"Ausstellung kann nur ein erster Schritt sein"

"Ausstellung kann nur ein erster Schritt sein"

Der 27. Januar 2008 ist ein wichtiger Tag für Traben-Trarbach. Dann wird die inzwischen am Mittelmosel-Museum angebrachte Gedenktafel für die ermordeten Juden der Stadt in einer Feierstunde der Öffentlichkeit präsentiert. Gleichzeitig wird an dem Tag die Sonderausstellung "Jüdisches Leben in Traben-Trarbach" eröffnet. Für Museumsleiter Christof Krieger kann dies aber nur ein "erster, bescheidener Schritt" sein.

Traben-Trarbach. Christof Krieger ist derzeit auf der Suche nach Exponaten, die an das jüdische Leben in der Stadt Traben-Trarbach erinnern. Denn der studierte Historiker, der seit über sieben Jahren das Mittelmosel-Museum leitet, ist von der Stadt mit der Ausarbeitung des dunkelsten Kapitels der Stadtgeschichte beauftragt worden. Noch hat Krieger nur wenige Original-Exponate und -Fotos zusammentragen können - unter anderem ein Foto, auf dem ein mannshohes Schild am Ortseingang von Kautenbach zu sehen ist mit der Aufschrift "Juden unerwünscht" sowie eine Kleiderbürste mit dem Firmenlogo des jüdischen Textilkaufmanns Schoemann, der bis zur Vertreibung sein Geschäft in der Brückenstraße betrieb. Dass für diese Sonderausstellung bislang nur wenige authentische Exponate und Fotos zur Verfügung stehen, hält Krieger zwar für bedauerlich, dies sei aber kein gravierendes Hindernis. "Beklemmender als manches originale Ausstellungsstück"

Krieger: "Im städtischen Museum Simeonstift in Trier zeigt man etwa Reproduktionen von Personen-Kennkarten aller ehemaligen jüdischen Bürger in Verbindung mit Video-Einspielungen von Holocaust-Überlebenden. Das ist eindrucksvoller und beklemmender als manches originale Ausstellungsstück." Geplant sei daher auch eine Video-Einspielung mit dem in Traben-Trarbach geborenen Juden Martin Schmitz, der den Holocaust überlebte. Die Sonderausstellung ist das eine, daneben ist geplant, im Museum auf Dauer einen jüdischen Gedenkraum einzurichten. Und damit, so Krieger, stehe automatisch die Museumsrenovierung auf der Tagesordnung. Neben diesen baulichen Voraussetzungen müssten aber auch die wissenschaftlichen Grundlagen erarbeitet werden. Krieger: "Selbst wenn ein solcher Raum morgen fertig wäre, wird es mindestens ein Jahr dauern, bis eine wissenschaftlich fundierte Präsentation zum Alltagsleben und Schicksal der jüdischen Bürger Traben-Trarbachs gezeigt werden kann." Doch Krieger ist zuversichtlich, dass das Projekt in Angriff genommen und abgeschlossen werden kann. Krieger: "Sowohl der Bürgerschaft als auch dem Stadtrat und der Bürgermeisterin ist es augenscheinlich ernst mit der Aufarbeitung des dunkelsten Kapitels der Stadtgeschichte. Die für den 27. Januar vorgesehene Sonderausstellung kann lediglich ein erster, bescheidener Schritt sein."Fotos gesucht Museumsleiter Christof Krieger sucht für die Sonderausstellung "Jüdisches Leben in Traben-Trarbach" Alltagsgegenstände, die insbesondere an die jüdischen Geschäftsleute der Stadt erinnern, aber auch Fotos, etwa von Vereinen, auf denen jüdische Bürger mit abgebildet sind. Wer solche Gegenstände oder Fotos besitzt, kann sich mit Christof Krieger, Telefon 06541/9480 (Mittelmosel-Museum), in Verbindung setzen.