1. Region
  2. Mosel, Wittlich & Hunsrück

Auslese-Kolumne: Woher der Orange-Wein kommt

Auslese : Ein Wein mit Geschichte

Nicht rot, nicht weiß, nicht rosé, sondern orange: Das ist die Farbe der gleichnamigen Weinsorte, die seit einigen Jahren als „Geheimtipp“ gehandelt wird. Sie gilt besonders bei naturverbundenen Menschen als sehr beliebt, da die Erzeugung von orangefarbenem Wein ohne allzuviele Zusatzstoffe und auch ohne zusätzliche Hefen erfolgt.

Das liegt daran, dass dieser Wein, zu dem weiße Rebsorten – darunter auch Riesling oder die Siegerrebe – verwendet werden, wochen- bis monatelang auf der Schale liegt, um zu gären. So können die natürlichen Hefen der Schale wirken und den Gärprozess in Gang bringen. Durch diese lange Maische-Standzeit erhält der Wein seine gelblich bis satt-orangefarbenen Ton, der ihn schon farblich von anderen Weinen unterscheidet.

Sein Ursprung reicht nach Südost-Europa zurück. Dort wird vor allem in Georgien und Serbien Wein in dieser traditionellen Art erzeugt. Dabei wird er in den dort typischen Tonfässern, den Quevri gelagert, die in die Erde eingegraben werden. Schon vor rund 5000 Jahren wurde dort der Wein so erzeugt.

Wer sich also auf eine geschmackliche Abenteuerreise in die Geschichte machen will, der sollte dieser eher seltenen Weinsorte mal eine Chance geben. Das kann durchaus für Überraschungen sorgen, sein Aromenspektrum reicht von nussigen Noten über Heu, Tabak, Zitrus bis hin zu Honig.

Generell gilt er aber als guter Begleiter zu eher salzigen Speisen. Seine Herstellung ist recht aufwändig, um die heutigen Standards zu erfüllen. Deshalb wird er meistens von Hand gelesen, zu seinem Ausbau gehört nun einmal eine gute Portion Sorgfalt. Auch auf den Zusatz von Hefe, Schwefelung oder Schönung wird häufig verzichtet, womit er sehr naturbelassen daherkommt. Er gilt auch als sehr lange lagerfähig und entwickelt manchmal erst nach einigen Jahren sein volles Potenzial.

Beim Kauf dieser Weinsorte sollte man auf Qualität achten, da er wegen seiner Naturbelassenheit sehr kontrolliert ausgebaut werden muss. So kühl wie Weißwein sollte er übrigens nicht getrunken werden. Er schmeckt bei etwa 15 Grad am besten. Zum Wohl!

hp.linz@volksfreund.de