Aus für das Wittlicher Jugendparlament

Kommunalpolitik : Aus für das Wittlicher Jugendparlament

Weil es nicht genug Kandidaten gibt, wird das Parlament für Jugendliche nicht wiedergewählt. Sind die jungen Menschen in der Stadt nicht genug an Politik interessiert? Das sagen die Stadt und die Jugendlichen selbst zu den Gründen.

Rund zehn Jahre hatte Wittlich ein Jugendparlament (Jupa), jetzt wird es nicht wiedergewählt. Der Grund: Es gibt nicht genügend Kandidaten. Sechs haben sich aufstellen lassen, 16 wären aber notwendig gewesen. Ab dem Alter von 13 Jahren können Jugendliche für das Jugendparlament kandidieren, 23 ist die Obergrenze. Sind die jungen Menschen in Wittlich und der Umgebung also politikverdrossen?

Die Stadt Wittlich beantwortet das mit einem Nein. Rainer Stöckicht, Pressesprecher der Stadt, sagt außerdem: „Die Jugendkoordinatorin der Stadt Wittlich nimmt wahr, dass die Anforderungen im Schulbereich zunehmen, sowohl zeitlich als auch fachlich. Darüber hinaus seien viele Jugendliche in Vereinen engagiert oder stünden in der Übergangsphase zwischen Schule und Beruf.“ Die Bewältigung dieser Aufgaben habe also für viele Jugendliche Priorität.

Auch die Vorsitzende des noch bestehenden Jugendparlaments, Anna Molitor, sieht die Gründe in der bewegten Lebensphase der Jugendlichen. „Es ist einfach eine spannende Phase. Viele sind im Abi-Stress, dann müssen sie noch ein Studienfach oder eine Ausbildung finden, den Anforderungen in Schule oder Job gerecht werden, und dann hat man ja vielleicht auch noch ein Hobby. Da bleibt nicht mehr viel Zeit übrig“, sagt die 24-Jährige. Sie kann sich aufgrund der Altersgrenze im nächsten Jahr nicht mehr aufstellen lassen, allerdings dürfen Mitglieder über die Wahlperiode im Parlament bleiben, wenn sie zum Zeitpunkt der Wahl noch nicht älter als 23 Jahre waren. Auch der 26-jährige Malte Warnholtz, Mitglied im Jugendparlament, nennt den Zeitfaktor im Alltag als mögliches Hindernis für die Mitarbeit im Jupa.

Dennoch sind sich Stadt und Jupa-Mitglieder einig: Das Jugendparlament ist wichtig für Wittlich. Stöckicht sagt: „Das Jugendparlament ist eine Bereicherung der städtischen Jugendarbeit und liefert wichtige Impulse. Es ist ein Bindeglied zwischen der Jugend- und Erwachsenenwelt. Deshalb ist es selbstverständlich bedauerlich, dass eine Wahl zum Jugendparlament diesmal nicht zustande kam.“ Und: Die Stadt sei zuversichtlich, dass sich mittelfristig vielleicht doch wieder ein Jugendparlament konstituieren könnte.

Anna Molitor ergänzt: „Es ist schon sehr schade, dass das, was wir über Jahre aufgebaut haben, jetzt erst mal so nicht weitergeführt wird.

Sowohl die Aktionen, als auch die Erfahrungswerte, die man sich ja immer erst über die Zeit erarbeiten muss.“ Justus Weinand, ebenfalls Jupa-Mitglied, zählt einige Aktionen auf: „Wir haben zum Beispiel die Feier Wild auf Sommer organisiert, oder auch das Rosa Sofa, auf dem wir über die Kommunalwahl 2019 gesprochen haben. Und bei Events wie der Beach Party oder der Weihnachtsbaumaktion der Caritas haben wir mitgeholfen.“ Anna Molitor: „Wir sind aber sehr zuversichtlich, dass es noch mal ein Jugendparlament in Wittlich geben wird.“ Weinand erklärt, dass er unter anderem gerne das „Wild auf Sommer“, eine Kombiveranstaltung aus Party und Flohmarkt in Wittlich, ein drittes Mal fortgeführt hätte, um dessen Weiterentwicklung zu sehen.

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