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Aus dem Archäologiepark Belginum wird ein Kulturzentrum

Warum im Archäologiepark Belginum jetzt eine Marketing-Fachfrau sitzt : Im Kulturzentrum laufen die Fäden zusammen

Aus dem Museum wird ein Kulturzentrum. Von dort aus werden künftig Konzepte entwickelt, Kontakte geknüpft und Veranstaltungen geplant. Doch auch die Archäologie soll in Belginum weiter im Fokus stehen. Was ist dort geplant?

Seit wenigen Wochen ist man im Archäologiepark Belginum auf neuer Grundlage unterwegs. Das sagt Andreas Hackethal, Bürgermeister der Gemeinde Morbach, die auch Träger der Einrichtung ist. Man wolle in der Einheitsgemeinde effektiver Kultur betreiben und dem tatsächlichen Bedarf nachkommen. Der äußere Anlass: Die langjährige Leiterin Dr. Rosemarie Cordie ging zum 30. November in den Ruhestand. Einen Monat zuvor hat die kommissarische Leiterin der Tourist-Information, Kerstin Thommes, ihre neue Stelle als Leiterin des künftigen Kulturzentrums Archäologiepark Belginum angetreten. Aber was ändert sich tatsächlich?

Was bedeutet der Begriff Kulturzentrum konkret? Wofür soll das neue Kulturzentrum zuständig sein, was hat die neue Leiterin für Aufgaben? Und wer hat sich bisher um Kultur gekümmert? In der Vergangenheit sind die Mitarbeiter der Tourist-Info mit dem Thema Kultur zusätzlich betraut gewesen. Doch dafür ist ab sofort das neue Kulturzentrum verantwortlich. Eine der wichtigsten Aufgaben von Thommes wird die Stärkung der Kulturarbeit und die Förderung von Kulturschaffenden sein. Gedacht ist auch an die Umsetzung eigener Veranstaltungen. Man werde aber vor allem auch auf Kooperationen setzen, sagt Thommes. Das Konzept sei intensiv mit den Partnern, vor allem der Universität Trier und dem Rheinischen Landesmuseum Trier, besprochen worden.

Was waren die Gründe für diese Entscheidung? Die Gründe sind vielschichtig. Ein entscheidender Punkt sei, dass dank des Hochmoselübergangs an der Einheitsgemeinde und auch an dem Archäologiepark heute beziehungsweise künftig mehr Menschen vorbeifahren, sind sich Thommes und Morbachs Bürgermeister Andreas Hackethal einig – ein großes Potenzial für die Archäologie im Speziellen und die Kultur im Allgemeinen.

Der Strukturwandel im Tourismus ist ein weiterer Grund. Nicht nur wegen Corona werden künftig mehr Inlands- und Tagestouristen unterwegs sein. Weiterhin gebe es den Wunsch nach einer Stärkung der Vereine, des Ehrenamtes und der Kulturarbeit. Das Hauptziel sei die „zukunftsfähige Ausrichtung der Kulturlandschaft zur Stärkung der Lebensqualität und touristischen Infrastruktur“, sagt Hackethal weiter.

Ein Kulturzentrum ist neu in der Einheitsgemeinde Morbach. Was sind die Aufgaben? Die Einrichtung soll das kulturelle Leben in der Gemeinde Morbach stärken, neue Konzepte zur Kultur- und Bildungslandschaft entwickeln, die kommunalen Einrichtungen der Gemeinde unterstützen, kulturhistorische Stätten erhalten, Sonderprojekte realisieren und ein breites Kulturmarketing betreiben.

Es sollen auch kulturelle Großveranstaltungen geplant und umgesetzt werden.

Mit welchen Veranstaltungen können die Kulturfreunde denn im kommenden Jahr rechnen? Nun, derzeit ist lediglich eine fest geplant, die Weibsbilder mit dem Programm „Durchgangsverkehr“. Und das ist keine neue Veranstaltung. Sie ist eigentlich für 2020 geplant gewesen und wegen Corona verschoben worden. Wegen der Pandemie hält Thommes eine Planung von neuen Veranstaltungen zunächst für wenig sinnvoll. Das würde sie für die zweite Jahreshälfte versuchen. Die Zwischenzeit will sie dafür nutzen, unter anderem an der Marke Kulturzentrum zu arbeiten und Kontakte zu knüpfen. Thommes plant auch, einen Stammtisch für Kulturtreibende einzurichten. 

Aber wird denn nicht der Bereich Archäologie geschwächt, wenn aus dem Archäologiepark ein Kulturzentrum wird und die Leitung künftig eine Marketing-Fachfrau innehat? Das kann Hackethal so nicht bestätigen. Auch die frühere Leiterin des Archäologieparks, Rosemarie Cordie, habe in Belginum schon geraume Zeit nur noch eine halbe Stelle gehabt. Und, wie schon erwähnt, ist beim Kulturzentrum auch künftig eine halbe Archäologen-Stelle angesiedelt. Die wissenschaftliche Arbeit über Belginum übernehme die Universität Trier (der Trierische Volksfreund berichtete). Archäologie werde der Dreh- und Angelpunkt im Kulturzentrum bleiben, versichern Hackethal und Thommes gleichermaßen. Das Ziel von Thommes: „Ich will Menschen für den Archäologiepark interessieren, die bislang nicht wussten, dass sie sich für Archäologie interessieren.“ Wichtig sei in dem Zusammenhang auch die Stärkung von museumspädagogischen Angeboten.

Und wann wird die Archäologenstelle in Belginum besetzt? Hacke­thal geht davon aus, dass er sich bis zum Jahresende mit der Universität und dem Rheinischen Landesmuseum über das weitere Prozedere, was die Stellenbesetzung des Archäologen angeht, verständigt hat.

Gibt es weitere Pläne? Der Standort Belginum solle laut Hackethal durch eine Ergänzung des Angebotes, durch ganzheitliche Vermarktung und Vernetzung mit den kulturellen und touristischen Akteuren gestärkt werden. Thommes kann sich im Museum auch Ausstellungen und kleine Lesungen vorstellen, aber Kulturveranstaltungen seien weiterhin auch zum Beispiel in der Baldenauhalle oder an der Burgruine Baldenau möglich. Mit dem entsprechenden Kulturmarketing wolle Morbach auch interessanter werden, für Gäste wie für Veranstalter.

Apropos Personal, welche Stellen sind im Kulturzentrum denn vorgesehen? Neben der Vollzeitstelle von Kerstin Thommes sind die 50-Prozent-Stelle eines Archäologen sowie die Stellen zweier Counter-Kräfte (jeweils 18 Stunden) vorgesehen. Hinzu kommt, wie schon erwähnt, die wissenschaftliche Leitung von Belginum an der Universität Trier, die an der Hochschule verortet werde. In der Tourist-Information bleibt der Stellenplan unverändert. Unterm Strich werden im Archäologiepark 0,6 Stellen mehr benötigt.

Hand aufs Herz, hat man mit der Lösung nicht auch ein Personalproblem lösen wollen? Schließlich hatte man nach der Elternzeit der bisherigen Leiterin der Tourist-Information Franziska Fleckser und ihrer kommissarischen Vertretung eine Frau zuviel an Bord. Die Frage beantwortet Hackethal mit einem entschiedenen Nein. Die Stelle der Leitung des Morbacher Kulturzentrums sei ausgeschrieben gewesen. Gemeinsam mit der Universität Trier habe man sich für die beste Kandidatin, nämlich Kerstin Thommes, entschieden.