AUS DEM ARCHIV, November 2010: Aus für die Gemeindeschwester

AUS DEM ARCHIV, November 2010 : Aus für die Gemeindeschwester

Fünf Jahre haben sich die sich Heidenburger Bürger für ein zukunftsträchtigesVorhaben engagiert. Sie haben ein Konzept entwickelt, in dessen Mittelpunkt die Wiederbelebung der Idee der Gemeindeschwester steht. Das Projekt, das älteren und pflegebedürftigen Menschen den Heimaufenthalt ersparen soll, wird nicht umgesetzt, weil die Finanzierung nicht geklärt ist.

Heidenburg. "Jetzt fehlt nur noch das Geld." So titelte der Trierische Volksfreund im März vergangenen Jahres im Zusammenhang mit einem Projekt in Heidenburg, das für viel Aufmerksamkeit sorgte. Die Idee: Alte, kranke und pflegebedürftige Menschen können so lange wie möglich im 750-Einwohner-Ort leben. Zwei medizinische Assistentinnen sollten in Zusammenarbeit mit einem Pflegedienst einen Hausarzt unterstützen. Sie können keinen Doktor ersetzen, aber bei einfachen Verletzungen helfen und Ehrenamtliche bei der häuslichen Gesundheitspflege unterstützen.

Die engagierten Bürger ließen sich im Rahmen der "Heidenburger Initiative" (siehe Extra) von einem Modell aus der Vergangenheit inspirieren: der guten, alten Gemeindeschwester. Die Idee entstand aus der Befürchtung heraus, dass die sich ärztliche Versorgung in kleineren Gemeinden in Zukunft erheblich verschlechtert.

Beim Trierer Taurus-Institut an der Universität Trier holten sie sich Unterstützung. Ein Gutachter attestierte den Heidenburgern, das Projekt "mit großer Kompetenz" vorangetrieben zu haben. Inzwischen liegt ein fertiges Konzept auf dem Tisch, in das auch die Nachbargemeinden Büdlich, Breit und Berglicht eingebunden werden sollten.

Doch das Geld fehlt noch immer. Das Heidenburger Vorhaben wurde ein Teil des Projekts "Gesundheitsvorsorgung Trier plus" an der Universität Trier, für das Bundeszuschüsse beantragt wurden. Vergebens. "Wir haben fest daran geglaubt, dass wir Geld erhalten, das eine Realisierung ermöglicht", sagt Dietmar Jäger, Ortsbürgermeister von Heidenburg. Auch die Bemühungen der Gemeinde, aus Mainz Unterstützung zu bekommen, scheiterten.

Das Konzept ist zunächst vom Tisch. "Vielleicht ist die Zeit noch nicht reif und die medizinische Versorgung noch zu gut", meint der enttäuschte Ortsbürgermeister rückblickend. Er ist nach wie vor davon überzeugt, dass das Konzept richtig ist. Jäger: "Wir lassen die Pläne in der Schublade. Vielleicht brauchen wir sie noch."

Frustriert ist nicht nur der Bürgermeister. Enttäuscht sind auch die anderen 13 Mitglieder des Arbeitskreises. "Wir haben gewusst, dass es ein schwieriges Thema ist, aber wir haben viel Energie hereingesteckt", sagt beispielsweise Hans Joachim Timm "gefrustet". "Jetzt müssen wir kleinere Bötchen backen", meint Jens Weiss. Auch dafür gibt es bereits Ideen, etwa eine Tauschbörse. Zunächst sollen die Heidenburger Bürger in einer Umfrage nach ihren Wünschen gefragt werden.

Meinung

Konzept kommt zu früh

Die Idee der Gemeindeschwester ist richtig, der Zeitpunkt ist falsch. Schließlich existieren ähnliche Modelle beispielsweise in den neuen Bundesländern, wo der Ärztemangel sich bereits viel gravierender bemerkbar macht. Kann die medizinische Versorgung durch Hausärzte nicht mehr sichergestellt werden, gibt es kaum noch eine Alternative zu Projekten wie dem, das in Heidenburg angedacht wurde. Im Hunsrück ist die Situation so schlecht nicht. Allerdings ist ein Trend erkennbar. Der ärztliche Bereitschaftsdienst für die Heidenburger sitzt inzwischen im mehr als 30 Kilometer entfernten Birkenfeld. In Bernkastel-Kues wurde zum 1. Oktober der chirurgische Bereitschaftsdienst am Krankenhaus eingestellt. Die Uhr tickt, auch im Bereich der niedergelassenen Ärzte. 48 Prozent der Mediziner in der Region Trier gehen in den nächsten 20 Jahren in den Ruhestand. Nachfolger zu finden, ist mehr als schwer. Es kann nur von Nutzen sein, wenn die Heidenburger ein Konzept in der Schublade haben, mit dem dem Ärztemangel begegnet werden kann. Dennoch ist der Frust bei den Akteuren und anderen Heidenburger Bürgern verständlicherweise groß. Es ist bemerkenswert, dass die Mitglieder des Arbeitskreises die Hände nicht in den Schoß legen, sondern mit kleineren Projekten weitermachen. Man darf gespannt sein. i.rosenschild@volksfreund.deExtra Heidenburger Initiative: 2005 fiel der offizielle Startschuss für die "Heidenburger Initiative" im 750-Einwohner-Dorf. 13 engagierte Bürger befassten sich in einem Arbeitskreis mit dem Thema demografische Entwicklung. Sie fragten sich, was man tun kann, damit Heidenburger auch in Zukunft im Alter im Dorf leben können. Eine Projektidee war die der Gemeindekrankenschwester. Auch ein Bürgermobil mit ehrenamtlichem Fahrdienst war angedacht. Es sollte ältere Menschen in ihrer Mobilität unterstützen. "Fahrer fanden wir genug", sagt Ortsbürgermeister Dietmar Jäger. Allerdings fehlen die Fahrgäste. Für die älteren Heidenburger ist in der Hinsicht offenbar gesorgt. Lediglich Pläne für eine Begegnungsstätte für Jung und Alt in der Pfarrscheune werden weiter verfolgt. (iro)

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