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Aufregender Ausflug in die Unterwelt

Aufregender Ausflug in die Unterwelt

Weit über 50 "düstere Gestalten" erkundeten erstmalig mit den Stadtführern Richard Ochs und Rolf Zang die Traben-Trarbacher Unterwelt: In den mit Windlichtern und einzelnen Glühbirnen erleuchteten unterirdischen Gewölben der ehemaligen Weinkellerei Oscar Haussmann erfuhren sie Wissenswertes über den Weinbau und die riesigen, zum Teil über 100 Meter langen Keller.

Traben-Trarbach. Achim Nehrenberg, Leiter der Tourist-Information Traben-Trarbach, begrüßte die Schar, unter der sich auch viele Bürger der Stadt befanden und die den Abstieg von drückender Schwüle in feuchte Kellerkühle sichtlich genossen. "Traben-Trarbach spielt mit dem Gedanken, sein touristisches Profil zu schärfen", kündigte Nehrenberg an. Weite Teile der Stadt seien unterkellert, und dies könne ein attraktives Alleinstellungsmerkmal werden.

Die erste Sonderführung stieß auf großes Interesse und Wohlwollen und versetzte die Gäste angesichts der langen Kellergänge immer wieder in Erstaunen. Richard Ochs appellierte, die Fantasie spielen zu lassen und sich diesen Gewölbekeller mit den früher hier gelagerten mehr als 250 Fudern Wein vorzustellen. Bei seinem Exkurs in die Historie des Weinhandels berichtete er, dass die Kellereibauten ihren maßgeblichen Auftrieb durch die Eisenbahnlinie an der Mosel und den Export nach England erfuhren. Überdies gebe es in Traben-Trarbach zwei Superlative: Mitte des 17. Jahrhunderts sei hier der Riesling erstmalig an der Mosel angebaut worden, und 1846 gelang es einem Winzer - allerdings unbeabsichtigt - hier den ersten Eiswein herzustellen.

Rolf Zang informierte über die drei verschiedenen Kellertypen, die es in der Stadt gibt. Auf der Trarbacher Seite wurden sie in den Felsen gehauen. Nach den großen Stadtbränden von 1857, als die Häuser in Schutt und Asche lagen, fügte man ihre alten Keller zu großen Einheiten zusammen. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden neue, konstruierte und von Architekten entworfene Keller. Die kurzweilige Führung ergänzte er mit biblischen Geschichten rund um den Wein, und immer wieder erfreuten und amüsierten die versierten Stadtführer mit Parabeln, Anekdoten und wahren Begebenheiten, in denen der Wein eine wichtige Rolle spielte. Die nach dem Zweiten Weltkrieg angelegten Betonfässer, von denen eines fast 20 000 Liter Wein fasste, wurden zum Ende des kurzweiligen Rundgangs bestaunt, der vom Moselufer bis zur Rißbacher Straße führte.

Eine aufregende Exkursion, die auch Alteingesessene begeistert hat und eine Fortführung verdient.