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Ausbau B 50 „liegt in Gottes Hand“

Kommunales : Der Ausbau der B 50 „liegt in Gottes Hand“

Der Landesbetrieb Mobilität Trier erklärt im Gemeinderat Morbach, wie es nach dem Bau des Hochmoselübergangs auf der Hunsrückseite weitergehen soll. Und erntet dafür heftige Kritik.

Schon der Start war holprig, denn ausgerechnet vor   der Bildschirmpräsentation des Ausbaus der B 50 neu  startet auf dem zugehörigen Rechner ein Windows Update.  Publikum und Mitglieder des Morbacher Gemeinderates müssen deshalb ein wenig warten, ehe die Ingenieure des Landesbetriebs Mobilität (LBM) Trier die Planungen vorstellen können. Es kommt im Laufe des Tagesordnungspunktes 3 der Gemeinderatssitzung in Morbach am Montagabend jedoch noch dicker für den LBM. Aber zunächst der Reihe nach.

Wenn der Hochmoselübergang in diesem Jahr fertiggestellt wird und eine vierspurige Kraftfahrtstraße von der A 60 in der Eifel durch die Wittlicher Senke über die Mosel auf den Hunsrück trifft, wird es  im Abschnitt Longkamp bis Zolleiche vorerst eng werden.

Dieser Bereich ist nämlich noch nicht ausgebaut. Wie es weitergeht, erklären die Ingenieure Benedikt Bauch und Roland Janca im Gremium. Der aktuelle Stand sei derzeit der Genehmigungsentwurf, erklärt Benedikt Baum. Nach der Genehmigung im Bonner Verkehrsministerium komme dann das Planfeststellungsverfahren mit der Offenlage. Das dauere etwa 1,5 Jahre. In dieser Zeit könne wiederum gegen den Bau geklagt werden. Baum: „Daher steht noch nicht fest, wann der Beschluss unanfechtbar ist. Wie lange das dauert, kann ich nicht sagen.“ Der tatsächliche Baubeginn liege demnach in Gottes Händen.  Ein Raunen geht durchs Publikum.

Wie es aber schlussendlich nach der Genehmiung weitergeht, können die LBM-Mitarbeiter bereits erläutern. Es geht dabei um ein knapp fünf Kilometer langes Stück von Longkamp bis zum Bahnhof Zolleiche bei Kleinich. „Der Beginn wäre am Übergang auf die B 50 alt, die von Longkamp Richtung Belginum läuft. Die neue Strecke wird parallel zur alten B 50 vierspaltig gebaut,“ sagt Baum. Die neue Trasse mit Haltespur werde nach den aktuellen Umweltvorschriften gebaut. Dazu zählen zwei Wildbrücken, die jeweils etwa 50 Meter breit sind; Rückhaltebecken für Regenwasser werden eingerichtet und der Besucherparkplatz des Belginums wird mit Pendlerparkplätzen erweitert.  Bei Wederath wird eine neue Anschlussstelle eingerichtet, die über Kreisel und Auffahrspuren verfügt. Roland Janca vom LBM verweist zudem auf die umfangreichen Ausgleichsmaßnahmen für die Natur. Dazu zählen unter anderem 36 Hektar Waldumbau und 14 Hektar Grünland-Extensivierung. Die alte B 50 werden zu einem Wirtschaftsweg zurückgebaut, den dann der langsam fahrende Verkehr, also landwirtschaftliche Fahrzeuge, nutzen soll. Schließlich sei die neue B 50 eine Kraftfahrstraße, die Fahrzeuge nur mit einem Mindesttempo von 60 Stundenkilometern benutzen dürfen.

Bürgermeister Andreas Hackethal bedankt sich bei den Mitarbeitern, spart aber auch nicht  mit Kritik: „Dass die B 50 neu kommt, ist eine gute Botschaft. Jetzt hören wir aber, dass die alte B 50 zurückgebaut wird. Die von der B 50 neu verdrängten Verkehre müssen aufgefangen werden. Das ist in diesem Fall unzureichend.“ Der Kreisel beim Belginum werde bei zunehmendem Verkehr kollabieren und die Zeiträume, in denen der Bau beginnt, würden auch noch nicht feststehen.

Willi Feilen (Freie Wähler), selbst Landwirt und Kenner des vorhandenen Wegenetzes,  setzt nach: „Das Begleitstraßennetz ist ein Aprilscherz!. Man hätte die vorhandenen Struktur belassen sollen. Sind denn die Planer Träumer?“

Jürgen Jakobs (CDU): „Ich bin über die zwei Grünbrücken verwundert. Dort kann man dann die alte B 50 nicht mehr benutzen. Es ist doch wichtig, dass die Landwirtschaft ihre Straßen hat. Für Bauwerke für Tiere werden Millionen ausgegeben, aber nicht für die Landwirtschaft. Da müssen andere Lösungen her!“

Uwe Andretta (Bündnis 90/Grüne) mahnt Fahrradspuren an und kritisiert die lange Wartezeit. „Der Bau dauert schon zehn Jahre und jetzt erst wird dieses Stück geplant. Der Kreisel funktioniert außerdem nur auf dem Papier. Dort gibt es jetzt schon Rückstau. Mir ist schon einmal einer ins Auto gerauscht, als ich im Stau stand.“

Hermann Moseler (SPD) bestätigt Andrettas Beobachtungen: „Ich kann den Kreisverkehr Hinzerath täglich beobachten. Es ist ein Schildbürgerstreich, eine gut ausgebaute Bundesstraße in einen Writschaftsweg zurückzubauen. Am Kreisverkehr ist tagtäglich Stau. Hier wird für Wildtiere mehr getan als für die Menschen.“

Benedikt Bauch erwidert auf die Kritik, dass ursprünglich tatsächlich der Erhalt der B 50 alt geplant gewesen sei. Aber das sei rechtlich nicht zulässig: „Wir müssen uns an die Gesetze und Verwaltungsvorschriften halten. Zwei parallele klassifizierte Straßen sind nicht gestattet.“  Der neue Kreisverkehr  bei Wederath, der den alten Kreisverkehr ersetzt,  könnte zwischen 2027 und 2030 fertiggstellt werden. Der Fahrradverkehr müsse ohnehin auf den Wirtschaftswegen fahren.