Aufzüge im Bahnhof stehen still
Die unendliche Geschichte um die Sanierung des Idar-Obersteiner Bahnhofs wird mittlerweile seit zehn Jahren geschrieben - und erhält nun ein weiteres unrühmliches Kapitel.
Idar-Oberstein. Seit mittlerweile acht Monaten stehen die neu eingebauten Aufzüge still, weil die Bahn versäumt hat, die erforderliche Stromversorgung sicherzustellen. Erst beim Einbau war festgestellt worden, dass die alten Stromleitungen den Belastungen nicht gewachsen sind. Die Stadt kennt nicht einmal den Termin, wann die Bahn den Fehler endlich beheben will. Zehn Jahre hat es gedauert, bis die einmal vereinbarte Sanierung und behindertengerechte Umgestaltung des Idar-Obersteiner Bahnhofs beginnen konnte. Seit mittlerweile acht Monaten laufen die beiden Aufzüge, die einen barrierefreien Zugang zu den Bahngleisen ermöglichen sollen, nicht.
Am 6. Dezember 2007, erinnert Bauamtsleiterin Christine von der Burg, sollten die Aufzüge vom Tüv abgenommen werden. "Bei der Prüfung ist die Stromversorgung zusammengebrochen." Seitdem stehen die Lifte still. Und seitdem warten Stadt, Handwerker und Unternehmen darauf, dass sich im Bahnhof etwas tut. Eigentlich muss nur noch eine stärkere Stromversorgung installiert werden. Erst wenn die Bahn die Arbeiten erledigt hat, kann die Stadt mit ihrem Teil der Bahnhofsanierung beginnen.
Der peinliche Stillstand der Aufzüge ist nicht nur für Bahnreisende ärgerlich. Acht Monate warten beispielsweise die Ingenieure der Aufzugsherstellerfirma darauf, endlich die Tüv-Abnahme beantragen zu können. Seit Januar wartet die Malerfirma, die im Auftrag der Stadt den seit langem ausgeschriebenen und vergebenen Innenanstrich des Bahnhofsgebäudes übernehmen soll, dass sie endlich mit den Arbeiten anfangen kann. Ebenso die Elektrofirma, die neue Lampen installieren soll.
Briefe bleiben unbeantwortet
Seit acht Monaten versucht das städtische Bauamt immer wieder bei der Bahn zu erreichen, dass sich etwas tut. Vor drei Wochen schrieb Oberbürgermeister Bruno Zimmer einen Brief an die zuständige "DB Station & Service AG" in Frankfurt, die für das Projekt zuständig ist. Bisher erfolgte auch darauf keinerlei Reaktion, sagt von der Burg.
Gunter Enke vom Zweckverband Schienenpersonennahverkehr wurde von den Vorgängen in Kenntnis gesetzt und ist genauso ratlos wie die städtische Verwaltung: "So etwas habe ich auch bei der Bahn noch nicht erlebt." Wenn der Oberbürgermeister einer Stadt einen Brief an die Bahn richte, sollte man wenigstens den Eingang bestätigen, meint er. "Schließlich ist Idar-Oberstein eine Stadt mit 30 000 Einwohnern, die auch stark von Touristen besucht wird", sagt Enke. Das Letzte, was Bauamtsleiterin Christine von der Burg seitens der Bahn vernommen hat, ist eine Zusage vom Februar nach Gesprächen mit zwei Vertretern von "DB Station & Service", dass die Ausschreibung der Elektroarbeiten fertig sei und nach Ostern mit dem Legen der Leitungen begonnen werden könne.
Seitdem herrscht Funkstille auf allen Kanälen. "Weder Mails noch Telefonate oder Briefe werden beantwortet", sagt eine zunehmend ratloser werdende Bauamtsleiterin. "Ich schwanke zwischen Resignation und Verzweiflung. Schließlich wollen wir das Projekt endlich einmal abschließen. Das ständige Nachfragen kostet immense Arbeitszeit." Und es widerspricht auch der Selbstdarstellung der Bahn, die sich im Konzernprofil als "modernen Dienstleistungskonzern, der ganzheitliche Mobilitäts- und Logistiklösungen anbietet": So erläutert sie ihre Sichtweise.
Auf jene Ausschreibung war nach Angaben der Bahn kein Angebot eingegangen. Daraufhin hatte das Bauamt der Bahn sogar Namen von einheimischen Firmen mitgeteilt, unter denen eine beschränkte Ausschreibung erfolgen sollte. "Diese Firmen haben bis heute keine Anfrage", sagt von der Burg. Und am Bahnhof tut sich immer noch nichts. Ebenso verwaist wie die Aufzüge ist auch der seit Ende 2004 leerstehende Kiosk, im Bahnjargon "Service Store" genannt. Für diesen findet die Bahn seit Jahren keinen Betreiber.