Auftakt mit drei Stolpersteinen

Die Initiative, die sich um die Gedenkarbeit rund um das Schicksal der Juden in Thalfang bemüht, hat sich einen Namen gegeben: "Juden in Thalfang". Mit drei sogenannten Stolpersteinen wird begonnen.

Thalfang. (doth) Mit einer richtigen Tagesordnung trat Pfarrer Winfrid Krause diesmal vor die Versammlung der Thalfanger, die das Gedenken an das jüdische Leben in ihrer Heimatgemeinde mit einer Gedenktafel und sogenannten Stolpersteinen nachhaltig gestalten wollen.

Die Tafel mit Bild und Inschrift, die in der Friedhofstraße an den Standort der ehemaligen Synagoge erinnern wird, wurde intensiv diskutiert. 58 auf 38 Zentimeter groß soll sie werden und aus Bronze sein. Martin Koch, vor dessen Haus sie aufgestellt wird, rechnet mit Kosten von bis zu 2500 Euro: "Wir werden aber noch weitere Angebote einholen."

Von der ursprünglichen Zahl von 18 sogenannten Stolpersteinen, die in der Größe von Pflastersteinen mit Namen an die Juden in Thalfang erinnern sollen, rückte die Versammlung ab. Kostengründe und die Befragung der Hausbesitzer gaben dafür den Ausschlag. Nur zwei stimmten bislang zu, einer war unter der Bedingung einverstanden, dass die Nachfahren zustimmen, drei lehnten ab und einer wurde noch nicht gefragt. Egon Zimmer, der mit Hausbesitzern gesprochen hatte, warnte: "Wir dürfen die Leute nicht überrumpeln." Martin Koch weiß aus eigener Erfahrung: "Da gibt es Diskussionen in den Familien." Hilde Weirich, Pfarrer Krause und Frank Hürtgen sprachen sich dafür aus, mehr Aufklärungsarbeit zu leisten und die Anlieger zu Gesprächen einzuladen. "Die Stolpersteine sollten schon mit dem früheren Lebensraum der Opfer in Verbindung stehen und nicht einfach irgendwo im Gehweg eingelassen werden", findet auch Michael Klee.

Mittlerweile hat Heimatforscher Elmar Ittenbach Unterlagen von rund 30 Juden gefunden, die zumindest zeitweise in Thalfang lebten. Stolpersteine für so viele käme teuer, denn jeder kostet 100 Euro. So soll erst einmal mit drei der kleinen Gedenksteine dort begonnen werden, wo Hausbesitzer einverstanden sind.

Der Vorschlag von Egon Zimmer, auf dem Marktplatz mit einer weiteren Tafel an die Bücherverbrennung und an nichtjüdische Opfer des Naziterrors zu erinnern, wurde mit der Begründung zurückgestellt, dass es mit dem Judenfriedhof, den Stolpersteinen und der Gedenktafel schon drei Erinnerungspunkte gibt. Außerdem soll bei der Ortsgemeinde beantragt werden, das Straßenschild "Friedhofstraße" um den Hinweis "Früheres Judenviertel" zu erweitern.

Die Initiative hat sich den Namen "Arbeitskreis Juden in Thalfang" gegeben. Die nächste Sitzung findet am 20. April um 19.30 Uhr wieder im evangelischen Gemeindehaus statt.

Meinung

Klein anfangen ist sinnvoll

Ganze 18 Stolpersteine waren ursprünglich geplant, 30 könnten es möglicherweise werden, mit dreien soll jetzt begonnen werden. Das ist eine sinnvolle Vorgehensweise. Die finanziellen Gründe sind dabei nicht allein ausschlaggebend. Denn ein solcher Stolperstein soll Einheimische und Gäste an das Schicksal verfolgter und ermordeter Juden erinnern. Wenn sich Hauseigentümer an ihnen stoßen, wäre das kontraproduktiv. Sind die ersten Stolpersteine erst mal verlegt, werden die Bedenken manches Besitzers sicherlich ausgeräumt werden können. i.rosenschild@volksfreund.de