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Ausweichquartier für Kinder gesucht

Ausweichquartier für Kinder gesucht

Pfarrheim oder Container: Wenn es um die notwendige Ausquartierung der Wehlener Kindergartenkinder geht, sind diese Alternativen im Gespräch. In großer Runde, mit Vertretern des Kreises, soll entschieden werden.

Wehlen/Graach. Wäre maßgebend, was Anfang Februar im TV stand, wären die Kinder und das Personal der integrativen Kindertagesstätte im Bernkastel-Kueser Stadtteil Wehlen längst ausquartiert und die dringend notwendigen Sanierungsarbeiten (Dach, Heizung etc.) hätten in den Sommerferien begonnen. Der Plan der Stadt sah das damals vor. Doch da es bei der baurechtlichen Prüfung Verzögerungen gab (der TV berichtete), wurde der mutmaßliche Baubeginn um ein Jahr verschoben.
Deshalb musste die drängendste Frage auch noch nicht beantwortet werden. Wo werden die Erzieherinnen die mehr als 60 Kinder in der zwölfmonatigen Bauphase betreuen und fördern?. Einfach ist das schon wegen der Zusammensetzung nicht. Neben Kindern aus der Stadt, vornehmlich aus Wehlen, und aus dem gegenüberliegenden Graach, kommen 15 Förderkinder aus dem Kreis in den Moselort.
Besondere Kriterien


Und für Kinder mit Behinderung und/oder Förderbedarf gibt es besondere Kriterien (zum Beispiel spezielle Räume für die Förderung).
Ins Auge gefasst wurde das nur wenige Meter entfernt liegende ehemalige Pfarrhaus. Es stehe zur Verfügung, sagt Stadtbürgermeister Wolfgang Port. Allerdings müsse unter anderem noch geprüft werden, ob die Räume geeignet sind und der Brandschutz gewährleistet ist. Dabei kommt der Kreis ins Spiel. "Ein gemeinsamer Termin der zuständigen Behörden wird derzeit abgestimmt", sagt Manuel Follmann, Pressesprecher der Kreisverwaltung.
Eine Alternative zum Pfarrhaus wären Container. Die Kosten dafür beziffert Port auf 100 000 Euro. Mögliche Umbauarbeiten am Pfarrhaus sieht er unterhalb dieser Summe.
Für die Stadt ist die Sanierung der Kindergärten quasi Alltag. In den Um- beziehungsweise Neubau des Antonius-Kindergartens im Stadtteil Kues flossen 2,75 Millionen Euro, in Arbeiten im vom DRK betriebenen Kindergarten auf dem Kueser Plateau etwa 600 000 Euro. Für Wehlen ist ein Betrag von etwa 1,6 Millionen Euro vorgesehen. Den städtischen Anteil für die drei Projekte beziffert Port auf 2,6 bis 2, 7 Millionen Euro.
Derzeit besuchen auch 13 Kinder aus Graach den 41 Jahre alten Hort in Wehlen. Das heißt: Die Gemeinde muss für die Sanierung mitbezahlen. Nach derzeitigem Stand sind es 240 000 Euro. "Das ist viel Geld, aber natürlich tragen wir das mit", sagt Ortsbürgermeister Gerhard Zimmer. Von Vorteil ist das derzeit niedrige Zinsniveau. Günter Wagner, Kämmerer der VG Bernkastel-Kues, rechnet vor: Wenn die Gemeinde einen Kredit aufnimmt, zahlt sie ihn mit jährlich 10000 Euro 27 Jahre lang ab.
Durchaus bedeutend für Graach: Mehrere Gemeindestraßen sind saniert worden. Aufwand für den Ort: mehrere 100 000 Euro. "Wie viele Kindergärten hätte man mit den 500 Millionen Euro für den Nürburgring bauen können", sinnieren Port und Zimmer.
Wie sehen die Eltern die Situation? "Wir sind zu Kompromissen bereit. Wichtig ist, dass die Kinder nicht auseinandergerissen werden", gibt Sonja Weber die Meinung des Elternbeirates wieder. Eine Containerlösung sei schwierig, weil es ihres Wissens in ganz Rheinland-Pfalz so etwas für Förderkinder nicht gebe. Unstrittig sei, dass das Gebäude saniert werden müsse, was Einschränkungen mit sich bringe.