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Auslese, Weinkolumne: Ein Wein für Philosophen

Auslese : Ein Wein für Philosophen

Er ist eher trocken, vollmundig und ein wenig in Vergessenheit geraten: Ortega ist ein Wein, der auch im Sommer passt und eine Alternative bietet.

Es gibt Rebsorten, die sind zeitlos und immer beliebt, wie der Riesling, der die prägende Rebsorte für die Mosel ist. Andere Sorten führen ein Nischendasein und sind vom Zeitgeist abhängig. In den 1960er-Jahren war die Nachfrage nach lieblichen Weinen hoch, so dass sie mit Riesling kaum gestillt werden konnte. Weil er hohe Mostgewichte versprach, begannen manche Moselwinzer damals damit, die Ortega-Rebe anzubauen.

Ortega-Weine zeichnen sich durch eine feine Frucht aus, die sich in Richtung Pfirsich-Aroma entwickelt, die Säure ist eher zurückhaltend. Die Rebsorte ist relativ neu, denn sie wurde erst 1948 als Kreuzung aus der Siegerrebe und Müller-Thurgau entwickelt.

Eigentlich ist es ein spannender Wein, der allerdings in den vergangenen Jahren wenig nachgefragt wurde, so dass nur noch wenige Winzer ihn anbieten. Nach einem ersten Blick ins Internet fand sich immerhin ein Winzer in Zeltingen-Rachtig, der Ortega noch im Programm hat. Sein Hauptanbaugebiet hat er mittlerweile in der Pfalz, wo der Ortega oftmals sogar Ausleseniveau erreicht. Es lohnt sich also, auch einmal dem Riesling fremdzugehen und unbekanntere Weine zu probieren.

Benannt ist der Ortega übrigens nicht nach dem Torhüter Stefan Ortega von Arminia Bielefeld, sondern nach dem spanischen Philosophen José Ortega y Gasset (1883 - 1955), dessen Hauptwerk „Aufstand der Massen“ in diesen Tagen wieder aktuell ist. Es kritisiert darin den „Massenmenschen“, der alle Errungenschaften der Zivilisation als selbstverständlich erachtet, ohne diese zu hinterfragen und diese zu respektieren. Ein Wein für Philosophen also.

hp.linz@volksfreund.de