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Auszug der Mönche: „Der Konvent ist aufgelöst, aber Himmerod lebt!“

Auszug der Mönche: „Der Konvent ist aufgelöst, aber Himmerod lebt!“

Was sagen die Bürgermeister und andere Betroffene zum Auszug der Mönche aus dem traditionsreichen Kloster in Großlittgen? Wie soll es mit dem Kloster weitergehen? Der TV hat nachgefragt.

Eine fast 900-jährige Tradition hat am 14. Oktober ihr Ende gefunden: Abt Johannes Müller hatte am Samstag bekanntgegeben, dass die Niederlassung der Ordensgemeinschaft der Zisterzienser im Kloster Himmerod nun aufgelöst ist .-------Mehr zum Thema

 In der Abtei Himmerod geht es dank Förderverein wieder aufwärts. TV-Foto: Archiv/Hans-Peter Linz
In der Abtei Himmerod geht es dank Förderverein wieder aufwärts. TV-Foto: Archiv/Hans-Peter Linz Foto: (m_wil )

Der Trierer Bischof Stephan Ackermann will die Eifeler Abtei Himmerod erhalten
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Grund soll der seit Jahren andauernde personelle Aderlass sein. Die fünf Patres und Brüder - vor 40 Jahren waren es noch etwa 30 Mönche - werden in andere Klöster ihres Ordens ziehen. Mit der Auflösung des Konvents gehen die Immobilien und Grundstücke an das Bistum über. Die Wirtschaftsbetriebe - ein Restaurant, eine Bücherei, eine Klostergärtnerei, ein Gästehaus sowie ein Fischereibetrieb - sollen ebenso weiterlaufen wie auch der kulturelle Bereich. Der TV hat Stimmen zum Weggang der Mönche eingeholt und nachgefragt, wie sich die lokalen Akteure aus der Politik und dem Förderverein die Zukunft des Klosters vorstellen. Dennis Junk, Bürgermeister VG Wittlich-Land: "Für uns ist das enttäuschend, wenn man sieht, wie viele Jahrhunderte das Klosterleben in Himmerod währte. Aber auf der anderen Seite müssen wir mit der Situation umgehen. Gemeinsam mit dem Förderverein werden wir das Gespräch mit dem Bistum und Kontakte zu Orden verschiedenster Art suchen, damit das Klosterleben - wenn möglich - aufrecht gehalten werden kann. Die Abtei Himmerod ist für die Verbandsgemeinde ein besonderer Ort, weil dort auch der Eifelsteig vorbeiführt."
Walter Densborn, Mitglied des Fördervereins und Pächter des Klosterbuchladens: "Der Konvent ist aufgelöst, aber Himmerod lebt. Vergangenen Sonntag waren circa 1000 Besucher in der Abtei. Die wirtschaftlichen Betriebe haben wir erfolgreich aus der Insolvenz geführt. Allein im vergangenen Jahr - als ich auch noch Pächter des Restaurants war - haben wir im Buchladen und der Gastronomie eine Million Euro Umsatz gemacht und unsere Pacht an das Kloster gezahlt. Wir haben gezeigt, dass die Betriebe in Himmerod wirtschaftlich geführt werden können. Aber für Investitionen in die Zukunft reichen diese Einnahmen der Abtei wohl nicht. Dabei sollte man sich fragen, ob die Ressourcen des Areals wirklich ausgenutzt sind. Wir hoffen jedenfalls, dass sich mit Unterstützung des Bischofs und des Bistums eine andere Glaubensgemeinschaft für die Abtei findet. Aber das sind Träume - die man aber auch in solchen Situationen haben darf."
Wolfgang Valerius, Organist in Himmerod: "Wir bedauern alle, dass der Konvent aufgelöst wurde, weil das hiesige kulturelle Leben weit über Himmerod hinaus Bedeutung hat. Aber ich bin zuversichtlich, dass es weitergeht - davon gehen wir auch aus. Denn mit der bestbesuchtesten Orgelkonzertreihe in Rheinland-Pfalz, 2016 hatten wir 7500 Besucher, hat man ein Pfund zum Wuchern. Himmerod ist ein besonderer Ort, der schon andere Krisen überstanden hat."
Karl-Heinz Hubo, Ortsbürgermeister Großlittgen: "Ich bin guter Hoffnung, dass es weitergeht und Gespräche mit anderen Glaubensgemeinschaften geben wird, die eventuell Interesse an dem Kloster zeigen könnten. Es wäre schon fatal, wenn alles geschlossen würde, denn da hängt touristisch viel dran. Wir hoffen auf gute Gespräche mit dem neuem Herrn der Liegenschaft, dem Bistum, das uns hoffentlich wieder eine Glaubensgemeinschaft nach Himmerod bringen kann. Dann könnte auch das geistige Leben in der Abtei wiederkommen. So wie wir es gewohnt sind."Wie die VG Wittlich-Land mitteilt, zählte das Kloster Himmerod vergangenes Jahr 13?000 Übernachtungen. Derzeit sind dort 30 Bedienstete inklusive geringfügig Beschäftigte tätig. in Himmerod bleiben und dort weiter seine geistlichen Dienste wie Messen und Taufen verrichten. Die Mitglieder des Fördervereins wollen weiter zu Meditationen nach Himmerod einladen. Und auch die Konzertreihen sollen weitergehen. Organist Wolfgang Valerius plant derzeit die Termine für 2018 "mit musikalischen Größen, die man im Umkreis sonst nirgends zu hören bekommt".
Info: Im Refektorium der Abtei Himmerod findet am Sonntag, 22. Oktober, 15 Uhr, ein Konzert mit spanischer Musik der Renaissance statt. Zu hören sind Sabine Loredo Silvo (Mezzosopran), die von Luzinde Hahne an der keltischen Harfe begleitet wird.