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Aus dem Ruhestand an die Hotline: 70-jähriger Experte unterstützt Gesundheitsamt

Menschen : Aus dem Ruhestand an die Hotline: 70-jähriger Experte unterstützt Wittlicher Gesundheitsamt

Der 70-jährige Experte für Notfallmedizin Prof. Hans Adams unterstützt das Wittlicher Gesundheitsamt.

Wer die Corona-Hotline in der Kreisverwaltung Bernkastel-Wittlich anruft, hat gute Chancen, Professor Hans Adams aus Trier-Ehrang ans Telefon zu bekommen. Er beantwortet Bürgern alle Fragen rund um das Virus. Es sind Fragen wie diese: Wann darf ich nach der Quarantäne wieder arbeiten gehen? Unser Pflegedienst hat nicht genügend Schutzmasken, was tun? Darf ich meine 80-jährige Mutter besuchen? Die Zahl der Anfragen mit rund fünf bis acht Telefonaten am Tag ist inzwischen relativ gering. Vor einigen Wochen hat das Telefon deutlich häufiger geklingelt.

Adams muss flexibel sein: Mal ist seine Erfahrung als Mediziner gefragt, mal sein Wissen zu Rechtsfragen, mal fungiert er als Telefonseelsorger. Eine Frau habe am Telefon sehr verzweifelt geklungen, sie fühle sich zuhause gefangen. In einem längeren Gespräch habe er sie beruhigen können. „Es hat etwas gedauert, aber es ging“, sagt er rückblickend. Andere macht er auf die Einhaltung der Regeln aufmerksam. Hat er denn den Eindruck, dass man auf ihn hört? „Die meisten Menschen sind vernünftig und einsichtig. Gott sei Dank.“

Adams ist gerade 70 Jahre alt geworden und ist seit fünf Jahren im Ruhestand. „Wir konnten am 10. März den runden Geburtstag gerade noch feiern“, blickt er zurück. Ein paar Tage später, und die Geburtstagsfeier hätte abgesagt werden müssen. Erst der 70. Geburtstag, dann der Sondereinsatz im Gesundheitsamt der Kreisverwaltung – was sagt denn die Ehefrau zum Engagement des Vater dreier Töchter und siebenfachen Großvaters. „Sie kennt das schon“, erklärt Adams.

Denn der Hochschulprofessor im Ruhestand übernimmt nicht zum ersten Mal Sonderaufgaben wie diese. Vom Senior Expert Service, einer Entsendeorganisation für ehrenamtliche Fach- und Führungskräfte im Ruhestand, sei er in mehreren Einsätzen als Berater für Notfall- und Intensivmedizin im Einsatz gewesen. Zweimal hätten ihn diese Aufgaben nach China, einmal in die Mongolei und einmal nach Turkmenistan geführt. Diesmal ist der gebürtige Ehranger heimatnah eingesetzt. „Wenn man helfen kann, sollte man helfen“, sagt er zu seiner Motivation. Und warum ist er in der Corona-Krise ausgerechnet in Wittlich? Es hatte einen Aufruf der Ärztekammer an Senioren und Medizinstudenten gegeben, freiwillig in Gesundheitsorganiationen mitzuarbeiten Adams selbst ist ganz konkret von Amtsarzt Dr. Hans-Christoph Schlichting angesprochen worden, den er persönlich kennt.

Im Kreis Bernkastel-Wittlich hilft Adams nicht zum ersten Mal. Auch 2015 zu Zeiten der Aufnahmeeinrichtung für Asylbegehrende (AfA) in Wittlich habe er das Gesundheitsamt unterstützt. Adams ist im Übrigen vom Fach. In Hannover war er zuletzt Leiter der Stabsstelle für Interdisziplinäre Notfall- und Katastrophenmedizin (siehe Info) .

Der gebürtige Ehranger ist nicht nur ein kompetenter Gesprächspartner für Menschen an der Telefon-Hotline, sondern er ist beim Kreis auch mit eingebunden in Fragen der Notfallvorsorge und Gefahrenabwehr. Sein Eindruck: In der Kreisverwaltung sei man gut aufgestellt. „Die Bekämpfung von Covid-19 ist gut durchdacht.“ Und die Verantwortlichen seien „gut vorbereitet“.

Immerhin habe man in Deutschland ein „ausgeklügeltes System“ zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Was die Zahl der erkrankten Menschen angehe, „liegen wir recht gut“. Aber das sei noch kein Grund dafür, „Entwarnung zu geben“. Adams appelliert an die Menschen im Kreis: „Beweisen Sie Durchhaltevermögen. Halten Sie sich an die Prophylaxe-Regeln, seien Sie nicht leichtfertig und hüten Sie sich vor Panik.“ Und nicht zuletzt rät er, als „guter Christ auch Gottvertrauen zu haben“.

Die Hotline des Gesundheitsamtes im Kreis Bernkastel-Wittlich: Telefon 06571/14-1033.