Auszubildende werden langsam rar
Noch drängen starke Jahrgänge auf den Arbeitsmarkt. In zwei, drei Jahren wird eine Veränderung einsetzen: Auszubildende werden Mangelware. Wohl dem Betrieb, der sich bis dahin mit Fachkräften versorgt.
Sunny Sprenger (links ) ist im zweiten Lehrjahr. Geselle Uwe Tennhardt (rechts) arbeitet bereits seit 36 Jahren bei Hermann Schultze (Zweiter von rechts). Ferdinand Zingen (Agentur für Arbeit) wirbt um noch mehr Ausbildungsplätze, damit die Arbeitswelt für die Zukunft gewappnet ist. TV-Foto: Clemens Beckmann
Bernkastel-Kues. Im Zuständigkeitsbereich der Agentur für Arbeit Bernkastel-Kues liegt die Arbeitslosigkeit bei 4,4 Prozent. Da spricht man von Vollbeschäftigung. Einen Makel hat die Statistik: Die Schere zwischen Ausbildungsstellen und Bewerbern klafft, und das gilt für die ganze Region Trier, wieder ein Stück weiter auseinander - zu Ungunsten der Bewerber. Das liegt nach Auskunft von Ferdinand Zingen, Leiter der Bernkastel-Kueser Agentur, daran, dass immer noch geburtenstarke Jahrgänge auf den Markt drängen. "Das ändert sich erst 2009/2010", erläutert er. Beim gestrigen "Tag der Ausbildung" warb Zingen deshalb verstärkt um Ausbildungsstellen: zum Beispiel im Maler- und Lackier-Handwerk. "Im Umkreis von 50 Kilometern gibt es da derzeit nur einen arbeitslosen Gesellen", berichtete er. Gleichzeitig haben etwa 40 junge Leute aus einem Umkreis von 20 Kilometern Interesse für einen Ausbildungsplatz als Maler und Lackierer angemeldet. Leute, so Zingen, bei denen auch die Eignung für diesen Beruf vorliegt. Die Chancen, später übernommen zu werden, stehen gut. Zingen: "Derzeit sind neun offene Stellen gemeldet." Gleichzeitig seien aber nur vier freie Ausbildungsplätze gemeldet. Hermann Schultze, der in Bernkastel-Kues einen Betrieb führt und gleichzeitig Obermeister der Innung im Kreis Bernkastel-Wittlich ist, beschäftigt fünf Auszubildende. Im August, wenn einer von ihnen die Prüfung abgelegt hat, kommt ein Neuer hinzu. Schultze hat sich schon bereit erklärt im Jahr 2008 nach gleicher Verfahrensweise ein bis zwei Auszubildende einzustellen. Für seinen Betrieb stellt er fest: "Die besten Leute sind die, die man sich gezogen hat." In Schultzes Betrieb arbeiten einige Leute bereits seit Jahrzehnten. Das Verhältnis zwischen Bewerbern und offenen Stellen wird sich demnächst umkehren. Es wird mehr Stellen als Bewerber geben. Deshalb werben Zingen und Schultze dafür, dass sich die Arbeitgeber aller Branchen verstärkt um Ausbildungsplätze kümmern, um dem drohenden Fachkräftemangel entgegenzuwirken.