Aus aller Herren Länder in die Heimat

Aus aller Herren Länder in die Heimat

Die weite Welt hat Michael Frank auf Fotografien gebannt, den musikalischen Kosmos Thomas Bracht in seiner Band erforscht. Beide sind nun in Gornhausen mit einer Ausstellung und einem Konzert in Sachen Kunst "unterwegs".

Gornhausen. Das ist ja interessant! Wenn Michael Frank genau das auf seinen beruflichen Reisen um die Welt denkt, weil er etwas sieht, handelt er - und macht ein Foto.
Wenn Thomas Bracht etwas Interessantes bei seiner Arbeit mit Klängen findet, handelt er - und macht Musik daraus.
Beide Männer sind so auf ihre Weise schon Jahrzehnte unterwegs, kennen sich seit jungen Jahren, haben sich aus den Augen verloren. Nun haben sich die früheren Freunde wiedergefunden. "Wenn bei unserem Treffen der Wirt uns nicht rausgeschmissen hätte, wir würden vielleicht heute noch da sitzen", erinnert sich Michael Frank. Er lacht.
Er freut sich auf das Wochenende ab Freitag, 8. September. Denn dann zeigt er erstmals einen Ausschnitt seiner Fotos, die er in aller Welt gemacht hat. Nervös ist er auch. Es ist für ihn eine Premiere.
Der 47-Jährige ist von Haus aus Ingenieur, arbeitet in aller Herren Länder für die Firma Benninghoven. Seine fotografischen Arbeiten auszustellen ist für ihn ein besonderes Projekt: "Andere Leute fahren in Urlaub, ich mache jetzt das." Und zwar in der Leinenfeldmühle seines "Ruheorts" Gornhausen. Michael Frank ist überzeugt: "Es ist möglich, an jedem Ort der Welt eine kulturelle Veranstaltung zu machen. Aber wenn keiner was tut, ist auch nix los." Er lobt sein "freundliches, offenes Dorf", wo sich etwa der Heimatverein um die Mühle kümmere, jeder "alles mitträgt", eben auch sein Projekt.
35 Fotos aus den Jahren ab 2000 bis jetzt hat er ausgewählt. Schwer war's. Was ist es wert, auf Leinwand gedruckt der Öffentlichkeit gezeigt zu werden? Zu entscheiden, was wohl besonders geeignet ist, was weniger, ist auch ein im wahrsten Wortsinne entscheidender Prozess. Erst von rund Tausend Bildern auf Hundert reduzieren, dann mit der Frau beraten, runter auf 60 Stück und dann die letzten 25 aussortieren.
"Das ist mir wahnsinnig schwergefallen", sagt er. Und wie er dann gezweifelt habe: "Ich wollte schon alles verbrennen und habe gedacht, alles, was ich ausgewählt habe, ist falsch." Doch die 35 Stück bleiben. 30 wird er im Format 60 mal 40 Zentimeter zeigen, fünf in 80 Zentimeter mal ein Meter.
Bald kann der Betrachter mit diesen Fotos punktuell auf Weltreise gehen, zu den Orten und Momenten, für die Frank sich damals schnell entschieden hat. Vieles hat er mit nur "einem Schuss" im Vorbeifahren fotografiert.
In einem Flyer zum Projekt steht zu seiner Arbeitsweise: "Oft hat er Aufnahmen aus fahrenden Taxen, Bussen und Flugzeugen gemacht. Dabei sind viele "Straßenszenen" entstanden. Zu den Fotos der Ausstellung gesellen sich ebenfalls Videos, die sich dieser Szenerie anschließen. Auf der Vernissage werden in einem Multimedia-Raum solche Aufnahmen auf einer Filmleinwand dargestellt."
Doch in der Hauptsache geht es um seine Bilder. Und er sieht dabei eins als Ehrensache, um den "dokumentarischen Charakter" zu erhalten: Seine digital aufgenommenen Arbeiten beschneidet und bearbeitet er nicht, auch wenn die Möglichkeiten der Technik noch so verlockend sind. So bleibt er auch bei den Titeln nah an dem, was er gesehen hat: Ortsangabe und dann dazu wenige Worte: "Letzte Ruhe für Hunsrücker, Friedhof Nova Petropolis, Brasilien" oder "Der Blick, Lissabon", "Müllabfuhr, Porto Alegre". Alles erzählt von dem, was Menschen auf der Erde ausmacht, wo und wie sie leben, was sie erschaffen. Fremd und vertraut zugleich vielleicht. Wer hinsehen will, dem öffnen Michael Franks Bilder dann ein Fenster.
"Man sagt, ich hätte ein Auge fürs Motiv", sagt er selbst und freut sich darauf zu erleben, wie andere seine Arbeiten sehen.
Seinem alten Freund scheint's zu gefallen. Thomas Bracht unterstützt das kulturelle Ereignis im Dorf mit einem Auftritt mit seiner Band (siehe Info).
Ein Projekt, für das der Musiker das Motto "unterwegs" schon vor dem Wiedersehen gefunden hatte (der TV berichtete). Das passt zufällig gut. Deshalb sind die beiden nun für ein Wochenende kulturell zusammen unterwegs und hoffen auf viele Mitreisende.
Extra: VERNISSAGE UND JAZZKONZERT

Auch das ist eine Foto wert, so klein ist die Welt sozusagen: Auf dem Friedhof Nova Petropolis in Brasilien ruhen Hunsrücker. Foto: (m_kreis )


Die Ausstellung ist vom 8. September bis zum 10. September in der historischen Leinenfeldmühle, das Konzert aus Platzgründen samstags im renovierten Bürgerhaus der Gemeinde Gornhausen. Die Vernissage ist am Freitag, 19 Uhr. An den beiden folgenden Tagen ist die Leinenmühle von 11 bis 22 Uhr geöffnet. Der Eintritt zur Ausstellung ist frei. Das begleitende Jazzkonzert mit der Thomas Bracht Band im Bürgerhaus (mit Sven Decker: Saxophon und Klarinette, Tobias Fritzen: Bass, Konrad Matheus: Schlagzeug und Fred Noll: Percussion und Euphonium) ist am Samstag, 9. September, Einlass um 19 Uhr. Thomas Bracht (Keyboard) wird die aktuelle CD mit dem Titel "unterwegs" und Neukompositionen vorstellen. Tickets sind an Abendkasse für zwölf Euro erhältlich.

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