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Ausstellung: Der Schwarze Tod an der Lieser

Ausstellung: Der Schwarze Tod an der Lieser

Die Pest spielt in Wittlichs Stadtgeschichte eine große Rolle. Von 1630 bis 1636 raffte sie über ein Viertel der Bevölkerung dahin. Der Pestheilige St. Rochus ist Wittlicher Stadtpatron. Eine Ausstellung im Alten Rathaus soll Licht in diese düstere Epoche bringen.

Wittlich. Mit seinen etwa 20 000 Einwohnern ist Wittlich eine über die Region hinaus bekannte Kreisstadt mit Schulen, einem Krankenhaus, der Kreisverwaltung und vielen weiteren wichtigen Einrichtungen. Was wäre, wenn ein Viertel der Wittlicher innerhalb von nur wenigen Wochen an einer unheilbaren Krankheit sterben würde? Das öffentliche Leben der Stadt würde wahrscheinlich zusammenbrechen und im Chaos versinken. Die Krankenhäuser wären überfüllt, die Busse würden nicht mehr fahren. Dieses heute kaum vorstellbare Szenario ist kein Horrormärchen, sondern hat sich so vor über 400 Jahren abgespielt. Von 1630 bis 1636 wütete die Pest in der Lieserstadt, die über ein Viertel ihrer Einwohner einbüßte.Eröffnung am 20. Oktober


Die Pest ist eine Infektionskrankheit, die von Ratten und Flöhen an den Menschen übertragen wird. Das Pest-Bakterium löst dann durch Sekrete, die es abgibt, eine Blutvergiftung aus. Es entstehen Beulen an den Lymphknoten im Bereich der Achselhöhlen und Leisten. Diese Beulen können einen Durchmesser von bis zu zehn Zentimetern erreichen und färben sich schwarz-blau, bis sie vereitern und verfallen, weshalb die Krankheit auch als "schwarzer Tod" bezeichnet wird. Das Opfer hat Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen und stirbt nach wenigen Tagen oder Wochen an der Vergiftung.
An diese Zeit will eine Ausstellung erinnern, die am 20. Oktober im Alten Rathaus in Wittlich eröffnet wird. Der Kunsthistoriker Dr. Richard Hüttel und seine Frau, Dr. Barbara Mikuda-Hüttel, sind als Kuratoren für diese Schau verantwortlich, die den Namen "Ohnmacht und Grauen" trägt. "Ohnmacht ist nun mal unser Thema," sagt Hüttel. Damals kannten die Menschen keine Ursache für die Pest. Das Grauen, die Angst seien den Leuten viel näher gewesen als heute. Für die Pest gab es keine Diagnose, keine Therapie, sie brach über eine Kleinstadt herein - mit extremen Folgen. "Wir wollen die kleine Welt Wittlich mit Blick auf das Ganze erklären," sagt Hüttel.
Dazu werden 47 Ausstellungsstücke gezeigt, von Bildern, Gemälden, Dokumenten über Skulpturen und Bücher bis zu Apotheker-Waren. Darunter sind Leihgaben von Museen aus der ganzen Republik und viele private Leihgaben. So habe man zum Beispiel Kröten getrocknet und zerrieben, um mit dem dann einzunehmenden Pulver die Pest zu kurieren. Natürlich kommen auch die beiden Pest-Heiligen St. Rochus und St. Sebastianus in der Ausstellung nicht zu kurz, die ohnehin Stadtpatrone von Wittlich sind.
Auch die Kirche reagierte auf die Pest-Epidemie. Besonders Sehlem sei sehr betroffen gewesen, erläutert Hüttel. Davon zeugt noch heute eine Rochuskapelle. Sowohl Sehlem wie auch Salmrohr seien fast ausgelöscht gewesen. Selbst die traditionelle Wittlicher Säubrennerkirmes stehe in Verbindung mit der Verehrung des Rochus, denn sie beginnt traditionell am 16. August, dem Rochus-Tag.
Ein Höhepunkt der Ausstellung soll die Schau einer Pestleiche sein. Deren Skelett werde nächste Woche von einem Museum in Andernach nach Wittlich überführt. Außerdem wird die Ausstellung die Kirchenbücher der damaligen Zeit präsentieren, in denen die Namen der Pestopfer verzeichnet sind.
Das Kulturamt der Stadt sucht für den Zeitraum der Ausstellung ehrenamtliche Mitarbeiter, die während der Öffnungszeiten kleine Fragen beantworten und die Aufsicht in den Ausstellungsräumen übernehmen. Die Zeiten sind dienstags bis samstags von 11 bis 14 Uhr und von 14 bis 17 Uhr sowie sonntags und feiertags von 14 bis 17 Uhr. Im Vorfeld wird es eine Schulung durch die Kuratoren geben.