Aus Wind soll Gas werden

Mit Hilfe von Windenergie Gas herstellen - das ist das Prinzip einer Power-to-Gas-Anlage. Nach wie vor ist die Gemeinde Morbach an einer solchen Anlage interessiert. Doch muss zunächst noch geforscht werden. Laut der Firma Juwi entscheidet sich erst 2014, ob eine solche Anlage in den Hunsrück kommt.

Morbach. Immer mal wieder wird auch im Morbacher Gemeinderat gefragt: Wie sieht es aus mit der Power-to-Gas-Anlage? Kommt sie in die Energielandschaft? Wann ist es so weit? Klare Antworten gibt es dazu noch nicht. Aber das heißt nicht, dass das Thema ruht. Im Gegenteil, es wird jede Menge geforscht.
Power-to-Gas-Anlagen wandeln Energie aus Wind und Sonne in Erdgas um. Sie helfen dadurch, die regenerative Energie dauerhaft zu speichern und würden so ein wichtiges Problem der Energiewende lösen. Bürgermeister Andreas Hackethal spricht gar von der Gretchenfrage. Denn meist sind Zeiten mit intensivem Wind und starker Sonneneinstrahlung nicht die Zeiten, in denen am meisten Energie gebraucht wird.
Doch von den Power-to-Gas-Anlagen existieren laut Ricarda Schuller, Sprecherin der Firma Juwi Service & Solutions, bislang nur Versuchsanlagen oder Prototypen. Seit Anfang dieses Jahres forscht Juwi in einem Forschungsverbund aus Instituten und Unternehmen, wie RWE und Etogas weiter an der Speichermethode.
In einer Pressemitteilung heißt es: "Eine Versuchsanlage, die unter Realbedingungen betrieben wird, wird voraussichtlich in Morbach im Hunsrück aufgebaut." Doch was heißt das? "Wir können noch nicht sicher sagen, ob die Anlage in Morbach gebaut wird", sagt Sprecherin Schuller. Bisher sei Morbach für die Demonstrationsphase geplant. Doch müsse sich zuvor zeigen, ob sich die umgerüstete 25-Kilowatt-Anlage, die bereits einmal mehrere Monate lang im Hunsrück stand, zur Umsetzung der Forschungsergebnisse eigne. Bis zum Frühjahr 2014 werde diese Frage geklärt. Schuller räumt auf Nachfrage ein, dass es sich um eine Probeanlage handele, die aufgrund der geringen Größe nur einen geringen Effekt habe.
Das ist auch den Planern in der Gemeindeverwaltung Morbach klar. Mehr als eine Pilotanlage mache in Morbach auch keinen Sinn, weil in der Energielandschaft derzeit wenig Überschussstrom produziert werde, heißt es.
Bürgermeister Hackethal sagt zudem: "Es geht uns ja auch um Demonstrationszwecke. Wir wollen in der Energielandschaft Herausforderungen aufzeigen, Möglichkeiten darstellen und Bürger informieren. Wenn es nach mir ginge, wäre die Anlage schon da." Bereits bei der ersten Präsentation im Hunsrück habe sich gezeigt, dass es die Menschen fasziniere zu sehen, wie mit Morbacher Wind Erdgas hergestellt werde.
Morbach erfülle mit seiner Energielandschaft im Übrigen alle Rahmenbedingungen für eine Power-to-Gas-Anlage: Dort seien unterschiedliche Energiequellen, wie Windräder, Photovoltaikanlagen und eine Biogasanlage, konzentriert. Die Infrastruktur sei vorhanden und die Einstellung von Politik und Bevölkerung passe. Hackethal ergänzt: "Und wir haben einen entsprechenden Bekanntheitsgrad: In den vergangenen zehn Jahren waren 40 000 Gäste aus 95 Ländern in geführten Touren in der Energielandschaft unterwegs."Extra

In einer Power-to-Gas-Anlage wird mit Hilfe von überschüssigem Strom, der mit Windrädern oder Photovoltaikanlagen gewonnen wird, Erdgas hergestellt. Im ersten Schritt wird der Strom dazu verwendet, Wasser zu zerlegen und so Wasserstoff zu produzieren. Im zweiten Schritt wird der Wasserstoff zusammen mit Kohlendioxid in Methan, den Hauptbestandteil von Erdgas, umgewandelt. Bei der ersten Power-to-Gas-Versuchsanlage, die in der Morbacher Energielandschaft aufgestellt war, stammte das Kohlendioxid aus der dortigen Biogasanlage. Das Methan kann gespeichert und bei Bedarf in Strom umgewandelt werden. mai