Aus der Vergangenheit lernen

"Die Schule soll fürs Leben lehren!" Das nimmt die Realschule plus Neumagen Dhron wörtlich und beginnt mit dem Projekt "Juden in Neumagen-Dhron". Entstanden ist die Idee durch einen interreligiösen Dialog, den Akin Hüseyin, Lehrer an der Schule und Muslim, angestoßen hat. Elf Lehrer, die Gemeinde, der Arbeitskreis "Jüdisches Leben" und der Gewerbeverein sind dabei.

Neumagen-Dhron. In ein und der derselben Straße finden sich in Neumagen-Dhron der jüdische Friedhof und die Realschule plus. Damit die Schüler mehr über das Leben der Juden, die während des Nationalsozialismus im Konzentrationslager Theresienstadt ermordet wurden oder emigrieren konnten, erfahren, gibt es konkrete Planungen für ein Projekt zu dem historischen Thema. Die Schule will dabei mit anderen Gruppierungen aus dem Ort zusammen arbeiten. Christiane Brinker, Lehrerin an der Schule, sagt: "Wir wollten einen Raum im Rathaus gestalten und haben uns dann gemeinsam mit dem Ortsbürgermeister überlegt, dass wir auch die Schaufester der leer stehenden Geschäfte nutzen könnten." Weiter sagt sie: "So kann man sich später sehr einfach über das Thema informieren."
Der Gewerbeverein hat gleich seine Unterstützung zugesagt, aber leere Schaufenster gibt es im Dorf kaum. Jetzt sind sechs Geschäftsleute bereit einen Teil ihrer Schaufensterfläche zur Verfügung zu stellen. Lix Fleischer vom Gewerbeverein berichtet: "Quer durch den Ort waren Kollegen einverstanden, Ausstellungsfläche zu geben, denn sie finden es gut, dass die Schule nach außen geht und wollen das Projekt unterstützen."
Mit dabei ist auch der Arbeitskreis "Juden in Neumagen-Dhron", den es seit sieben Jahren gibt. Sie haben beispielsweise Unterlagen über die Synagoge, die es im Ort gab, und forschen mit fachlicher Unterstützung von Dr. Marianne Bühler aus Wittlich über die Inschriften der Grabsteine und den Inhalt einer Gedenktafel. Die Schüler wollen die Synagoge als Modell nachbauen und ausstellen. Willi Herres, Mitglied im Arbeitskreis, erklärt überzeugt: "Natürlich machen wir bei dem Projekt mit. Gerade in der aktuellen politischen Situation mit ihrer Flüchtlings- sowie Religionsdebatten."
Der Arbeitskreis ist aktuell dabei, eine Hinweis- und Gedenktafel zu gestalten. Diese soll dann bei einer Abschlussveranstaltung im Frühjahr feierlich mit dem Projekt gezeigt werden.
In der Schule zeigen sich auch die Lehrer sehr engagiert für die Sache. Elf von ihnen greifen das Thema im Unterricht oder als Projekt bei den Projekttagen im Januar auf. Christiane Brinker berichtet: "Als Ideen stehen beispielsweise das Basteln einer Thorarolle an. Im Englischunterricht sollen die Nachfahren, die zum Teil in den USA leben, angeschrieben werden. Im Kunstunterricht wird das Symbol des Davidsterns Thema sein. Daneben soll eine Homepage entstehen, "die auch nach dem Projekt weiter gepflegt werden soll".
Die Schüler sind an dem Projekt sehr interessiert. Bereits am Interreligiösen Dialog, den Akin Hüseyin, Lehrer und Muslim ins Leben gerufen hat, waren sie in der Synagoge in Zell und in der Moschee in Bullay. "Das hat auch den Stein des Anstoßes für das Projekt Juden in Neumagen Dhron gegeben", sagt Lehrerin Christiane Brinker. "Die Religions- und Ethiklehrer der Schule haben sich darüber Gedanken gemacht, wie man mit der Islamfeindlichkeit der Gesellschaft umgehen sollte."
Die Projektkosten will die Gemeinde zu einem Teil decken und es werden Sponsoren gesucht sowie Stiftungen angeschrieben.
Extra

Der Jüdische Friedhof in Neumagen-Dhron ist 1578 erstmals erwähnt. Juden gab es seit 1474 im Dorf. Der Friedhof ist 3700 Quadratmeter groß. Es stehen 126 Grabsteine dort. Auf dem Friedhof wurden auch Menschen jüdischen Glaubens aus Hetzerath, Leiwen, Niederemmel beigesetzt, bis diese eigene Friedhöfe hatten. Die letzte Beisetzung war 1940. Juden aus Neumagen-Dhron sind zum Teil in die USA oder die Niederlande emigriert oder im Konzentrationslager Theresienstadt umgekommen. Quelle: Ortschronik chbExtra

Wenn Menschen sterben, werden sie auf einem Friedhof beerdigt. Vielleicht warst du ja schon mal auf einem Friedhof und hast geholfen Blumen zu pflanzen oder ein Kerze anzünden. Bei jüdischen Friedhöfen ist das anders, dort werden die Gräber nicht mit Blumen bepflanzt. Sie werden auch selten besucht, damit man die Ruhe der Toten nicht stört. Als Zeichen, dass ein Besucher da war, legt er einen Stein auf den Grabstein. Verbrennungen sind in der jüdischen Religion verboten. Auf dem Grabstein ist der Name, der Geburtstag, der Todestag zu lesen. Häufig auch in der hebräischen Schrift die Abkürzung für "Möge deine Seele eingebunden sein im Bündel des ewigen Lebens." Während bei den Christen die Gräber nach 25 oder 30 Jahren eingeebnet werden, bleiben sie bei den Juden bestehen. chb