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Auslese: Das Nutellabrot im Wingert

Auslese : Das Nutellabrot im Wingert

Es ist schon einige Jahre her, dass ich bei der Weinlese mitgeholfen habe. Das war in den 1980er Jahren. Es war im November, als ich mit meinem 50-Kubik-Moped, einer „Gilera“, von Trier nach Mertesdorf gefahren bin, um im Weingut der älteren Schwester einer Schulfreundin mitzuhelfen.

Wir trafen uns am Samstag um 8 Uhr morgens mit mehreren Leuten, meist Schüler, aber auch einige ältere Damen aus dem Dorf.

Wir setzten uns allesamt auf die Pritsche eines VW-Busses, Modell T 2 (heute ein gesuchter Oldtimer) und fuhren in den Wingert. Es holperte und wackelte auf dem unbefestigten Weinbergweg, und so lernte man  sich auf der engen Pritsche ziemlich schnell kennen. Endlich am Weinberg angekommen, wurden Handschuhe, Eimer und Scheren ausgegeben und es ging bei zehn Grad und leichtem Nieselregen hoch in die Steillage.

 Dann hieß es: Tempo und Augen auf! Schließlich warteten die Hottenträger nicht ewig auf einen. Man musste natürlich beim Lesegut genau hinschauen und andererseits auch in der extremen Steigung die Balance halten. Das galt auch für den zwischen die Rebstöcke ge­klemmten Eimer, denn es war mehr als ärgerlich, wenn solch ein gefüllter Eimer umkippte und den Wingert hinunterkullerte.

Irgendwann am Vormittag gab es dann eine Frühstückspause, zu der aus Isolierkannen dampfender Kaffee und Nutella-Brote gereicht wurden. Niemals hat ein Zwischenfrühstück so gut geschmeckt wie an diesem trüben Novembersamstag im Wingert. Anschließend ging es weiter zum Endspurt. Wer denkt, dass am Ende die jüngeren die schnellsten waren, der irrt. Tatsächlich waren die schon etwas älteren, aber dafür umso erfahreneren Damen aus dem Dorf die schnellsten. Wer das mal mitgemacht hat, weiß die Arbeit zu schätzen, die hinter dem Wein-Machen steckt.

hp.linz@volksfreund.de