romantische Mosel - "Traben-Tarbach ist der schönste Ort hier" -, und so kauften sie 2005 die Gebäude in der Rißbacher Straße von den Haussmann-Erben. "Sie standen fast dem Ruin anheim", erinnert sich Graziano, der sich heute freut, dass in einem Jahr schon so viel passiert ist. Das 1886 entstandene Verwaltungsgebäude bekam ein neues Dach und wurde von Grund auf renoviert. Das junge Ehepaar ist dabei, sich sein Wohnhaus mit Stuckdecken, Holztüren, Mosaikfußböden und vielen Details mehr aus alten Zeiten geschmackvoll einzurichten. Hier will es künftig leben und arbeiten, und Graziano wird auch sein Atelier darin haben. Die hohen Räume strahlen Eleganz aus, der Blick in den Hof allerdings wirkt entmutigend. "Es sieht immer noch schlimm aus", sagt Graziano, "aber es ist tatsächlich schon viel geschehen. Der Innenhof war ein Riesenbauloch, und wir haben für 10 000 Euro Schutt abfahren lassen", erläutert der junge Mann mit den dunklen Locken, der viele Firmen aus Traben-Trarbach und der Umgebung beschäftigt, aber auch bei allen Arbeiten selbst Hand mit anlegt. "Ich bin Bauarbeiter aus Passion", sagt er lachend, aber er besitzt auch das Zeug zum Architekten, macht Zeichnungen und Pläne selbst und ist meist vor Ort, denn "so eine Bautätigkeit kann man nicht aus der Ferne führen". Das angrenzende Produktionsgebäude mit seinen großen Hallen wurde 1855 gebaut. "Es war in einem desolaten Zustand", resümiert Graziano, "das Wasser schoss durch die Halle, aber jetzt ist alles trocken". Ein Bio-Markt fehle in Traben-Trarbach, und die Räume wären dafür ideal, schwärmt der 40-Jährige. In der Tat könnte das eine Kleinmarkthalle mit viel Atmosphäre werden. Zurzeit wird an dem kleinen Park neben dem Produktionsgebäude gearbeitet. "Das war ein Urwald", erinnert sich der am Bodensee geborene Graziano, der einen französischen Vater und eine deutsche Mutter hat. Unter dichtem Strauchwerk und Erdreich wurde ein großer Brunnen entdeckt, der zunächst abrissreif erschien. Doch dann entschloss sich der Bauherr, ihn zu restaurieren. Alte Stiche verrieten ihm, dass der Brunnen früher noch nicht existierte. Graziano vermutet, dass er um 1920 entstand. Er wird durch eine eigene Quelle gespeist und soll wieder in Betrieb gehen, und auch eine Brunnenfigur soll ihn wieder zieren. Diese wurde vor etwa 20 Jahren gestohlen. Der Park war als englischer Garten angelegt, er hat eine große Magnolie und einen seltenen Speierling, und dem Bauherrn ist daran gelegen, den alten Baumbestand zu erhalten. Die einst an der Straße stehende Mauer ist zurückgesetzt worden, der Brunnenplatz wird mit Naturstein gepflastert und soll mit einem Teil des Parks der Öffentlichkeit zur Verfügung gestellt werden. "Es liegt noch massig Arbeit vor uns", sagt der 40-Jährige, doch das motiviert ihn eher, als dass es ihn schreckt. Traben-Trarbach kann sich über das Ehepaar Graziano und sein Engagement freuen, mehr solche Menschen werden hier gebraucht. Es gibt noch einige marode Gebäude in der Stadt und an der Rißbacher Straße, doch die Nummer 14 kann sich jetzt schon sehen lassen, "und wenn in zwei Jahren alles fertig ist, stelle ich mich im schwarzen Anzug vor die Häuser, damit der Trierische Volksfreund noch mal ein Bild machen kann", erklärt "Bauarbeiter" Graziano lachend.