Ausstellungen, Konzerte, Erinnerungsarbeit: An Mosel und Lieser punkten drei Städte mit unterschiedlichen Angeboten

Ausstellungen, Konzerte, Erinnerungsarbeit: An Mosel und Lieser punkten drei Städte mit unterschiedlichen Angeboten

Ein vielfältiges kulturelles Angebot mit speziellen Schwerpunkten: Im TV-Städtecheck zeigen Wittlich, Bernkastel-Kues und Traben-Trarbach Profil und ergänzen sich sogar.

Ein klassisches Konzert oder doch lieber eine Ausstellung besuchen? Die Ansprüche der Menschen sind unterschiedlich und breit gefächert. Die drei Städte Bernkastel-Kues, Wittlich und Traben-Trarbach antworten daher auch mit unterschiedlichen, sich ergänzenden Konzepten auf die Nachfrage nach Kultur.

Kunst für Familien: Der Traben-Trarbacher Stadtrat hat vor wenigen Monaten einen speziellen Kulturausschuss gegründet, um das Angebot zu koordinieren und zu diskutieren. "Wir sind bereit, uns weiterzuentwickeln, haben eine Kulturlandschaft, die vom Wein geprägt ist", beschreibt Wiebke Büllesbach von der Traben-Trarbacher Tourist-Information die Situation. Traben-Trarbach habe eine traditionelle Weltoffenheit, sei in der Vergangenheit der weltweit zweitgrößte Umschlagplatz für Wein gewesen. Das sei der Weg, an dem sich Kultur entwickeln kann.

Büllesbach sagt: "Ausstellungen sind ein Schwerpunkt, diese richten sich auch an Familien, wie zum Beispiel die aktuelle Rizzi-Ausstellung." Mit der Präsentation von Werken des weltweit bekannten New Yorker Künstlers kann die Stadt durchaus berechtigt auf Aufmerksamkeit auch jenseits der Kreis-Grenzen hoffen.

Zudem kann Traben-Trarbach mit drei Museen punkten: dem Mittelmosel-Museum mit Exponaten aus dem 19. Jahrhundert, dem Ikonen-Museum und dem einzigartigen Buddha-Museum. Sonntagskonzerte der Musikvereine im Pavillon am Moselufer und Kabarett-Abende mit Jacques Bistro in der Lorettahalle sollen das Angebot ergänzen. Die Kultur von Traben-Trarbach richtet sich gleichermaßen an Einheimische und an Touristen.

Musik von Weltstars: Für Hermann Lewen, Kultur-Manager von Bernkastel-Kues, ergänzen sich die Angebote der beiden Moselstädte. Für Lewen steht fest, dass man nur mit einem passenden Angebot Touristen an die Mosel locken kann. "Wir sind eine ,Anlass-Gesellschaft\' geworden. Man braucht als Tourist einen Anlass, um irgendwohin zu fahren. Trier hat das vor Jahren mit der Konstantin-Ausstellung vorgemacht." Bernkastel-Kues habe als Ferien- und als Kurort deshalb eine besondere Verantwortung. "Wir haben Kino, die Mosellandhalle, die Tage alter Chormusik und natürlich das Mosel Musikfestival", sagt Lewen.
Das Mosel Musikfestival mit wechselnden Spielstätten von Trier bis Bernkastel-Kues und internationalen Stars ist ein Alleinstellungsmerkmal der Stadt, das schon seit vielen Jahren bundesweit ausstrahlt. Das Festival hatte Lewen vor über 30 Jahren gegründet. Wichtige Voraussetzung dafür: Die Gründung des Kultur- und Kur-Büros der Stadt Bernkastel-Kues, das in der Region einzigartig ist und autonom arbeiten kann. Die Veranstaltungspalette reicht von Kleinkunst, Kindertheater über klassische Konzerte bis zur Volksmusik. Als einzige Stadt verfügt Bernkastel-Kues noch über ein Kino, was auch als Beitrag zur Daseinsvorsorge der Bürger zu werten ist.
"Wir sehen uns als Kultur-Unternehmen, wollen damit auch den Wohnwert der Region stärken und die Landschaft emotionalisieren. Musik in Bernkastel-Kues, Kunst und Ausstellungen in Traben-Trarbach - das passt zusammen!", ist sich Lewen sicher.

Kultur für die Bürger: In Wittlich liegt der Schwerpunkt der Kulturarbeit wiederum eher auf passgenauen Angeboten für die Bürger der Stadt. Das erklärt Elke Scheid vom Kulturamt der Stadt, die auch ein Kulturkonzept entwickelt hat: "Meine Zielgruppe sind die Wittlicher im weitesten Sinne. Schließlich wird Kulturarbeit auch mit Wittlicher Steuergeldern bezahlt." Scheid verweist auf ein Projekt bei dem Wittlicher Dialektausdrücke gesammelt werden: "Das war ein Projekt, bei dem viele Helfer mitgearbeitet haben. Jetzt wird es sogar als zweisprachiges Wörterbuch gedruckt! Diese Sprache stirbt wohl wie viele Dialekte mit einer der nächsten Generationen aus."
Im Gegensatz zur Mosel sei die Kultur in Wittlich nicht so stark auf den Tourismus ausgerichtet. Als Kreisstadt nehme sie eine Sonderstellung ein. "Die Stadt hat einen Schwerpunkt auf Schulen und Wirtschaft, deshalb wird die Kultur vorwiegend auch für Wittlicher und die Region gemacht."

Ähnlich wie in Traben-Trarbach liegt ein Schwerpunkt auf Ausstellungen im Alten Rathaus in der historischen Stadtmitte. Dort sorgte eine Ausstellung mit Werken des Berliner Kunstsammlers und gebürtigen Wittlichers Friedel Drautzburg im vergangenen Jahr für Aufsehen. "Es war sogar eine Delegation vom Willy-Brandt-Haus in Berlin da", erinnert sich die Kultur-Expertin Scheid. Ein wichtiges Thema sei zudem das Emil-Frank-Institut, das die jüdische Geschichte aufarbeite. Jazz- und klassische Musik seien Themen des Jazzclubs Wittlich und des Musikkreises Wittlich, die diese Aufgabe für die Stadt vor bald 30 Jahren übernahmen und entsprechend finanziell unterstützt werden. Wichtig sei zudem die Arbeit des Emil-Frank-Instituts, das die jüdische Geschichte aufarbeite, und aufgrund der Änderung der Bevölkerungszusammensetzung durch die Migration der vergangenen Jahrzehnte werde die muslimische Kultur stärker fokussiert, so Scheid.

Wittlich hat außerdem noch ein junges Alleinstellungsmerkmal. Anfang 2013 wurde die Veranstaltungshalle "Eventum" eröffnet. Das 8,6 Millionen Euro teure Mehrzweckgebäude wird seitdem regelmäßig für den Sportunterricht der weiterführenden Schulen verwendet. Es bietet aber auch bis zu 3400 Konzertbesuchern Platz. Zur Eröffnung spielte damals die Schweizer Soul-Sängerin Stefanie Heinzmann. Im vergangenen Jahr gab es dort mehrere Lesungen des Eifel-Literatur-Festivals, unter anderem mit Pater Anselm Grün.