Aufgepasst beim Ebay-Autoverkauf

Wüste Beschimpfungen, Drohungen, Geldforderungen: Es sind bundesweit Hunderte Erpressungs- und Betrugsfälle, die die Polizei seit 2009 registriert hat. Die Masche ist immer gleich: Kriminelle rufen private Verkäufer an, die ihr Auto über das Internet-Auktionshaus Ebay angeboten haben. Der Anruf kommt aus dem Libanon - und ereilte auch zwei Opfer im Hunsrück und in Daun.

Wittlich. Der Schrecken muss groß gewesen sein, als der Anrufer seine wüsten Beschimpfungen und Drohungen ausstieß. Drohungen wie "ich mach\' dich platt", "ich schick\' dir die Hells Angels vorbei", "ich komm\' mit einer Knarre bei dir vorbei", "ich zünd\' dein Haus an", "ich bring\' dich und deine Familie um". Dabei ging es doch eigentlich "nur" um einen Autoverkauf, der ein paar Tage zuvor über das Internet-Auktionshaus Ebay abgewickelt worden war.
Hunderte Fälle bekannt


Der Empfänger des unerquicklichen Anrufs hatte seinen Gebrauchtwagen über die Plattform verkauft, der Kaufpreis war gezahlt, das Auto übergeben worden. Der Ärger begann ein paar Tage später. Mit dem Anruf bei dem Verkäufer. Am Apparat angeblich der Käufer, der behauptete, dass das Auto direkt nach der Übernahme einen Motorschaden erlitten habe. Dann folgten die Beschimpfungen und die Drohungen, sollte der Verkäufer nicht einen Teil des gezahlten Kaufpreises als Schadenersatz über einen Anbieter für internationalen Bargeldversand, entweder Money Gram oder Western Union, zurückerstatten.
Kein Einzelfall, wie die Kriminalinspektion (KI) Wittlich betont. Seit 2009 wurden bundesweit Hunderte solcher Vorfälle gezählt. Jüngst meldete sich ein Mann aus dem Hunsrück bei der Polizei, der ebenfalls nach einem Ebay-Autoverkauf am Telefon bedroht wurde. Auch in Daun zeigte Ende Juni ein Opfer einen ähnlichen Vorfall bei der Polizei an: Er hatte sein Wohnmobil über Ebay verkauft. Gezahlt wurde in beiden Fällen nicht, es blieb damit beim Erpressungs- und Betrugsversuch.
Doch das ist nicht immer so: Allein in Rheinland-Pfalz kam im Jahr 2013 laut Uwe Westermann von der Kriminalinspektion Wittlich ein fünfstelliger Betrag zusammen, den die Täter mit dieser Masche erzielen konnten. Denn natürlich gehen die Drohanrufe nicht auf das Konto der eigentlichen Käufer. Die Kriminellen suchen auf Ebay gezielt nach den Verkaufsangeboten, notieren sich die teilweise in den Beschreibungstexten aufgeführte Telefonnummer des Verkäufers und kontaktieren ihn kurz nach Ablauf der Aktion. Ihre Drohungen sind offenbar so drastisch, dass viele sie für bare Münze nehmen. "Es ist schon vorgekommen, dass Geschädigte aus Angst außerhalb ihrer Wohnung übernachtet haben", sagt Westermann.
Dabei sind die kriminellen Machenschaften im Grunde genommen leicht zu durchschauen: Denn die Täter nutzen in den bekannt gewordenen Fälle Telefonanschlüsse aus dem Libanon, die mit der Ländervorwahl 00961 beginnen. Auch soll der geforderte Geldbetrag in den Libanon transferiert werden. Wer also Anrufe mit dieser Vorwahl und ähnlichem Inhalt bekommt, sollte hellhörig werden - und Ruhe bewahren, wie Uwe Westermann von der KI Wittlich empfiehlt: "Man sollte sich nicht verrückt machen lassen." Es sei bislang kein Fall bekannt, in denen die Täter ihre Drohungen wahr gemacht hätten. "Die wollen wirklich nur das Geld", betont er, "sie sind aber nicht in der Lage, an das Geld zu kommen und sitzen in der Regel ganz weit weg."
Wer Opfer eines derartigen Anrufs geworden sein sollte, wird gebeten, sich an die jeweils örtlich zuständige Polizeidienststelle zu wenden.
Extra

Nach Auskunft des Deutschen Kraftfahrzeuggewerbes wechselten 2013 knapp 7,1 Millionen Gebrauchtwagen ihre Besitzer. 30 Prozent der Käufer kauften dabei ihr Fahrzeug über einen Anbieter im Internet. Bei 40 Prozent spielte das Internet als Informationsquelle eine wichtige Rolle. Von den 2013 insgesamt 2,95 Millionen verkauften Neuwagen wurden sieben Prozent über das Internet konfiguriert und bestellt und dann beim Händler ausgeliefert (Quelle: DAT-Report 2014). neb