Authentische Einblicke in den Kriegsalltag

Authentische Einblicke in den Kriegsalltag

Im Stadthaus "Alter Bahnhof" startet der "Arbeitskreis für Heimatkunde Traben-Trarbach" am Mittwoch, 21. Januar, um 19.30 Uhr seine diesjährige winterliche Veranstaltungsreihe mit einem ganz besonderen Vortragsabend: Im Mittelpunkt steht das Schicksal des französischen Kriegsgefangenen Jean-Louis Morvan, der von Januar 1942 bis zum Kriegsende bei verschiedenen Winzerfamilien in der Doppelstadt arbeitete und seine vielfältigen Erlebnisse in einem detaillierten Tagebuchbericht aufzeichnete.

Traben-Trarbach. (red) "Ich habe selten so etwas Spannendes gelesen", gesteht Museumsleiter und Vereinsvorsitzender Christof Krieger, dem die ungewöhnlichen Aufzeichnungen vom Trierer Heimatforscher Adolf Welter zur Verfügung gestellt worden sind. Welter beschäftigte sich unter anderem auch mit der Geschichte des einstigen deutschen Kriegsgefangenenlagers auf dem Trierer Petrisberg, dem zwischen 1939 und 1945 sämtliche Gefangenenunterkünfte der Region - so auch die in Traben-Trarbach - als Nebenlager zugeordnet waren. Über einen befreundeten französischen Forscherkollegen kam Welter hierbei dann auch Morvans Tagebuch in die Hände, aus dem er daraufhin bereits auch schon einen kurzen Auszug über dessen Trierer Aufenthalt publizierte.

Doch der umfassendste — und für Traben-Trarbach zweifellos interessanteste Teil — der augenscheinlich nach dem Krieg überarbeiteten Aufzeichnungen von Jean-Louis Morvan blieb bislang unveröffentlicht. Dabei beschränken sich die Darstellungen des 1920 in der Normandie geborenen Studenten, der 1940 in deutsche Kriegsgefangenschaft geriet, keineswegs allein auf nüchterne Daten und Fakten, wobei er etwa jeden Luftkampf und Flugzeugabsturz in Traben-Trarbach und den umliegenden Orten fast minutiös dokumentierte.

In einer nachgerade romanhaften Anschaulichkeit gibt der Franzose, der vom Januar 1942 bis März 1945 bei verschiedenen Winzerfamilien in der Doppelstadt arbeitete, überdies einen ebenso authentischen wie wohl zweifellos einzigartigen Einblick in den Kriegsalltag der Doppelstadt und ihrer Bürger: Neben seinem harten Arbeitsalltag und den diversen Schikanen, die er von seinem ersten "Patron" zu erdulden hatte, berichtet Morvan auch von der politischen Einstellung so mancher seiner "Gastgeber"; etwa wie einige ihm gegenüber anfänglich mit den deutschen Siegen prahlten und in markigen Worten die Zukunft eines deutschbeherrschten Europas ausmalten, nach Stalingrad jedoch zunehmend kleinlauter wurden. Aber auch von anderen Traben-Trarbachern berichten die Aufzeichnungen, die sich den Gefangenen gegenüber wohlgesonnener zeigten und gemeinsam mit dem Franzosen in ihrem Haus trotz strengen Verbotes sogar Feindsender abhörten. Nicht minder eindrücklich schilderte Jean-Louis Morvan aber auch seine ganz persönlichen Hoffnungen und Gefühle, bisweilen aber auch Zweifel, seine ferne Heimat jemals wieder zu sehen.

Ein ganz besonderes Kapitel stellen zudem die minutiösen Schilderungen der letzten Kriegsmonate in Traben-Trarbach dar: Das militärisch völlig sinnlose Ausheben von Panzergräben findet sich dort ebenso dokumentiert wie die Ankunft des aus Luxemburg geflohenen Gauleiters Simon, der sich 1944 für wenige Wochen im Wildbadtal einnistete, die Erschießung von deutschen Deserteuren wie auch die Sprengung der alten Moselbrücke. Fast schon wie ein Abenteuerroman liest sich die Beschreibung der Flucht der Kriegsgefangenen eine Woche vor dem Einmarsch der Amerikaner, wobei sich Morvan, der im Ortsteil Litzig nur knapp einer Patrouille bewaffneter Hitlerjungen entkam, mit einigen Kameraden am Berghang des Mont Royal gegenüber Wolf in den Hecken versteckte und dort, um sein Leben fürchtend, die letzten Kampfhandlungen abwartete.

Den Vortrag gestalten Adolf Welter und Christopf Krieger. Der Eintritt ist frei.